Erst ein Tritt für Aigner, dann viel Trost

Stand: 23.10.2026, 19:49 Uhr

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23.10.2026, Bayern, München: Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des bayerischen Landtags, nimmt am CSU-Parteitag in der Messehalle teil und verfolgt die Rede von Ministerpräsident Söder. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

„Ilse“-Sprechchöre bei der CSU – Aigner in Reihe 1, direkt neben Alexander Dobrindt. © Sven Hoppe/dpa

Wird Ilse Aigner Bundespräsidentin? Pünktlich zum CSU-Parteitag meldet die CDU eigene Ansprüche an. Ist das ein kalkuliertes Foul? Es rumort in den Parteien.

München – Sie nimmt den kürzesten Weg, aber auch der ist lang. Ilse Aigner huscht zwar durch den Seiteneingang in die Halle, eilt, so zügig es das lädierte Knie zulässt, ihrem Sitzplatz entgegen. Aber nach wenigen Metern haben die Kamerateams sie entdeckt und stürmen auf sie zu. Und ihr Weg ist auch nicht frei, denn Aigner läuft direkt in den Pulk von Markus Söder. „Frau Präsidentin!“, ruft Söder, dann bedeutsame Pause: „....des Landtags“.

Kein Zweifel: Aigner, die populäre Oberbayerin, rutscht in den Mittelpunkt dieses Parteitags. Ob sie mag oder nicht. Die Spekulationen um ihre Kandidatur als Bundespräsidentin erreichen den Höhepunkt an diesem Wochenende. Weil die CSU sie nicht ausruft, aber mit Inbrunst feiert, hochjubeln und hinklatschen will ins höchste Staatsamt. Aber auch, weil die Schwesterpartei CDU just zum Start des Parteitags eine Gegenbewegung startet.

Bericht über CDU‑Präsidentschaftskandidaten: Für die CSU ein schwesterlicher Tritt vors Schienbein

Aigner ist gerade auf dem Weg in die Halle, als am Freitagnachmittag ein „FAZ“-Bericht die Runde macht. Die Zeitung, in der Politik von seriösem Ruf, berichtet ohne genaue Quellenangabe: „Die CDU erhebt durchaus den Anspruch, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten zu benennen.“ Parteichef Friedrich Merz habe sich noch nicht entschieden, wen er unterstütze.

Dies minutengenau zum Start des CSU-Parteitags: natürlich ein schwesterlicher Tritt vors Schienbein. In der CSU rätseln viele über das Motiv. Mehrere vermuten Angst bei Merz‘ CDU, von Söder vorgeführt zu werden, falls er doch auf seinem Parteitag Aigner offiziell ausruft. Andere gut Vernetzte in der CDU berichten: In mehreren Landesverbänden reife der dringende Wunsch, jemandem aus der eigenen Partei ins höchste Staatsamt zu verhelfen, wisse aber nicht, wem. Teile der NRW-CDU stehen hinter Julia Klöckner, aus Hessen gab es die Idee mit Boris Rhein, dazwischen wabert das Gerücht, der Merkel-Vertraute Thomas de Maiziére habe doch Zeit.

CSU-Beifall für Aigner: „Das hat mich schon berührt“

Aigner selbst wollte eigentlich diesen Parteitag ohne große Ausrufung, aber eben auch ohne offenen Gegenwind überstehen. Alle Nachfragen dazu lächelt sie freundlich weg, aber die Stimmung vorn im Ehrenbereich wirkt schon etwas gedämpft. Solange zumindest, bis Söder Aigner in seiner Parteitagsrede erwähnt. „Die Entscheidung wird woanders gefällt“, hebt er an, aber er werde es „von Herzen gönnen, wenn Ilse Aigner die nächste Bundespräsidentin wird“. Da bricht sofort Jubel aus im gesamten Saal, langer Beifall, dann sogar „Ilse, Ilse“-Sprechchöre. Sie steht irgendwann auf, winkt, dankt.

Später am Freitagabend steht Aigner bei ihren oberbayerischen Delegierten, Selfie-Trauben, Schulterklopfen. Der Beifall, die Ilse-Chöre? „Das hat mich schon berührt“, sagt sie unserer Zeitung. „Weil‘s ein Kompliment ist für 30 Jahre Arbeit für die Partei.“

Was nun? Am Samstagvormittag redet Merz in München. Schwer denkbar, dass er das Thema ganz umschiffen kann. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sagt unserer Redaktion: „Das Stimmungsbild heute hat doch gezeigt, dass es womöglich gar keinen Besseren gibt als Ilse Aigner.“ Auch CSU-Vize Manfred Weber verschärft den Ton am Rand des Parteitags. Er verknüpft die Personalie Aigner mit Merz‘ Erfolg. „Eine schnelle Lösung wäre gut, weil die Koalition damit ein Signal der Handlungsfähigkeit aussendet.“ So und so sei Aigner „die Bundespräsidentin der Herzen“.