Erster Auftritt mitten im Feindesland
Hoffnungsträger Lüthi will 100 Tage Schonfrist
Es ist Marc Lüthis erster öffentlicher Auftritt als neuer Verbandsboss. Durch clever zu wertende Schachzüge steigt die Hoffnung, dass Gräben zugeschüttet werden und etwas bewegt werden kann.
Publiziert: 18:12 Uhr
Darum gehts
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- Marc Lüthi wird mit 42:6 Stimmen neuer Präsident des Schweizer Eishockey-Verbands
- Er will Einigkeit im Schweizer Eishockey fördern, trotz früherer SCB-Vergangenheit
- Lüthi kündigt 100 Tage Einarbeitung an – und eine langfristige Amtszeit ohne Zeitangabe
Marcel AllemannReporter Eishockey
Es ist ein gewöhnungsbedürftiges Bild. Da sitzt Marc Lüthi (65) doch tatsächlich in der Freiburger BCF-Arena und lädt zu seiner ersten Medienkonferenz als Verbandspräsident. Ausgerechnet an dem Ort, der während seiner 28 Jahre als starker Mann beim SCB Feindgebiet Nummer eins war.
Der Ort ist natürlich nicht zufällig gewählt, sondern soll demonstrieren, dass SCB-Lüthi zu neuen Ufern aufgebrochen und ab sofort der Verbands-Lüthi ist. Der Lüthi von dem Verband, über den er 28 Jahre gelästert habe, wie er zugibt.
Er wolle mit diesem ersten offiziellen Termin am Röstigraben Einigkeit demonstrieren: «Es repräsentiert die ‹Unité› des Schweizer Eishockeys.» Und dessen Wohl steht für ihn in seiner neuen Funktion über allem. Als sich Lüthi dann noch explizit bei den Verantwortlichen von Gottéron für das Gastrecht bedankt, wird es fast schon ein wenig kitschig.
Lüthi und Anner und ihr Wandel
Am Vorabend war Lüthi mit einem Ergebnis von 42:6 Stimmen in einer virtuell stattfindenden Wahl zum neuen Verbandsboss gewählt worden. «Ein derart gutes Ergebnis habe ich nicht erwartet», sagt Lüthi, der bei seinen Eingangsworten festgehalten haben will, dass er der Marc sei: «So habe ich das immer gehalten, und so werde ich es auch weiterhin halten.» Er sei durchaus froh, dass es bei seiner Wahl auch Gegenstimmen gegeben und nicht «nordkoreanische Verhältnisse» geherrscht hätten, sodass er durch Taten weitere Überzeugungsarbeit leisten müsse.
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Lüthi an der PK:«Habe 28 Jahre über diesen Verein gelästert»
Dies musste er auch beim Mann, der neben ihm sitzt. Marc-Anthony Anner (57), Vizepräsident mit dem Betätigungsfeld Nachwuchs-, Amateur- und Frauensport. Dieser war zunächst gar nicht begeistert von der Nomination von Lüthi und machte daraus auch keinen Hehl. Doch sie hätten in den letzten Wochen den Zugang zueinandergefunden, wollten jetzt die zahlreichen bestehenden Baustellen gemeinsam anpacken – sie würden sich dafür gegenseitig brauchen.
«Dass die Wahl so deutlich ausfiel, habe ich vor allem auch Marc-Anthony zu verdanken», hält Lüthi fest. Dieser entgegnet: «Ich bin überzeugt, dass es mit Marc gut kommt.» Haben sich da zwei neue beste Freunde gefunden – oder ist das nur eine Momentaufnahme?
Vaucher als hoffnungsvoller Zuhörer
Die Einigkeit, die an diesem Freitag demonstriert wird, strahlt auf jeden Fall bis ins Publikum aus. Denn da ist nicht nur die Führungsriege von Gottéron mit CEO John Gobbi (44) und Sportchef Gerd Zenhäusern (54) zugegen, da sitzt auch National-League-CEO Denis Vaucher (59) als interessierter und hoffnungsvoller Zuhörer. Diese Tatsache versprüht eine gewisse Zuversicht, dass die bestehenden Gräben zwischen Verband und Liga zugeschüttet werden können. «Die Zusammenarbeit wird sich auf jeden Fall verbessern», verspricht Lüthi.
Zunächst will er 100 Tage zugute haben, um sich einzuarbeiten, «viel zuzuhören, viele Dinge anzuschauen», wie er festhält, und dann erste Schlüsse ziehen. Ein ranker und schlanker Verband schwebe ihm vor, kündet er aber auch an. Eine Aussage, die nicht für alle auf der Geschäftsstelle in Glattbrugg ZH etwas Gutes verheisst.
Gekommen, um länger zu bleiben
Natürlich nimmt Lüthi auch zu einigen Kernthemen Stellung. Über das Sorgenkind Swiss League sagt er etwa: «Wenn ich ein Rezept hätte oder andere ein Rezept hätten, hätten wir das schon lange durchgesetzt. Wir müssen beginnen, dreidimensional zu denken. Es ist nicht so einfach, deshalb müssen wir auf einer grünen Wiese beginnen.»
Zur im Raum stehenden U23-Liga sagt er: «Ich kann mich zu diesem Projekt nicht äussern, da ich es schlicht nicht kenne. Das wurde auf Sportchef-Ebene diskutiert.» Und über seinen Zeithorizont als Präsident, nachdem seine Vorgänger vorzeitig resignierten: «Zeitangaben mache ich keine. Aber ich verspreche, dass ich nicht nach einem Jahr wieder abtreten werde.»