Stand: 24.08.2026, 08:30 Uhr
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Das Ehepaar Köckler steckt voller Ideen. Eine Scheune wurde zur Eventhalle umgebaut, 15.000 Hühner sorgen für Eier-Nachschub, und neben den beiden Eseln gibt es bald weitere Vierbeiner.
Julius und Veronika Köckler sind junge Landwirte, die beide aus landwirtschaftlichen Familien stammen. Trotzdem ist ihr Werdegang mehr als ungewöhnlich. Als Julius Köckler sein Abi in der Tasche hatte, war das Thema Landwirtschaft auf dem heimischen Gehöft in Pelkum nämlich längst Geschichte.
Schweine? Das war einmal ...
Der Großvater war es, der dort noch Schweine gehalten hat. Etwa 2006 war damit Schluss. Da war Enkel Julius noch klein. Weil seine Eltern ihre Zukunft nicht in der Landwirtschaft sahen, wurde das Ackerland verpachtet und die Tiere verkauft. Doch dann absolvierte der jüngste Spross eine landwirtschaftliche Ausbildung. In dieser Zeit lernte er seine heutige Ehefrau kennen, deren Vater Pferde züchtet. Mit denen kann sie umgehen und ist auch im Besitz mehrerer Fahrabzeichen. Aber: „Ich war nie ein Pferdemädchen!“ Stattdessen haben es ihr die Esel angetan. Deshalb gab es zum Polterabend von Freunden zwei Zwergesel als Geschenk.

Der frisch gebackene Ehemann war davon erst wenig begeistert, doch dann entwickelten sich die Esel zu einem sogenannten Zugpferd für den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs. Denn weil die jungen Leute in dieser Zeit und mit der Rückendeckung der Familie („Wir diskutieren alles am Frühstückstisch“) die alte Scheune zu einer schicken Eventhalle umbauten, wurden die Esel „Ignaz“ und „IA“ zu einem ungewöhnlichen und beliebten Extra auf Hochzeitsfotos.
„Wir sind für dieses Jahr ausgebucht“
All das gelang den fleißigen jungen Leuten mit hohem Tempo. Seit Anfang des Jahres ist die Halle mit der großen Theke ganz fertig. Und zwar in jeder Hinsicht: „Wir sind für dieses Jahr ausgebucht“, freut sich das junge Paar, das selbst noch kein Jahr verheiratet ist. Neben Hochzeiten und Firmenfeiern ist die voll klimatisierte Halle, die dank der rustikalen, alten Balken nichts von ihrem Charme verloren hat, übrigens auch Ort des Weihnachtsmarktes, bei dem die benachbarten Vereine die Organisatoren sind. „Die Vereine sind uns wichtig“, betonen Veronika und Julius Köckler.

Das bedeutsamste Standbein der jungen Leute läuft aber auf zwei Beinen und gackert. Knapp 15.000 Hühner hat Julius Köckler zurück auf den Hof geholt und damit die landwirtschaftliche Ära wieder eingeleitet. Kennt er noch jemanden in seinem Alter, der die Tierhaltung und den Ackerbau auf dem elterlichen Hof wiederbelebt hat? Bei dem Gedanken muss der 29-Jährige lachen. „Nein, kenne ich keinen.“ Doch der ungewöhnliche Schritt sei auch ein Pluspunkt gewesen. „Wir hatten den Vorteil vom weißen Blatt Papier“, blicken beide dankbar zurück. Es gab keine Verpflichtungen, etwas weiterzuführen.
Gewaltige Investitionen
Stattdessen wartete der Neuanfang. „Uns war wichtig, etwas zu machen, was man zeigen kann,“ machen sie ihre Grundhaltung deutlich. Das sei vor allem eine gute Verbindung zum Verbraucher. Ein Plan, der mittlerweile mit Besuchern und Hofführungen für Schulen, Kitas, aber auch Kegelclubs und weiteren Gruppen seinen Anfang genommen hat und weiter ausgebaut werden soll. Weniger Arbeit wird’s dadurch nicht. Doch das spornt die jungen Landwirte nur an.

Dabei waren die Investitionen für den großen Plan gewaltig und die Gespräche mit der Bank erforderten Mut. „Das war schon eine Challenge, der wir uns gestellt haben“, erinnert sich Veronika Köckler an die Überlegungen. „Können wir heute als junge Generation von der Landwirtschaft so leben, wie wir uns das vorstellen?“ – das war der Leitgedanke. Die Work-Life-Balance, von der alle reden, sei da schwierig einzuhalten.
Buchhalter, Tierarzt und Baggerfahrer
Auch der bürokratische Aufwand sei hoch. Ohne Digitalisierung funktioniere auch in der Landwirtschaft nichts. „Es war die Vielfältigkeit, die uns gereizt hat“, fasst die 26-Jährige zusammen. „In einem Moment bist du Buchhalter, dann halber Tierarzt und im nächsten Moment fährst du mit einem Bagger durch die Gegend“, beschreibt ihr Mann das Tagwerk. Nebenberuflich sei das nicht zu schaffen. Seit Januar 2023 ist er Vollerwerbslandwirt. Weil Julius Köckler außerdem eine kaufmännische Ausbildung vorweisen kann, ist die Schreibtischarbeit leistbar.
Trotzdem ist das Paar dankbar für den Rückhalt der Familie. Neben den Ställen, die allen Tieren freien Zugang zu großen Freiflächen ermöglichen, musste ein ausgeklügeltes System für das Sortieren und Verpacken der Eier her. Ein sogenannter Ansauger holt die Eier auf eine Rampe. Von dort aus werden sie weitergeleitet, erhalten den vorgeschriebenen Stempel, bevor sie verpackt werden. Ohne Menschen geht‘s dennoch nicht. Auch Julius und Veronika Köckler verbringen viel Zeit in der Halle. Wenn zu viel zu tun ist, springt die Familie ein, um die derzeit 6000 Legehennen und 8999 Freilandhennen zu versorgen und die Eier zu vermarkten, die bis ins Sauerland geliefert werden.
Am Hofautomaten warten bald Ziegen
Gebaut wird übrigens trotzdem weiter. Zurzeit entsteht in der Nähe der Zufahrt ein Außengehege für Ziegen, die schon bald einziehen. Die sollen für strahlende Gesichter bei Kindern sorgen, wenn Familien am 2021 aufgestellten Hofautomaten einkaufen, der ebenfalls dort steht und auch an Sonntagen den Kauf von Lebensmitteln ermöglicht.
In Daberg bietet ein Hof Alpaka-Yoga an.