EVG droht mit Bahn-Stillstand: Millionen Pendler betroffen – Gewerkschaft stellt Ultimatum an Merz-Regierung

Stand: 23.08.2026, 08:05 Uhr

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Ein versprochenes Gesetz steckt fest. Nun erhöht eine Bahngewerkschaft den Druck – und Millionen Pendler könnten die Folgen spüren.

München – Die Bahngewerkschaft EVG hat mit bundesweiten Streiks im Regionalverkehr gedroht. Betroffen wären Millionen Pendler in ganz Deutschland. EVG-Chef Martin Burkert hat ein klares Ultimatum gestellt: Das versprochene Gesetz für härtere Strafen bei Angriffen auf Zugpersonal müsse noch in diesem Jahr in den Bundestag eingebracht werden.

Andernfalls werde die Gewerkschaft im Januar den Betrieb lahmlegen.

Regionalzug der Deutschen Bahn: Die EVG droht mit bundesweiten Streiks im Regionalverkehr, falls das versprochene Schutzgesetz für Zugpersonal nicht noch in diesem Jahr in den Bundestag kommt.

Regionalzug der Deutschen Bahn: Die EVG droht mit bundesweiten Streiks im Regionalverkehr, falls das versprochene Schutzgesetz für Zugpersonal nicht noch in diesem Jahr in den Bundestag kommt. © Patrick Pleul/dpa

EVG droht mit bundesweitem Bahnstreik

Burkert begründete die Drohung mit politischer Untätigkeit. „Ein Zugbegleiter wurde vor einem halben Jahr im Dienst getötet und seitens der Politik gab es betroffene Gesichter und große Worte, aber keine Taten“, sagte der EVG-Chef.

„Die Regierung betreibt Arbeitsverweigerung, die Eisenbahner zahlen dafür mit ihrer Gesundheit oder gar ihrem Leben. Die Politiker haben Serkan vergessen. Wir nicht.“

Anfang Februar 2026 wurde Zugbegleiter Serkan Çalar getötet. Er wurde während einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress angegriffen.

Der Fahrgast Ioanni V. schlug ihn mit Faustschlägen tödlich nieder. Das Gericht verurteilte den Täter später wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Gefängnis.

Bundesregierung versprach mehr Schutz im Zug

Der Fall löste bundesweit Entsetzen aus. Die Bundesregierung veranstaltete daraufhin einen Bahn-Sicherheitsgipfel und sicherte mehr Schutz für Bahnmitarbeiter zu.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger betonte: „Sicherheit im Zug ist kein Randthema. Sie ist eine Grundvoraussetzung für einen funktionierenden öffentlichen Verkehr.“

Bilger kündigte Gespräche in der Regierung an. Ziel sei es, auch bei Angriffen auf Zugbegleiter zu höheren Strafmaßen zu kommen.

Justizministerin Stefanie Hubig hatte bereits einen Gesetzentwurf vorgelegt. Dieser sieht vor, Angriffe auf Sanitäter, Feuerwehrleute, Ärzte und Pfleger schärfer zu bestrafen.

Gesetzentwurf steckt in Abstimmung fest

Statt bisher mindestens drei Monate soll die Mindeststrafe auf sechs Monate Freiheitsstrafe angehoben werden. Für hinterlistige Überfälle oder gemeinschaftliche Angriffe soll es mindestens ein Jahr Freiheitsentzug geben.

Die Bundesregierung erklärte, diese Strafverschärfung solle auch für Zugbegleiter gelten. Sechs Monate nach dem Angriff ist das Gesetz jedoch nicht verabschiedet.

Der Entwurf hängt noch immer in regierungsinternen Verhandlungen fest. Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte auf Anfrage: „Der Gesetzentwurf befindet sich noch in der regierungsinternen Abstimmung. Unser Ziel ist es, dass der Bundestag den Gesetzentwurf noch in diesem Jahr beraten und gegebenenfalls beschließen kann.“

Ob Zugbegleiter tatsächlich in den Gesetzentwurf aufgenommen werden, ließ der Sprecher offen.

Gewalt gegen Bahnmitarbeiter nimmt zu

Die Zahlen zeigen: Gewalt gegen Bahnmitarbeiter nimmt zu. In der ersten Jahreshälfte 2026 gab es fast 990 Übergriffe auf Bahnmitarbeiter im Nahverkehr.

Das entspricht einem Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Statistisch gesehen werden täglich acht Kollegen im Dienst angegriffen. Nicht nur die Gewerkschaft erhöht den Druck. Auch die Betriebsräte schalten sich ein.

Ralf Damde, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei DB Regio, sagte: „Es reicht! Statistisch gesehen werden jeden Tag acht Kollegen im Dienst angegriffen. Keiner weiß vor seiner Schicht, ob er wieder gesund nach Hause kommt.“

Damde drohte ebenfalls mit Konsequenzen: „Wenn das Gesetz weiter Staub im Ministerium ansetzt, verweigern wir als Betriebsräte die Zustimmung zu den Dienstplänen. Der Politik-Stillstand wird dann zum Zug-Stillstand.“

Konkret würden die EVG-Betriebsräte den Januar-Dienstplänen bei DB Regio und privaten Regionalbahnen nicht zustimmen.

EVG macht Druck auf Bundesregierung

Betroffen wären neben der Deutschen Bahn auch private Anbieter wie ODEG, Metronom und Eurobahn.

Das Personal im Regionalverkehr könnte dann deutschlandweit seine Schichten nicht antreten. Millionen Pendler wären von einem solchen Ausstand betroffen.

Die EVG macht damit den politischen Stillstand zur Bedingung für den Bahnbetrieb. Die Botschaft an die Bundesregierung ist klar: Wenn das Schutzgesetz nicht kommt, soll der Konflikt im Januar auf der Schiene eskalieren.

Ob die Bundesregierung noch in diesem Jahr reagiert, ist offen. Für Bahnpendler könnte der stockende Gesetzgebungsprozess damit schon bald ganz konkrete Folgen haben. (Quellen: dpa, Bild) (mare)