Faktencheck zur Hitzewelle Extreme Hitze löst Welle von Fake News aus
19.07.2026, 13:06
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Rund um Hitzewellen werden im Internet immer wieder irreführende Videos und wiederkehrende Narrative verbreitet, die ein verzerrtes Bild vermitteln. Dieses Muster zeigt sich regelmässig nach Extremwetterereignissen.
Hohe Temperaturen lassen Ampeln nicht schmelzen
Ein Video, welches sich in den sozialen Medien verbreitete, soll eine Ampel im italienischen Verona zeigen, welche sich durch die Hitze verformt hat. Die Bildunterschrift lautete: «In Verona ist es so heiss, dass die Ampeln schmelzen.»
Ende Juni wurde das Video auf verschiedenen Plattformen geteilt und erreichte Hunderttausende Aufrufe.
EBU
Zunächst veröffentlichte ein italienischer Nutzer den Clip, in kurzer Zeit kursierte er auch in anderen Sprachen. Das Video wurde jedoch aus dem Zusammenhang gerissen, wie mehrere Faktencheck-Organisationen feststellten. Der Clip entstand in Lugagnano in der Region Venetien, wie der Nutzer, der das Video ursprünglich veröffentlicht hatte, erklärte.
Mittels Google Street View lässt sich der Standort der Ampel bestätigen.
Google Maps
Zwar war die im Video gezeigte Ampel tatsächlich geschmolzen, lokale Medien berichteten jedoch, dass ein Autobrand, der am 23. Juni in Lugagnano ausgebrochen war, die Ampel zum Schmelzen gebracht hatte. Fotos des Vorfalls zeigen, dass sich das Feuer direkt neben der betroffenen Ampel ereignete. Auch aus Berlin kursierte ein Video einer geschmolzenen Ampel, auch dort war ein Brand die Ursache und nicht die hohen Temperaturen.
Hitzewellen werden nicht künstlich erzeugt
Wie nach schweren Wetterereignissen häufig zu beobachten ist, machen mehrere Beiträge in sozialen Netzwerken das Forschungsprogramm HAARP (High-frequency Active Auroral Research Program) sowie andere Technologien für die Hitzewellen verantwortlich.
Nutzer auf X behaupteten, Rechenzentren, das Forschungsprogramm HAARP und sogenanntes Cloud Seeding würden Hitzewellen verstärken beziehungsweise verursachen.
EBU
Wie zahlreiche Medien in Faktenchecks aufzeigen, kann HAARP das Wetter nicht manipulieren. Es gibt weder Beweise noch bekannte Technologien, mit denen das Programm extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen künstlich auslösen könnte.
Kann das Wetter nicht manipulieren: Die HAARP-Anlage zur Erforschung der Ionosphäre.
AP Photo/Mark Farmer
Klimaforscher führen die jüngsten Hitzewellen in Europa auf ein anhaltendes Hochdruckgebiet zurück, das grosse Mengen heisser Luft über dem Kontinent festhält.
HAARP sorgt regelmässig für Verschwörungstheorien
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Die Anlage dient der Erforschung atmosphärischer Vorgänge mithilfe von Hochfrequenzsendern. Seit Jahren steht HAARP im Zentrum verschiedener Verschwörungstheorien, die behaupten, die Anlage könne durch Funkwellen das Wetter beeinflussen oder Naturkatastrophen verursachen.
Auf ihrer Website erklärt die Einrichtung: Die von HAARP ausgestrahlten Radiowellen würden weder in der Troposphäre noch in der Stratosphäre – den Atmosphärenschichten, in denen das Wetter entsteht – absorbiert. Da keine Wechselwirkung stattfinde, gebe es auch keine Möglichkeit, das Wetter zu kontrollieren.
Zudem weisen Wissenschaftler darauf hin, dass der menschengemachte Klimawandel Hitzewellen häufiger und intensiver macht.
Falschinformation zu Rücktritten im Weltklimarat
In sozialen Netzwerken kursiert die Behauptung, 46 Wissenschaftler des Weltklimarats (IPCC) seien aus Protest gegen angebliche Manipulationen in der Klimaforschung zurückgetreten.
Ein Faktencheck der Nachrichtenagentur AFP zeigt jedoch, dass diese Behauptung bereits seit 2013 verbreitet wird. Zudem sind einige der genannten Forscher bereits verstorben, andere waren gar keine IPCC-Wissenschaftler, sondern lediglich externe Gutachter.
Spanien hat Klimaanlagen nicht verboten
Im Internet kursieren mehrere Behauptungen, dass in Spanien öffentliche Gebäude und Geschäftsräume ihre Klimaanlagen nicht auf weniger als 27 Grad Celsius einstellen dürften.
Dieser Nutzer behauptete, dass Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden nicht unter 27 Grad eingestellt werden konnten.
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Ein Faktencheck der Deutschen Welle zeigt jedoch, dass sich diese Behauptung auf eine Schlagzeile des Magazins Time Out vom 3. August 2022 stützte. Damals hatte die spanische Regierung als Reaktion auf die Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine vorübergehend vorgeschrieben, Klimaanlagen nicht unter 27 Grad einzustellen. Die Regel galt lediglich für öffentliche Gebäude und Geschäfte und war auf ein Jahr befristet. Mit der aktuellen Hitzewelle hat diese Massnahme nichts zu tun.
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SRF 4 News, 15.7.2026, 12:30 Uhr;weds