Stand: 14.07.2026, 14:13 Uhr
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Seit Jahrzehnten baut das Land Anlagen aus und kann fast eine Million Menschen in Bunkern vor Angriffen schützen.
Helsinki – Die Sorge ist real: Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine und neue Warnungen der NATO vor einer möglichen militärischen Bedrohung durch Russland haben Finnlands jahrzehntelange Vorsorge erneut in den Blick gerückt.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Unter Helsinki liegt ein Netz aus rund 5.500 Schutzräumen, das im Ernstfall fast eine Million Menschen aufnehmen kann. Die Anlagen dienen im Alltag als Sporthallen, Spielplätze oder Freizeiteinrichtungen – und lassen sich innerhalb kurzer Zeit in Bunker umwandeln.

Die finnische Hauptstadt zählt gut 675.000 Einwohner. Dennoch ist das Schutzraumsystem deutlich größer ausgelegt. Jeder größere Neubau muss mit einem Schutzraum ausgestattet werden. So wächst das unterirdische Netz seit Jahrzehnten kontinuierlich. Nach Angaben der Stadt entstanden die ersten Bunker bereits 1939 – gebaut werde bis heute weiter.
Während Finnland sein Schutzraumnetz ausgebaut hat, wurde das deutsche Konzept 2007 aufgegeben. Zwar existieren noch 579 öffentliche Schutzräume mit rund 478.000 Plätzen, sie sind nach Angaben des Bundes aber nicht mehr funktionsfähig oder einsatzbereit.
Schutzräume sind Teil des Alltags
Wie die britische Zeitung The Times berichtet, verfolgt Finnland dabei konsequent das Prinzip der Doppelnutzung. Viele Schutzräume werden im Alltag vermietet und als Sportstätten, Schwimmbäder, Skateparks oder sogar Proberäume genutzt. Im Krisenfall werden sie innerhalb kurzer Zeit zu Schutzanlagen für die Bevölkerung umgerüstet.
Jukka-Pekka Schroderus von der Rettungsbehörde der Stadt Helsinki erklärte der Zeitung, die regelmäßige Nutzung habe einen praktischen Vorteil. Die Technik werde laufend geprüft, gleichzeitig seien die Menschen mit den Anlagen vertraut. Gerade Kinder kannten viele Schutzräume bereits aus ihrem Alltag.
Die größten Bunker der Hauptstadt bieten Platz für mehr als 11.000 Menschen. Sie verfügen über eigene Stromversorgung, Wasservorräte, Belüftungsanlagen und Ausrüstung für einen längeren Aufenthalt. Lebensmittel werden allerdings nicht bereitgestellt. Jeder Haushalt soll deshalb einen Notfallrucksack mit Nahrung, Medikamenten und anderen wichtigen Dingen für mindestens 72 Stunden bereithalten.
Jahrzehntelange Vorbereitung
Finnland grenzt auf einer Länge von rund 1.340 Kilometern an Russland und besitzt damit die längste gemeinsame Landgrenze zwischen Russland und einem NATO‑Mitglied. Die Erfahrungen aus dem Winterkrieg gegen die Sowjetunion und die jahrzehntelange Nachbarschaft zu Russland prägten nach Angaben von The Times die Sicherheitsstrategie des Landes.
Während viele europäische Staaten nach dem Ende des Kalten Krieges ihre Zivilschutzprogramme zurückfuhren, hielt Finnland an seinem System fest. Schutzräume wurden weitergebaut und die Bevölkerung regelmäßig auf Krisen vorbereitet. Zum Konzept gehören auch die Wehrpflicht für Männer, freiwillige Ausbildungsprogramme für Frauen sowie Schulungen für Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien.
Nach Angaben von The Times wächst das internationale Interesse an diesem Modell. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine besuchen Delegationen aus zahlreichen Ländern Helsinki, um sich über das finnische Zivilschutzsystem zu informieren.
Auch Behörden aus Israel und den Golfstaaten hätten um Beratung gebeten. Finnland werte zudem Erfahrungen aus der Ukraine, der Schweiz und dem Nahen Osten aus, um die eigenen Konzepte weiterzuentwickeln. Quellen: Militarnyi, The Times, eigene Recherche