Stand: 26.08.2026, 19:22 Uhr
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Steigende Kosten und weniger Aufträge belasten auch die Druckerei Rosebrock in Sottrum. Trotzdem wollen zwei Geschwister den Betrieb perspektivisch weiterführen. Dabei setzen sie nicht nur auf Tradition.
Sottrum – Digitale Werbung, steigende Papier- und Energiekosten, weniger Aufträge – die Druckbranche ist ein hartes Geschäft. Das wissen auch Lasse Rosebrock und Janne Otten von der Druckerei Rosebrock in Sottrum. Die Geschwister haben bereits als Kinder viel Zeit im Familienunternehmen verbracht und zahlreiche Probleme der Branche miterlebt. Trotzdem haben sie sich für die Druckerei entschieden und können sich perspektivisch einen Platz in der Geschäftsführung vorstellen.
„Wir wären irgendwann bereit, das Unternehmen zu übernehmen“, sagt Janne Otten. „Aber es ist ein längerer Prozess.“ Die Kombination der beiden Geschwister sei ein guter Ausgangspunkt für die Zukunft, meint ihr Bruder Lasse Rosebrock. Jeder bringe unterschiedliche Stärken ein.
Die Familie in der Druckerei? Das war immer selbstverständlich
Dass die Familie in der Druckerei arbeitet, war schon immer selbstverständlich für die beiden. Ihr Vater Lars Rosebrock führt derzeit gemeinsam mit seinen Brüdern Bernd und Sven Rosebrock das Unternehmen. Sie haben die Geschäftsführung 2008 vom Gründer Reinhard Rosebrock übernommen. Auch ihre Partnerinnen sind Teil des rund 40-köpfigen Teams. „Man wird da schon reingeboren. Wir haben unsere Sommerferien hier verbracht und auch immer hier gejobbt“, fasst Lasse Rosebrock zusammen.
Trotzdem war der Weg in die Druckerei nicht festgeschrieben. „Unsere Eltern haben uns geraten, erstmal etwas anderes zu machen“, erklärt Janne Otten. Die 31-Jährige hat Kommunikationsdesign in Bremen studiert und wollte ursprünglich im Marketing-Bereich arbeiten. Doch es zog sie immer wieder in den Familienbetrieb. „Ich bin eingesprungen“, erinnert sie sich. Sie wollte sich die Möglichkeit offenhalten, im Familienbetrieb zu arbeiten, tat sich mit dieser Entscheidung zunächst aber schwer. „Wir haben ja auch die Schattenseiten des Geschäfts mitbekommen.“ Inzwischen ist sie in der Auftragsbearbeitung und Kundenbetreuung tätig. „Ich werde mich aber noch mehr in den kaufmännischen Bereich einfuchsen müssen.“
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Für Lasse Rosebrock war dagegen früh klar, dass er im Familiengeschäft einsteigen möchte. Seine Ausbildung zum Medientechnologen absolvierte er bei einem Unternehmen in Oldenburg: „Um mal rauszukommen.“ Der 33-Jährige fand es schon immer interessant, wie ein Druckprodukt entsteht. „Wie aus einer Idee ein Buch oder Katalog wird, ist eine schöne Sache.“ Er steht auch heute noch gerne an den Druckmaschinen, übernimmt aber auch die Kalkulation und Kundenberatung. Erst vor rund drei Jahren kaufte Rosebrock eine neue Sechs-Farben-Druckmaschine, deren Aufbau die beiden Geschwister aktiv mitbegleitet haben.
„Wir sind hier so reingewachsen und haben immer mehr übernommen“, fassen die Geschwister zusammen. Vor der Verantwortung haben sie trotzdem Respekt. Insbesondere, weil die Branche in den vergangenen Jahren immer instabiler wurde. „Corona, Krieg, die Papierkosten – das waren schon schwierige Faktoren“, erinnert sich Lasse Rosebrock. Viele Druckereien mussten aufgeben. „Wir investierten stattdessen in die Sechs-Farben-Druckmaschine.“ Dadurch kann das Unternehmen nun zwei Sonderfarben in einem Durchgang drucken. Die Maschine schafft bis zu 18.000 Bogen pro Stunde und ermöglicht damit eine hohe Produktionsgeschwindigkeit.
Vom Privatkundengeschäft musste sich Rosebrock trennen, die Konkurrenz aus dem Internet war größer. „Das hat sich nicht mehr gelohnt“, fasst Lasse Rosebrock zusammen. Der Etikettendruck hingegen habe sich bewährt und mache zusammen mit Flyern, Postern, Kalendern und Katalogen einen Großteil des Geschäfts aus. Auch die Stimmzettel für die anstehende Wahl wurden in Sottrum gedruckt.
Zur Serie
Seit Generationen prägen Familien- und Traditionsunternehmen das Leben in unserer Region. Doch wer führt sie weiter? Die Serie „Fortbestand“ begleitet Unternehmerfamilien zwischen Verantwortung, Wandel und Abschied. Sie beleuchtet verschiedene Aspekte: von jungen Nachfolgerinnen im Handwerk, Betrieben ohne Zukunft, Unternehmen, die sich neu erfinden mussten, um zu überleben, und der Bedeutung der standorttreuen Betriebe für die Region.
Lasse Rosebrock und Janne Otten sind bereit, den Familienbetrieb weiterzuführen. Doch sie verklären die große Aufgabe nicht. „Die bürokratischen Anforderungen werden immer mehr“, stellt Janne Otten fest. Sie ist froh, dass sie langjährige Mitarbeiter an ihrer Seite hat, die die beiden Geschwister gut unterstützen. Und auch wenn Lasse Rosebrock besonders die Technik liebt: „Wenn man um vier Uhr morgens an der Maschine steht, um Wahlzettel zu drucken, hinterfragt man seine Entscheidung schon mal.“ Aber das seien Phasen, sagt er. Ebenso wie die Arbeits- und Auftragslage phasenweise variiert. Mal zu viel, mal zu wenig – das ist herausfordernd. „Es sind tausend Entscheidungen, die man treffen muss.“
Sie haben bei ihren Eltern gesehen, wie das Geschäft abläuft. Auch wenn sie derzeit nicht absehen können, wie sich das Druckereigeschäft entwickelt, wissen sie, worauf sie sich einlassen. Und sie haben noch den Rückhalt der älteren Generation. „Dass wir das hier mit der Familie machen können, ist schon schön“, fasst Lasse Rosebrock zusammen. Durch ihre Entscheidung für das Unternehmen wird das weitergeführt, was die Großeltern 1968 angefangen haben. Und: „Für unsere Mitarbeiter ist es gut zu wissen, dass wir hier jetzt auch am Start sind.“