Stand: 16.09.2026, 07:49 Uhr
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Immer weniger Unternehmen in Baden-Württemberg glauben einer Umfrage zufolge, bis 2045 klimaneutral werden zu können.
Stuttgart – Angesichts verheerender Waldbrände, zehntausender Hitzetote, schmelzender Pole und immer öfter auftretendem Extremwetter müsste das Ziel der Klimaneutralität wieder stärker in den Fokus rücken. Doch ohne Industrie geht es nicht: Nur wenn hier auf klimaneutrale Wirtschaft umgestellt wird, die entweder keine klimaschädlichen Treibhausgase freisetzt oder die Emissionen vollständig ausgleicht, kann das gesamtgesellschaftliche Ziel erreicht werden.

2045 wurde als Punkt markiert, bis wann eine Klimaneutralität umgesetzt werden soll, doch die baden-württembergische Industrie hat einer Umfrage zufolge wegen des Zeitplans Bedenken. Konkret zweifeln immer mehr Betriebe daran, bis spätestens 2045 klimaneutral sein zu können – und der Grund seien die gegebenen Rahmenbedingungen.
Energiepolitik und Bürokratie sind Hürden für die Unternehmen bei Klimaneutralität
Waren es 2025 noch 80 Prozent, die sich hier optimistisch äußerten, sind es 2026 nur noch 43 Prozent an Unternehmen, die an ihre eigene Klimaneutralität in den nächsten 19 Jahren glauben. Das teilte der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) mit Verweis auf das aktuelle Energiewende-Barometer des Verbandes in Stuttgart mit. Zudem sei der Anteil an Unternehmen, die sich gar kein Ziel mehr gesetzt haben, von 12 auf 44 Prozent gestiegen.
BWIHK-Präsident Jan Stefan Roell verwies auf die Skepsis der Unternehmen beim Thema Energiewende; die Unsicherheit bleibe hoch. Auch sei das Vertrauen in die Energiepolitik, die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verantwortet, gering: „Die Skepsis hat sogar wieder zugenommen. Das ist ein deutliches Warnsignal. Die Wirtschaft benötigt dringend stabile Rahmenbedingungen mit einer verlässlichen Energieversorgung und wettbewerbsfähigen Preisen.“
Nach Auffassung von 66 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen ist Bürokratie das größte Hemmnis für mehr und schnellere betriebliche Maßnahmen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Hinzu kommen fehlende Informationen oder Planbarkeit und Verlässlichkeit der Energiepolitik (62 Prozent) sowie nach wie vor zu langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren (48 Prozent).
Rahmenbedingungen tragen zur Sorge um Klimaneutralität bis 2045 bei
Beide Werte haben gegenüber der Umfrage von 2025 wieder zugenommen. Bei Betrieben mit weniger als 250 Beschäftigten kommen zudem zunehmende Schwierigkeiten bei der Finanzierung oder fehlendes Kapital hinzu. Roell sagte, dies sei kein Rückzug aus der Verantwortung, sondern Ausdruck der schwierigen Rahmenbedingungen. Der BWIHK-Chef warnte erneut vor einer zunehmenden Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. (Quellen: eigene Recherche, dpa) (ktho)