Ausgesurft
Finnland zieht den Stecker: Wichtige Internetverbindung nach Russland wird 2027 gekappt
Glasfaserleitungen an Hochspannungsmasten werden durchtrennt, weil Nutzungsverträge auslaufen
Peter Zellinger
Ab dem Jahr 2027 drohen russischen Internetnutzern, insbesondere im Nordwesten des Landes, spürbare Einschränkungen beim Zugriff auf ausländische Websites und Dienste. Der Grund sind aber nicht neue Zensurmaßnahmen aus dem Kreml, sondern eine Entscheidung des finnischen Stromnetzbetreibers Fingrid. Das Unternehmen stellt die Wartung von Hochspannungsmasten ein, an denen wichtige grenzüberschreitende Glasfaserkabel nach Russland befestigt sind.
Dies geht aus übereinstimmenden Berichten der finnischen Nachrichtenseite MTV Uutiset sowie dem russischen Exilmedium Meduza hervor.
Unrentables Geschäft
Wie die unabhängige russische Moscow Times in einem aktuellen Videobericht bestätigt, ist die Maßnahme primär wirtschaftlicher Natur. Bereits im Jahr 2022 hatte Russland die Stromexporte nach Finnland aufgrund von Zahlungsproblemen gestoppt. Da die eigentlichen Hochspannungsleitungen seitdem brachliegen, ist die Instandhaltung der Masten ausschließlich für die daran hängenden Telekommunikationskabel sowohl für Fingrid als auch für russische Betreiber wie Rosseti schlichtweg unrentabel geworden.
Sobald die aktuellen Leasingverträge Ende 2026 auslaufen, sollen die Kabel durchtrennt und die Masten komplett abgebaut werden.
Nach dem Beginn der umfassenden Invasion in der Ukraine 2022 liefen rund 60 bis 70 Prozent des gesamten ausländischen Internetverkehrs Russlands über finnische Knotenpunkte. Etwa 30 Prozent dieser Kommunikationsverbindungen zwischen den beiden Ländern sind direkt an den betroffenen Strommasten angebracht.
Kein Blackout, aber langsamere Verbindungen
Trotz des Verlusts dieser wichtigen Infrastruktur ist ein vollständiger Zusammenbruch der russischen Anbindung an das globale Netz nicht zu befürchten. Der Datenverkehr kann weiterhin über alternative Routen fließen, beispielsweise durch Belarus, die baltischen Staaten oder über Unterseekabel in der Ostsee.
Dennoch warnen Experten vor den Konsequenzen des Abbaus. Wenn es den russischen Telekommunikationsanbietern nicht gelingt, die Datenmengen rechtzeitig umzuleiten, wird die Zuverlässigkeit des Netzes unweigerlich sinken, so die Befürchtung. Dies würde sich vor allem durch erhöhte Latenzen und spürbar verlangsamte Verbindungen zu ausländischen Servern bemerkbar machen. Betroffen wären davon in erster Linie Nutzer in Nordwestrussland sowie im gesamten europäischen Teil der Russischen Föderation.
Um Engpässe zu vermeiden, befinden sich russische Provider nach Angaben von Insidern bereits in intensiven Verhandlungen mit privaten finnischen Telekommunikationsunternehmen.
Das Netz unter Druck
Das russische Internet ist von innen heraus bereits massiv isoliert und zensiert. Wie ein Bericht der Rechercheplattform Global Voices zeigt, arbeiten die russischen Behörden systematisch an der Umwandlung des ehemals freien "Runet" in ein geschlossenes, nordkoreanisches Modell – ein reines "Inside-Net".
Ein zentrales Instrument dafür sind sogenannte "White Lists", die bei regionalen Abschaltungen des mobilen Internets zum Einsatz kommen. Dabei werden alle Verbindungen gekappt, mit Ausnahme einer kurzen Liste staatlich gebilligter, rein russischer Dienste wie Regierungsportalen, Yandex oder der Social-Media-Plattform VK. Experten warnen, dass dieses Whitelisting künftig zum Dauerzustand für alle Internetverbindungen im Land werden könnte.
Gleichzeitig eskaliert die staatliche Zensur auf technischer Ebene: Die Behörden zielen nicht mehr nur auf einzelne unliebsame Apps ab, sondern blockieren mithilfe von Deep Packet Inspection (DPI) die grundlegende Netzwerkinfrastruktur für freie Kommunikation. So werden beispielsweise VoIP-Protokolle auf Protokollebene gezielt gestört, was Internetanrufe über Messenger wie WhatsApp oder Telegram nahezu unmöglich macht – selbst bei der Nutzung von VPN-Diensten.
Das soll die Menschen dazu bewegen, auf den staatlich kontrollierten "National-Messenger" Max umzusteigen. Dieser gilt unter Experten als reines Überwachungswerkzeug, das Daten bereitwillig an Behörden weitergibt und den Zugang durch einen Zwang zu russischen oder belarussischen SIM-Karten strikt reglementiert. (Peter Zellinger, 1.8.2026)
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