Goodbye Germany: Warum verlassen Deutsche ihr Heimatland

288.579 Deutsche sind im vergangenen Jahr aus Deutschland ausgewandert – so viele wie noch nie, seit das Statistische Bundesamt diese Statistik erhebt. Zwar ziehen auch Deutsche aus dem Ausland zurück, aber deutlich weniger. Es sind vor allem junge, gut ausgebildete Menschen, die Deutschland den Rücken kehren.

Eigentlich müsste dieser Exodus die Alarmglocken in der Politik schrillen lassen. Doch in Berlin ist dazu wenig zu hören, im Gegenteil: Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schrieb auf der Plattform X: „Auf diese Leute können wir verzichten, falls es sie überhaupt gibt.“

Sehnsuchtsland Schweiz

Die neue Lust am Auswandern ist eine der in der Politik am meisten unterschätzten Krisen. In der neuen Folge des Podcasts „Löhr & Pennekamp“ analysieren die Hosts Julia Löhr und Johannes Pennekamp die wichtigsten Zahlen aus den Statistiken. Wohin zieht es die auswanderungswilligen Deutschen? Und was versprechen sie sich von ihrem Wechsel? Und sie sprechen mit einer, die diesen Schritt gewagt hat und nach dem Studium in die Schweiz gegangen ist.

Die Auswanderung der Deutschen ist aber nicht das einzige Problem. Viele  Osteuropäer, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind und hier Lücken auf dem Arbeitsmarkt gefüllt haben, gehen zurück in ihre Heimat. Nicht nur aus familiären Gründen, sondern auch, weil die wirtschaftliche Dynamik dort größer ist. Und dann ist da noch die innere Emigration, die dem Standort Deutschland schadet: Junge Menschen ziehen sich aus Vereinen zurück, machen Dienst nach Vorschrift und wählen radikale Parteien.

Der Ökonom Stefan Kolev fordert ein grundlegendes Umdenken in der Politik. Diese müsse sich viel stärker auf die Interessen der Jungen ausrichten und weniger auf die Babyboomer. Ob das in Berlin Gehör findet? Zwar gibt auch der Kanzler neuerdings das Motto „Wohlstand für die Jugend“ aus. Doch ob bei Steuern, Sozialabgaben, Bildung, Bürokratie oder der öffentlichen Infrastruktur: Bis Deutschland wieder attraktiver für junge, leistungsbereite Menschen wird, ist es noch ein weiter Weg.