Stand: 02.09.2026, 20:23 Uhr
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Kerosinkrise und hohe Standortkosten treiben die Ticketpreise in die Höhe – welche Airlines schon reagiert haben und was das für Reisende bedeutet.
Frankfurt – Flugpassagiere müssen sich auf weiter steigende Ticketpreise einrichten. Das machte Condor-Chef Peter Gerber bei einer Luftverkehrsveranstaltung in Frankfurt deutlich. „Fliegen wird für alle teurer“, sagte er und begründete dies mit der weiterhin angespannten Lage am Persischen Golf, wegen der er für das kommende Jahr nicht mit sinkenden Kerosinpreisen rechne. Aus seiner Sicht steigt damit der Druck auf die Politik, die aus Branchensicht hohen Standortkosten für den Luftverkehr in Deutschland zu senken.

Gerber argumentierte, Fliegen dürfe für die Bürger kein Luxusgut sein, sondern Teil der Infrastruktur. Die jüngste Reduzierung der Luftverkehrsteuer sei aus seiner Sicht nur ein erster Schritt gewesen; er plädierte dafür, die Steuer nach schwedischem Vorbild ganz abzuschaffen, was langfristig zu mehr Luftverkehr und höheren Staatseinnahmen führen könne.
Streit um Luftverkehrsteuer: Würde eine Abschaffung Passagiere wirklich entlasten?
Kritiker geben jedoch zu bedenken, dass eine solche Weitergabe nicht garantiert ist – insbesondere wenn gleichzeitig andere Kostenfaktoren wie Kerosinpreise steigen – und dass dem Staat durch den Wegfall der Steuer zugleich Einnahmen entgehen würden, wie der ADAC informiert.
Gerber unterstützt einen Vorschlag der Deutschen Flugsicherung, wonach der Staat ein Viertel der Lotsenkosten als Basisfinanzierung übernehmen solle. Diese Positionen sind in der Branche verbreitet, aber nicht unumstritten. Ob eine Abschaffung der Luftverkehrsteuer tatsächlich niedrigere Ticketpreise zur Folge hätte, ist unter Fachleuten umstritten, wie aero.de berichtet: Sinken die Kosten der Airlines, könnte dies grundsätzlich an die Passagiere weitergegeben werden, etwa über den Wettbewerbsdruck zwischen den Fluggesellschaften.
Nahost-Konflikt treibt Kerosinpreise – CDU-Politiker warnt vor Golf-Airlines
Für das Bundesland Hessen erklärte Staatskanzleichef Benedikt Kuhn, dass es für Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten keine weiteren Landerechte an deutschen Flughäfen geben dürfe. Mit Flügen über Doha oder Dubai würden die heimischen Drehkreuze geschwächt, sagte der CDU-Politiker.
Der Nahost-Konflikt und die zeitweise Sperrung der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels fließt, haben die Kerosinpreise seit Frühjahr 2026 deutlich steigen lassen. Da Treibstoff einen erheblichen Teil der Airline-Kosten ausmacht, schlagen solche Preissprünge rasch auf die Ticketpreise durch.
Lufthansa, Air France-KLM & Co. erhöhen Preise: Flugtickets im Schnitt 8,5 Prozent teurer
Mehrere große Fluggesellschaften haben bereits reagiert. Die Lufthansa Group erhöhte ihre Treibstoffzuschläge mehrfach und zog geplante Kapazitäts- und Flottenmaßnahmen vor; die Tochter Austrian Airlines kündigte ebenfalls höhere Ticketpreise an. Auch Air France-KLM will Langstrecken-Economy-Tickets verteuern.
Nach einer Auswertung für das Handelsblatt verlangten Lufthansa, IAG und Air France-KLM im Mai für Europastrecken bereits gut 7 Prozent mehr als im Februar, bei US-Airlines wie United, Delta und American lag der Aufschlag noch höher. Eine Ausnahme bildet vorerst Ryanair, das für den Sommer mit stabilen Preisen rechnet – allerdings vor allem, weil viele Reisende wegen der unsicheren Lage mit der Buchung zögern.
Das Statistische Bundesamt bezifferte die durchschnittliche Verteuerung von Flugtickets im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr auf 8,5 Prozent. Als Ursachen nennt die Behörde neben den Kerosinpreisen auch das knappe Angebot an deutschen Flughäfen infolge hoher staatlicher Gebühren und Steuern.
Ryanair zieht sich aus Deutschland zurück – gebuchte Reisen bleiben geschützt
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) erklärte, die zum 1. Juli 2026 in Kraft getretene Absenkung der Luftverkehrsteuer reiche nicht aus, um die Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen europäischen Ländern auszugleichen, wie dw.de berichtet. Ryanair ging noch weiter: Der irische Billigflieger kündigte an, seine Berlin-Basis zum Winterflugplan 2026 zu schließen und die Frequenzen in Köln/Bonn deutlich zu reduzieren. Ryanair-Manager Eddie Wilson begründete dies damit, dass Deutschland im europäischen Vergleich zunehmend zu teuer für Wachstum werde.
Nicht alle Marktbeobachter sehen die Standortkosten als Hauptursache. Andere Stimmen verweisen darauf, dass auch ein Mangel an neuen Flugzeugen bei Herstellern wie Airbus und Boeing das Angebot verknappt und damit die Preise treibt – unabhängig von Steuern und Gebühren.
Immerhin für bereits gebuchte Reisen gibt es teilweise Entwarnung: Große deutsche Reiseveranstalter wie Tui, Alltours und Dertour erklärten, die Preise für schon gebuchte Pauschalreisen nicht nachträglich zu erhöhen. Auch die EU-Kommission mahnt Fluggesellschaften, wegen gestiegener Kerosinpreise keine nachträglichen Zuschläge auf bereits gekaufte Tickets zu erheben – der Endpreis müsse beim Kauf feststehen. Auch Lebensmittelpreise sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Quellen: adac.de, dw.de, handelsblatt.de, aero.de, dpa (bk)