Publiziert2. September 2026, 20:24
Betrugsprozess in GiessenMutter täuscht Krebs bei Sohn vor – und kassiert 358'000 Euro
Eine 42-Jährige soll jahrelang vorgetäuscht haben, ihr Sohn habe Krebs. Selbst der Junge glaubte, er müsse sterben. Nun steht die Mutter vor Gericht.

Darum gehts
- Eine Mutter aus Deutschland soll die Krebserkrankung ihres Sohnes über Jahre vorgetäuscht und rund 358'000 Euro Spendengelder erschlichen haben.
- Die 42-jährige Vanessa O. steht nun vor dem Landgericht Giessen und hat ein Geständnis abgelegt.
- Das Kind glaubte bis zuletzt, unheilbar krank zu sein – erst eine Kinderärztin deckte den Betrug 2024 auf.
Spendenaktionen im Internet, Benefizläufe an der Schule und angebliche Hilfsaufrufe für einen todkranken Buben: Eine Mutter soll über Jahre hinweg die Krebserkrankung ihres Sohnes vorgetäuscht und so rund 358'000 Euro an Spendengeldern erschlichen haben. Die 42-jährige Vanessa O. muss sich nun vor dem Landgericht Giessen verantworten.
Begonnen haben soll alles im Januar 2021. Damals brachte die Frau ihren fünfjährigen Sohn wegen einer auffälligen Hautstelle ins Uniklinikum Marburg. Die Ärzte stuften die Veränderung als harmlos ein. Auch eine spätere Untersuchung in einer Schweizer Klinik kam zum selben Ergebnis.
Nach erfundenem Hautkrebs auch eine erfundene Leukämie
Dennoch soll Vanessa O. anschliessend einen Arztbrief mit dem Briefkopf der Schweizer Klinik gefälscht haben. Darin sei bei ihrem Sohn Hautkrebs diagnostiziert worden. Das Schreiben habe sie ihrem Ehemann, ihren Eltern und der Schule des Kindes vorgelegt.
Mit dieser erfundenen Krankengeschichte soll die Angeklagte über Jahre Hilfsvereine, private Spender und das Umfeld des Jungen getäuscht haben. Den angeblichen Krankheitsverlauf habe sie zunehmend dramatischer dargestellt und später zudem behauptet, ihr Sohn leide an Leukämie. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft glaubte selbst das Kind bis zuletzt, unheilbar krank zu sein und bald sterben zu müssen.

Vanessa O. ist geständig
Erst im März 2024 kamen Zweifel auf. Eine Kinderärztin hielt die Krankengeschichte für nicht plausibel und informierte das Jugendamt. Untersuchungen bestätigten schliesslich: Der Junge war nie an Krebs erkrankt. Laut Anklage sagte er damals im Spital: «Ich werde nicht sterben, ich bin nicht krank.» Das Jugendamt nahm ihn anschliessend in Obhut.
Die Staatsanwaltschaft wirft Vanessa O. gewerbsmässigen Betrug in 13 Fällen sowie zweifache Urkundenfälschung vor. Vor Gericht legte die 42-Jährige ein Geständnis ab und zeigte sich reuig.

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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