Hamburg
Flüchtlinge als Geschäftsmodell: Wie eine Hotelkette Profit aus der Notlage schlägt
Internationale Hotelgruppe bietet Behörden offensiv Hotelplätze für Geflüchtete an – bereits an neun Standorten in der Stadt.
Die Stadt hat ein nagelneu eröffnetes Hotel im Harburger Binnenhafen für die Unterbringung von Geflüchteten angemietet. Wie jetzt aus Äußerungen der Sozialbehörde hervorgeht, ist die Hotelkette von sich aus an den städtischen Betreiber „fördern und wohnen“ (f&w) herangetreten. Machen sich die Betreiber die Taschen voll auf Kosten der Steuerzahler?
Das Hotel „The niu Quay“ (Blohmstraße 27) wurde erst im April 2026 eröffnet. Fünf Monate später sind die 150 Zimmer und 20 Apartments schon nicht mehr buchbar, denn das zur Hamburger Hotelgruppe NOVUM Hospitality gehörende Haus wird mindestens bis Ende des Jahres für Flüchtlinge aus der Ukraine genutzt. Möglicherweise sogar bis Mitte 2027.
Hamburg mietet an neun Standorten Hotels von Novum Hospitality
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Wie aus einer Anfrage der CDU hervorgeht, sind Vertreter der Hotelgruppe aus eigener Initiative an die Stadt herangetreten und haben sich angeboten. In der Senatsanfrage heißt es dazu: „Im Rahmen der ohnehin bestehenden langjährigen Geschäftsbeziehungen nahm die Hamburger Hotelgruppe NOVUM Hospitality Kontakt zu F&W auf, um die Möglichkeit einer Anmietung von weiteren Unterbringungsplätzen im gesamten Stadtgebiet zu erörtern.“
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Die MOPO fragte nach: Tatsächlich mietet die Stadt an neun Standorten in Hamburg Hotels von der Novum Hospitality. Zum Start im April kostete ein Standardzimmer mit Doppelbett im Niu Quay im Binnenhafen 124 Euro. Wenn der Betreiber gezielt an die Stadt herantritt, dann ist eins ganz klar: Von dieser Seite bekommt er also mehr Geld! Sonst würde sich der Deal für ihn nicht lohnen.
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Offensichtlich ist die Unterbringung von Geflüchteten für den Hotelbetreiber ein lukratives Geschäft – alle Zimmer sind garantiert für einen festen Zeitraum vermietet, die Stadt zahlt zuverlässig, und der Betreiber kann in der Regel auch noch das notwendige Catering für die untergebrachten Menschen übernehmen und daran verdienen.
Ob das Hotel im Binnenhafen in den ersten Monaten nicht lief, oder ob der Betreiber einfach den bequemeren Weg gehen wollte, das lässt sich nicht beantworten. Die MOPO hatte am Freitag versucht, eine Stellungnahme von der Novum zu bekommen, aber bisher keine Antwort erhalten. Die Novum Hospitality plant in Hamburg in den nächsten Jahren etliche weitere neue Hotels, so etwa in Barmbek und Eidelstedt.
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Hotels für Flüchtlinge kosten rund 82 Euro täglich pro Person
Wie viel genau Hamburg für die Unterbringung zahlt, das will die Sozialbehörde nicht sagen und verweist darauf, das es im Hinblick auf zukünftige Anmietungen und Verhandlungen für den Hotel-Betreiber und für die Stadt von Nachteil wäre, solche Geschäftszahlen offenzulegen.
Die Kosten für das Niu liegen laut Behörde im Durchschnitt der für angemietete Hotels gezahlten Summen. Im Jahr 2025 habe die Stadt für einen Unterbingungsplatz in einem Hostel oder Hotel rund 82 Euro pro Person und Tag einschließlich Catering ausgegeben.
In einem Zimmer sind bei Flüchtlingsbelegung mit Familien in der Regel zwei bis vier Personen untergebracht (Anm. der Redaktion). Die MOPO rechnet nach: Die Behörde will 340 Personen im Niu unterbringen, was somit tägliche 27.880 Euro kostet. Bei einer Belegung bis Ende des Jahres summiert sich das auf 3,34 Millionen Euro. Besser lässt sich kein Wahlkampf für die AfD machen.
Das Niu ist nicht das erste Hotel, dass kurz nach der Eröffnung von der Stadt angemietet wurde. Am Serrahn in Bergedorf wurde das Nintynine vor einigen Jahren ebenfalls für Flüchtlinge umgenutzt. Auch dort war zuvor viel Geld in die Umgestaltung und Aufwertung des Hafens geflossen.
Wie aus einer Senatsanfrage aus dem April 2026 hervorgeht, hat Hamburg im vergangenen Jahr 163,7 Millionen Euro für die Unterbringung von Geflüchteten in Hotels ausgegeben. Ein kleiner Trost: Diese Zahl sinkt seit zwei Jahren, wie auch die Zahl der in Hotels untergebrachten Flüchtlinge und die Zahl der Hotelstandorte, die dafür angemietet werden. Aktuell sind laut CDU-Anfrage aber trotzdem immer noch 43 Hotels und Hostels mit rund 4932 Plätzen in Betrieb.