Immer mehr psychisch kranke Straftäter? Klinik in Stemwede möchte Konzept anpassen

Eigentlich ist Schloss Haldem seit den 90er-Jahren vor allem auf die Behandlung suchtkranker Straftäter spezialisiert. Nach einer Änderung des Strafrechts sind die Aufnahmen in diesem Bereich jedoch zurückgegangen. Aktuell sind in der Klinik von den rund 200 Patientenplätzen nur 140 belegt.

Davon sind 21 Plätze für psychisch kranke Patienten. Das ist so vertraglich mit der Gemeinde Stemwede vereinbart. Diese Zahl möchte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe ( LWL ) als Träger der Klinik perspektivisch auf 56 Patienten bis etwa 2032 erhöhen.

Klinik will Arbeitsplätze sichern

Für die Klinik geht es dabei nicht nur um die Behandlung der Patienten. Auch die Zukunft des Standorts steht im Mittelpunkt. In der Klinik in Haldem, einem Ortsteil von Stemwede, arbeiten rund 340 Menschen. Matthias Grimm ist ärztlicher Direktor der LWL-Klinik. Er macht deutlich, dass die aktuelle Situation eine "wirtschaftliche Katastrophe" sei.

Die Umstrukturierungspläne sollen gemeinsam mit der Gemeinde Stemwede entwickelt werden. Dazu hat die Klinik am Dienstagabend (6. Oktober) zu einem Bürgerdialog eingeladen. Für viele Anwohner ist Schloss Haldem ein Arbeitgeber und eine bewährte Institution in der Gemeinde, aber es gibt auch viele offene Fragen: Was heißt das für ein kleines Örtchen, wenn hier mehr psychisch erkrankte Straftäter behandelt werden sollen?

Bürgerdialog zu Klinik-Umstrukturierung

Etwa 70 Interessierte haben den Weg in die Klinik zum Dialog gefunden. Dr. Lisa Maria Niemeyer ist die therapeutische Direktorin der LWL-Klinik. Sie wirbt für die Umstrukturierung und möchte Sorgen der Anwohner nehmen. Es sei ein bewusst "außergewöhnlich langsamer Prozess" und die Patienten seien in aller Regel nicht gefährlich für andere.

Auch Bürgermeister Kai Abruszat (FDP) erklärte in einem Grußwort: "Wir sind heute, 2026, viel weiter als noch vor 20, 30 Jahren." Damit spielt er auf Proteste innerhalb der Bevölkerung an, die es um die Jahrtausendwende gegen die Klinik gegeben hatte. Gleichwohl sei man noch am Anfang des Prozesses und eine finale Entscheidung stehe noch aus. Die muss auch der Rat der Gemeinde mittragen.

Was steckt hinter dem Rückgang?

Grund für den Rückgang an suchtkranken Straftätern ist eine Reform des § 64 des StGB, die seit Oktober 2023 gilt. Sie verschärft die Voraussetzungen für die Unterbringung der speziellen Tätergruppe im Maßregelvollzug.

Es gibt aber nicht weniger suchtkranke Straftäter, nur wird nicht mehr jeder mit diesem Muster auch direkt in eine Forensik eingewiesen. Das hat aber zur Folge, dass die Zahl der Patienten in Haldem gesunken ist.

Gibt es jetzt mehr psychisch kranke Straftäter in Deutschland?

Tilmann Hollweg ist Maßregelvollzugsdezernent beim Landschaftsverband Westfalen- Lippe. Er hat den Überblick über die insgesamt sechs forensischen Standorte des LWL und steht im Austausch mit Behörden. "Ungefähr 1% leidet an einer Psychose", sagt er. Das sind etwa 800.000 Menschen in Deutschland.

"Die wenigsten werden straffällig." Aber aufgrund von Engpässen in der Behandlung gebe es mittlerweile mehr als noch vor einigen Jahren. Daher sei der Bedarf nach forensischen Behandlungsplätzen im Moment hoch.