SiKo-Chef warnt vor NATO-Konflikt mit Russland: „Nicht nachlassen, uns auf die neue Bedrohungslage einzustellen“
Stand: 06.10.2026, 23:10 Uhr
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Wolfgang Ischinger warnt vor wachsender Gefahr durch Russland. Er rechnet mit weiteren hybriden Attacken wie in Leipzig. Moskaus Spott deutet er anders.
Berlin – Wolfgang Ischinger hat in einem Interview mit dem Tagesspiegel wegen des Konflikts mit Russland zur Wachsamkeit gemahnt. Russland führe einen Schattenkrieg gegen den Westen, der an Gefährlichkeit zunehme – und Deutschland müsse endlich die Konsequenzen ziehen, so der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Die Aussage des BND-Chefs Martin Jäger, der jüngst in einer öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums vor einer „neuen, gefährlicheren Qualität der Konfrontation“ mit Russland gewarnt hatte, ist für Ischinger keine Übertreibung: „Wenn der BND-Chef vor einer ‚neuen, gefährlicheren Qualität der Konfrontation‘ mit Russland warnt, dann sollten wir das alle sehr, sehr ernst nehmen.“

Bereits vor 14 Tagen hatte Ischinger selbst vor dem bislang gefährlichsten Herbst in diesem Krieg gewarnt. Zudem verwies er auf den Drohnenvorfall in Leipzig: „Es ist fest damit zu rechnen, dass sich Vorfälle wie der gescheiterte Angriff am Flughafen in Leipzig wiederholen werden, genauso wie hybride Attacken“, so Ischinger. Seine Forderung ist klar: „Wir sollten daraus unsere Schlüsse ziehen und nicht nachlassen, uns auf diese neue Bedrohungslage einzustellen“, sagt er – „das meine ich sowohl militärisch als auch mental.“
Konflikt mit Russland – Ischinger fordert Konsequenzen
Die Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz nach Kiew und das Treffen von Außenminister Johann Wadephul mit Sergej Lawrow in New York bewertet Ischinger dabei als richtige, wenn auch erst zögerliche Schritte. „Ich sehe darin ein starkes Zeichen von fortgesetzter Entschlossenheit und Kontinuität.“ Der Besuch in Kiew habe im Kreis der Verbündeten großen Zuspruch gefunden. „Es ist eine wichtige Initiative zum richtigen Zeitpunkt.“
Ähnlich bewertet Ischinger das spontane Treffen von Außenminister Wadephul mit dem russischen Kollegen Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung in New York – trotz eines ernüchternden Ergebnisses. „In Deutschland rufen viele Menschen nach mehr Diplomatie“, sagt Ischinger. „Daher war das New Yorker Treffen auch innenpolitisch ein wichtiger Schritt des Außenministers, um zu zeigen: Seht, wir sprechen. Wenngleich mit ernüchterndem Ergebnis.“
Russlands Häme aus Moskau: Ischinger sieht Schwäche
Russlands Reaktion auf all das? Spott. Beim Waldai-Forum, der wichtigsten russischen Außenpolitik-Konferenz, soll man sich über Deutschland lustig gemacht haben. Ischinger lässt das kalt. Mit 35 Jahren Erfahrung im Umgang mit russischen Diplomaten liest er solche Signale anders: „Wenn sie anfangen, sich lustig zu machen, dann ist das eher ein Zeichen von Verzweiflung und Schwäche als von Überlegenheit.“ Russland, so seine Einschätzung, könne den Krieg nicht so beenden, wie es das ursprünglich geplant hatte. Die Häme aus Moskau sei deshalb kein Zeichen von Stärke. „Es zeigt, dass Russland aus dem letzten Loch pfeift.“
Wie es weitergeht, weiß Ischinger nicht – aber er hat eine klare Haltung. Hybride Angriffe werden seiner Meinung nach zunehmen, die Konfrontation mit Russland gefährlich bleiben. Im Februar 2027 will er deshalb das Thema ganz oben auf die Agenda der Münchner Sicherheitskonferenz setzen. Bis dahin gilt für ihn eine einfache Maxime: „Wir sollten nicht nachlassen, uns auf die neue Bedrohungslage einzustellen.“ (Quelle: Tagesspiegel) (cs)