Forscher entwickeln extrem süßen Ersatz für Zucker – und staunen über Eigenschaften

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Zucker ohne Kalorien: Neuere Studien zeigen, dass künstliche Süßstoffe mit geringem oder vollständig fehlendem Zuckergehalt dennoch wichtige Reaktionen im menschlichen Körper auslösen können. Dies kann insbesondere für Menschen mit Diabetes oder anderen Störungen des Blutzuckerstoffwechsels von Bedeutung sein.

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Eine neu entwickelte Zucker-Alternative könnte hier einen vielversprechenden Ansatz bieten, da der untersuchte Süßstoff bislang weder eine messbare Glukose- noch eine Insulinreaktion hervorrief.

Forscher entwickeln extrem süße Alternative zum Zucker

Um unerwünschte körperliche Reaktionen auf den Süßstoff möglichst auszuschließen, haben Wissenschaftler des Biotechnologieunternehmens Amai Proteins Ltd. eine neuartige Alternative namens „Sweelin“ entwickelt. Der Süßstoff zeichnet sich durch eine außergewöhnlich hohe Süßkraft aus. Bezogen auf das Gewicht ist Sweelin etwa 3.500 Mal süßer als Saccharose, dem klassischen Haushaltszucker.

In einer Studie, über die „ScienceAlert“ berichtet, untersuchten die Forscher die Wirkung des neu entwickelten Süßstoffs. An der Untersuchung nahmen 19 Personen teil. Über einen Zeitraum von 120 Minuten nach dem Verzehr eines Getränks mit einer einzelnen hohen Dosis Sweelin wurden deren Blutzucker, Insulin und GLP-1 Werte erfasst.

In zufälliger Reihenfolge und bei jeweils einwöchigem Abstand zwischen den Untersuchungsterminen wiederholten die Teilnehmer den Versuch mit einem Getränk, das entweder mit Stevia oder mit Dextrose gesüßt war. Während Stevia als pflanzlicher Süßstoff bekanntermaßen nur geringe Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel und die Insulinreaktion hat, führt Dextrose erwartungsgemäß zu einem deutlichen Anstieg des Blutzuckers.

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Die Untersuchung erfolgte verblindet, sodass weder die Teilnehmer noch das Studienpersonal wussten, welcher Süßstoff jeweils verabreicht wurde. Über den zweistündigen Beobachtungszeitraum zeigte Sweelin ein ähnliches physiologisches Profil wie Stevia. Die Glukosereaktion fiel insgesamt rund 31-mal geringer aus als nach dem Konsum von Dextrose. Auch die Insulinreaktion war unter Sweelin deutlich reduziert und lag etwa 81-mal niedriger als bei Dextrose.

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Besonders relevant war jedoch die Beobachtung, dass Sweelin keinen Anstieg des zirkulierenden GLP-1 auslöste, wie er typischerweise nach einer Mahlzeit auftritt. Nach Einschätzung der Studienautoren ist dieser Befund insbesondere für Menschen mit Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Prädiabetes oder Adipositas von Bedeutung.

Bei diesen Personengruppen können ausgeprägte Blutzuckerschwankungen nach dem Essen langfristig zu einem erhöhten kardiovaskulären und metabolischen Risiko beitragen.

Neuer Süßstoff hat sein Vorbild in der Natur

Der neu entwickelte Süßstoff Sweelin orientiert sich an einem natürlichen Vorbild. Als Inspiration diente den Wissenschaftlern die Serendipity Beere (Dioscoreophyllum cumminsii), eine in den tropischen Regenwäldern West- und Zentralafrikas heimische Pflanze, die eines der süßesten bekannten Proteine enthält.

Solche besonders süßen Proteine kommen in verschiedenen tropischen Früchten vor und können mindestens 1.000-mal süßer sein als Saccharose. Nach Ansicht der Forscher könnte sich diese ausgeprägte Süße im Laufe der Evolution entwickelt haben, um Primaten anzulocken und dadurch die Verbreitung der Samen zu fördern.

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Mithilfe künstlicher Intelligenz optimierten die Wissenschaftler die Eigenschaften des natürlichen Süßproteins und veränderten es anschließend mithilfe gentechnischer Verfahren. Sweelin liegt als weißes Pulver vor, das sich leicht in Flüssigkeiten auflösen lässt. Aufgrund seiner außergewöhnlich hohen Süßkraft genügen bereits 3 mg des Pulvers, um beispielsweise eine Portion Eistee zu süßen.

Sweelin ist inzwischen in den USA, Singapur und Israel als Zuckerersatz für verschiedene Lebensmittel, Getränke und Süßwaren erhältlich. Die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse sollten jedoch mit entsprechender Vorsicht bewertet werden, da die zugrunde liegende Studie nur wenige Teilnehmer umfasste und über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum durchgeführt wurde.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen ein langfristiger Konsum von Sweelin hat und ob sich die Ergebnisse auf größere und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen übertragen lassen, ist daher noch nicht abschließend geklärt.