FR-üh dran zum Iran-Fiasko: Völlig verrechnet – warum Trumps „kurzer“ Krieg plötzlich endlos ist
Stand: 28.08.2026, 07:08 Uhr
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Sechs Monate Iran-Krieg: Trumps Plan vom schnellen Sieg ist gescheitert. Die Folgen: Sanktionen, Inflation & Krise. Der Check im FR-üh dran.
FRüh-Radar – das steht heute an: Irgendwo in Teheran kauft eine Frau heute Morgen Kartoffeln – einzeln, weil mehr nicht drin ist. Irgendwo in Washington schaut Donald Trump auf seine Umfragewerte, die ihm nicht gefallen werden. Und irgendwo in der Straße von Hormus liegt ein US-Kriegsschiff auf Position, bereit für das, was im Iran-Krieg als Nächstes kommt. Sechs Monate nach Kriegsbeginn verbindet diese drei Bilder ein einziger Faden: ein Konflikt, der nicht enden will.

Ende Februar starteten die USA gemeinsam mit Israel ihren Krieg gegen den Iran. Trump versprach einen schnellen Sieg gegen das Mullah-Regime. Heute, genau ein halbes Jahr später nach Kriegsbeginn, ist davon nichts übrig geblieben – außer einer Seeblockade, einem gescheiterten Rahmenabkommen, neuen Sanktionen und einer Region, die am Rand einer erneuten Eskalation steht. Und nebenbei: Spritpreisen, die auch an deutschen Zapfsäulen schmerzen.
Gleichzeitig läuft in Washington die Uhr: Am 3. November finden die US-Kongresswahlen statt – die sogenannten Midterms. Trumps Republikaner müssen einen Krieg verteidigen, den die eigene Bevölkerung nie wollte. Teheran weiß das. Und spielt seine Karten entsprechend. Was nach einem halben Jahr wirklich auf dem Spiel steht, warum dieser Krieg so hartnäckig festgefahren ist – und mit welchen Argumenten Sie heute in der Kaffeeküche punkten: Das lesen Sie hier in unserer FR-üh-dran-Kolumne.
Die Ausgangslage: Der Iran-Krieg dauert heute sechs Monate – für Trump ein Fiasko
Wir fassen zusammen, wie es dazu kam: Es war Ende Februar, als die USA gemeinsam mit Israel ihren Militäreinsatz gegen den Iran starteten. Fast 40 Tage lang griffen sie das Land aus der Luft an. Zahlreiche hochrangige Militärs und Politiker wurden gezielt getötet – darunter bereits am ersten Kriegstag Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei. Trump hatte versprochen, der Krieg werde kurz sein. Ein „kleines Scharmützel“ nannte er ihn, wie t-online berichtet. Ein schneller Sieg, ein Regime-Change, ein Iran ohne Atomwaffenprogramm – das waren die Ziele.
Keines davon wurde erreicht. Im Gegenteil: Die gezielten Tötungen haben nicht, wie von Trump in Aussicht gestellt, zu einem Zusammenbruch des iranischen Machtapparats geführt. Stattdessen haben sie die Macht radikaler Kräfte und des Militärs im Iran gefestigt, wie dpa berichtet. Im April wurde eine Waffenruhe vereinbart, im Juni ein Rahmenabkommen unterzeichnet – das als diplomatischer Durchbruch gefeiert wurde. Doch schon kurz darauf flammten die Kämpfe wieder auf. Mitte Juli gab es erneut Eskalationen. Seitdem sind auf diplomatischer Ebene keine erkennbaren Fortschritte erzielt worden.
Heute hält die US-Marine eine Seeblockade iranischer Häfen aufrecht und hilft nach eigenen Angaben Tankern bei der Passage durch die Straße von Hormus. Doch die Straße bleibt ein Pulverfass: Teheran will sie weiter als Druckmittel nutzen. Zuletzt wurde am 25. August erneut ein Tanker in der Meerenge angegriffen, wie die Tagesschau berichtet.
Die Crux
Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Das Grundproblem ist so simpel wie ernüchternd: Trump hat keinen Plan, wie dieser Krieg enden soll. „Hat er ein Kaninchen im Hut?“, fragte William Galston von der Denkfabrik Brookings Institution laut t-online. Seine eigene Antwort: „Nein, ich glaube, sein Hut ist leer.“ Politologe Garret Martin von der American University in Washington formuliert es ähnlich: Trump sei „in einer Lage, aus der es keinen einfachen Ausweg gibt.“
Statt auf Verhandlungen setzt Trump nun auf einen „Wirtschaftskrieg“. US-Finanzminister Scott Bessent hat das neue Sanktionspaket unter dem Namen „Operation Economic Outcast“ vorgestellt – ein „wirtschaftlicher Großangriff auf die weltweiten Finanzverbindungen Irans“, wie er laut taz sagte. Betroffen sind unter anderem türkische, indische sowie in China und Hongkong ansässige Unternehmen, die den Verkauf von iranischem Öl unterstützt haben sollen. Auch Sekundärsanktionen gegen Irans Handelspartner werden angedroht.
Doch die Wirkung ist ungewiss. Der Iran ist seit Jahren hoch sanktioniert und hat gelernt, damit zu leben. China, der wichtigste Abnehmer iranischen Öls, ist bislang nicht direkt von Sekundärsanktionen betroffen – ein Treffen zwischen Xi Jinping und Trump ist für Ende September geplant. Und im Iran selbst haben sich inzwischen Politiker durchgesetzt, die Verhandlungen mit den USA skeptisch sehen und stattdessen auf eine erneute militärische Eskalation vorbereitet sein wollen. Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai brachte die Haltung Teherans am Montag auf den Punkt: „Iraner waren früher professionelle Schachspieler, heute sind sie auch gute Pokerspieler“, sagte er laut dpa.
Für die iranische Bevölkerung ist das alles eine Katastrophe. Die Lebensmittelpreise sind laut dem iranischen Statistikamt innerhalb der vergangenen zwölf Monate um durchschnittlich rund 128 Prozent gestiegen, wie die Tagesschau berichtet. Der Rial ist die schwächste Währung weltweit. Menschen kaufen Kartoffeln einzeln, auf Obst wird verzichtet, Läden schließen. „Manchmal, wenn ich alleine bin, dann habe ich das Gefühl zu ersticken“, sagt Fariba Kimya Navasatli, eine 59-jährige Iranerin aus Teheran, gegenüber der Tagesschau. „Keine Zukunft mehr sehen zu können, sondern nur noch zu überlegen, was in den kommenden Tagen passieren wird: Das frisst einen auf.“
Espresso-Argumente für die Kaffeeküche
Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche:
„Trump hat den Iran endlich in die Schranken gewiesen – das war längst überfällig.“
Sechs Monate Krieg, 18 tote US-Soldaten, mehr als 750 Verletzte und Kriegskosten von über 37 Milliarden Dollar – das ist die Bilanz, die rund 50 demokratische Abgeordnete in einem Brief an Trump zusammengefasst haben, wie t-online berichtet. Von „in die Schranken weisen“ kann keine Rede sein: Irans Raketenprogramm ist militärisch geschwächt, aber nicht zerstört. Die radikalen Kräfte im Land sind stärker als zuvor. Und Chameneis Tod hat keinen Regimewechsel ausgelöst, sondern das Gegenteil bewirkt. Wer Krieg als Lösung verkauft, muss erklären, was er damit gewonnen hat.
„Die Sanktionen werden Iran schon zum Einlenken zwingen.“
Der Iran wird seit Jahrzehnten sanktioniert – und hat in dieser Zeit gelernt, Handelspartner zu finden, die sich nicht an US-Vorgaben halten. China nimmt einen Großteil der iranischen Ölexporte ab. Die neuen Sanktionen treffen zwar einzelne Unternehmen, lassen China aber weitgehend unberührt. Gleichzeitig trifft der wirtschaftliche Druck vor allem die einfache Bevölkerung, nicht die Führung. 128 Prozent Lebensmittelinflation in einem Jahr – das ist kein Druckmittel gegen ein Regime, das seine eigene Bevölkerung seit Jahrzehnten unterdrückt. Es ist kollektive Bestrafung.
„Wer den Krieg kritisiert, stärkt den Iran.“
Das Gegenteil ist richtig: Blinde Gefolgschaft gegenüber einer Strategie ohne Exit-Plan stärkt niemanden außer Trump. Bundeskanzler Friedrich Merz warf Trump bereits im Frühjahr vor, „offensichtlich keine Strategie“ im Iran-Krieg zu haben. Kritik an einem schlecht geführten Krieg ist keine Schwäche – sie ist politische Verantwortung.
FR‑üh dran – die Lage am Morgen
In unserer Kolumne informieren wir Sie täglich über den wichtigsten Termin des Tages und bereiten Sie als FR-Leser:in auf die politische Debatte in der Kaffeeküche und am Mittagstisch vor, indem wir die passenden Argumente direkt mitliefern. Lesen Sie hier genau, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.
Sie sind anderer Meinung, Ihnen fehlen Argumente oder Sie haben ein Thema, dem wir uns in der Kolumne annehmen sollen? Dann schreiben Sie uns oder diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter diesem Artikel.
Blick nach vorne
Lesen Sie hier schon heute, was als Nächstes passieren wird: Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die neuen US-Sanktionen tatsächlich Wirkung entfalten – oder ob der Iran und seine Handelspartner Wege finden, sie zu umgehen. Besonders spannend wird das für Ende September geplante Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Washington. China ist Irans wichtigster Handelspartner – ob Peking unter Druck einlenkt oder standhält, könnte die Dynamik des Konflikts entscheidend verändern.
Pakistan, das in dem Konflikt zwischen Teheran und Washington vermittelt, sprach nach einem Besuch in der iranischen Hauptstadt am Dienstag von „sehr positiven und produktiven Gesprächen“, wie dpa berichtet. Die pakistanische Delegation unter Leitung von Armeechef Asim Munir traf sich mit dem Chef des nationalen Sicherheitsrats, dem Parlamentspräsidenten und dem Außenminister. Ob daraus konkrete Schritte folgen, bleibt offen.
Der wichtigste Termin auf der politischen Uhr: Am 3. November 2026 finden in den USA die Kongresswahlen statt. Sollten Trumps Republikaner eine oder beide Kammern verlieren, wäre seine politische Handlungsfähigkeit massiv eingeschränkt. Beobachter halten es für möglich, dass Iran wenige Wochen vor den Wahlen militärischen Druck ausüben könnte, um Washington Zugeständnisse abzuringen.
Echt jetzt?!
Als Trump den Iran-Krieg startete, versprach er, er werde „kurz“ sein. Zur Einordnung: Der Erste Weltkrieg sollte laut Kaiser Wilhelm II. „vor dem Herbst“ vorbei sein. Der Zweite Weltkrieg sollte Polen in wenigen Wochen bezwingen. Und der US-Einmarsch in Afghanistan 2001 war ursprünglich als begrenzte Operation geplant – er dauerte am Ende 20 Jahre. Trump hat also eine bemerkenswerte historische Gesellschaft, wenn er Kriege ankündigt, die dann doch länger dauern als versprochen. Der Unterschied: Damals wusste man das erst im Nachhinein. Heute wissen wir es nach sechs Monaten – und die Uhr tickt weiter. (Quellen: dpa, Tagesschau, taz, t-online) (jenko)