Gefährliche Eskalation zwischen Saudi-Arabien und Huthi

Über Jahre war es ruhig im Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den Huthi-Rebellen im Jemen – aber jetzt ist die Konfrontation eskaliert. Am Montag beschoss die von Iran unterstützte Rebellenbewegung den Flughafen der Stadt Abha, die im Süden des Königreiches liegt. Ein saudischer Militärsprecher teilte mit, Raketen der „terroristischen Miliz“ seien abgefangen worden.

Die Huthi erklärten, der Angriff sei ein Vergeltungsschlag für das Bombardement des internationalen Flughafens der Hauptstadt Sanaa. Sie warfen dem Nachbarland vor, hinter dieser „offensichtlichen Aggression“ zu stecken. Saudische Luftangriffe hätten eine Phase der Deeskalation beendet, erklärte ein Sprecher. Offiziell hat die international anerkannte und mit Saudi-Arabien verbündete jemenitische Regierung die Angriffe in der Hauptstadt für sich reklamiert, aber diese Darstellung wird gemeinhin bezweifelt. Dazu hätten ihr – anders als Saudi-Arabien – die militärischen Mittel gefehlt, heißt es von mehreren Beobachtern.

„Der Schlagabtausch ist ein Test für den fragilen Waffenstillstand zwischen Saudi-Arabien und den Huthi, der seit 2022 herrscht“, erklärt Mohammed al-Basha, ein jemenitischer Politik- und Sicherheitsberater, der den „Basha Report“ herausgibt. Der Waffenstillstand hatte trotz der regionalen Eskalation um die amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran, den wichtigsten Sponsor der Huthi, gehalten. Basha sieht jetzt Versuche auf beiden Seiten, die Konfrontation nicht außer Kontrolle geraten zu lassen.

Saudi-Arabien steht an der Spitze einer Anti-Huthi-Koalition, zu der auch die international anerkannte jemenitische Regierung gehört. Unter der Federführung des jetzigen Kronprinzen und faktischen Herrschers Muhammad Bin Salman hatte das Königreich 2015 einen Feldzug gegen die Rebellenbewegung gestartet. Die Huthi hatten seinerzeit einen spektakulären Eroberungszug durch das ganze Land geführt. Sie herrschen seit September 2015 über die Hauptstadt Sanaa und kontrollieren noch immer weite Teile des Nordjemens.

Streit über einen iranischen Flug nach Sanaa

Die Führung in Riad versucht schon länger, einen gesichtswahrenden Ausweg aus ihrem Jemen-Abenteuer zu finden. Doch Gespräche über eine Beendigung des Konfliktes sind zuletzt ins Stocken geraten. Zankapfel war unter anderem die saudische Blockade des Jemens – nicht zuletzt des internationalen Flughafens von Sanaa. Seit knapp zwei Wochen gibt es Konflikte über die Frage, welche Flüge dort landen dürfen.

Anfang Juli war eine Huthi-Delegation – gegen den Widerstand ihrer Gegner – mit einem Flug der iranischen Fluggesellschaft Mahan Air zur Beerdigung des getöteten iranischen Obersten Führers Ali Chamenei nach Teheran gereist. Am Rückflug hat sich die aktuelle Eskalation entzündet. Die international anerkannte jemenitische Regierung hatte den Huthi nach den Worten von Mohammed al-Basha angeboten, einen jemenitischen Flug zu organisieren. Sie wirft den Huthi jetzt vor, jemenitische Souveränität verletzt zu haben. Wegen ihres Beharrens auf einen iranischen Flug trügen die Rebellen die „volle Verantwortung“ für die Eskalation. Die Huthi teilten ihrerseits mit, die Delegation sei unbehelligt in der von ihnen kontrollierten Hafenstadt Hudeida gelandet. Dass dies möglich war, sei ein Zeichen für Deeskalationsbemühungen, erklärt Mohammed al-Basha.

Ein weiteres Nadelöhr des Welthandels

Mit dem Schlagabtausch geht die Sorge einher, dass die Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien verschärft werden könnten. Nach der Logik der Rebellen könnten Häfen, Flughäfen und Ölwirtschaft attackiert werden, weil dies auch Bereiche sind, die im Jemen von der saudischen Blockade betroffen sind. Die Huthi sind aber auch Teil der von Iran geführten Allianz „Achse des Widerstands“, die sich die Vernichtung Israels und die Vertreibung der Vereinigten Staaten aus der Region auf die Fahnen geschrieben hat. Die jemenitische Rebellenbewegung bedroht mit ihren Drohnen und Raketen eine strategisch wichtige Meerenge: das Bab al-Mandab (Tor der Tränen), das den Golf von Aden und den Indischen Ozean mit dem Roten Meer verbindet. Sie ist neben der Straße von Hormus ein weiteres Nadelöhr des Welthandels. Eine Blockade wäre im Interesse Irans.

Bislang haben die Huthi indes nur mit symbolischen Nadelstichen in den amerikanisch-israelischen Krieg gegen Iran eingegriffen. Diplomaten und jemenitische Beobachter hatten darauf verwiesen, dass in ihrer Kosten-Nutzen-Abwägung eine mögliche Einigung mit Saudi-Arabien und ihre innerjemenitische Position eine Rolle spiele. „Die Huthi wollen einer neuen militärischen Konfrontation mit den USA eigentlich aus dem Weg gehen“, sagt Mohammed al-Basha. „Zumindest bis jetzt.“