Städtische Bühnen Frankfurt: Neubau wird Generationenprojekt

In den sozialen Netzwerken wird man regelmäßig an Ereignisse erinnert, die Jahre zurückliegen. So kam vor wenigen Wochen, am 6. Juni, der Hinweis, dass neun Jahre zuvor die Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Städtischen Bühnen in Frankfurt vorgestellt wurde. Angesichts der maroden Bausubstanz war damals von dringendem Handlungsbedarf die Rede. Der Bühnentechnik wurde eine Restlaufzeit von etwa fünf Jahren attestiert.

Wie so oft im Leben kommt es anders: Neun Jahre später ist die Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz weiter in Betrieb, wenn auch unter immer schwieriger werdenden Umständen. Die Obermaschinerie der Oper, die bei einzelnen Aufführungen schon versagt hat, muss für rund 900.000 Euro repariert werden, damit die nächste Spielzeit nicht ausfällt. Wie es aussieht, muss das Musiktheater noch mindestens zehn Jahre mit steigendem Aufwand betriebsbereit gehalten werden.

Nicht der Algorithmus, sondern das menschliche Gedächtnis ruft den Schock in Erinnerung, den die Kostenschätzung für eine Sanierung von 2017 auslöste. Mehr als 850 Millionen Euro sollten nötig sein, das Bühnengebäude in einen zeitgemäßen Zustand zu versetzen. Rückblickend erscheint diese Summe als niedrig, liegen doch die Schätzungen für die mittlerweile gewählte Neubauvariante um 50 Prozent über der Kalkulation von 2017. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Jedes Jahr, um das sich die Bauvorhaben verzögern, treibt die Kosten um einen achtstelligen Betrag nach oben.

Milliardensumme schreckt kaum noch ab

Aber je länger über Milliardensummen gesprochen wird, desto mehr gewöhnt man sich daran. Einen Schock löst die zu erwartende Belastung der Stadtkasse heute nicht mehr aus. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Stadtverordneten Beschlüsse gefasst haben, von denen sie nicht wissen, welchen Finanzbedarf sie am Ende nach sich ziehen werden.

Immer mehr wird deutlich, dass sich die Stadt nicht nur auf ein kostspieliges, sondern auch sehr komplexes Projekt eingelassen hat. Mit der Beauftragung externer Planer und der Gründung der Bühnenbaugesellschaft nimmt es jetzt Fahrt auf. Das heißt nicht, dass schon in Kürze die Bagger anrollen. Für den Neubau des Schauspielhauses ist zwei Jahre nach der Grundsatzentscheidung noch nicht einmal die Grundstücksfrage abschließend geklärt.

Würde es schneller gehen, wenn sich die Stadt für eine andere Lösung entschieden hätte? Das ist gut möglich, aber wir wissen es nicht. Und die Erkenntnis wäre auch fruchtlos. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.