Frankreich :
Wegen Quallenplage: Drei Atomreaktoren abgeschaltet
11.08.2026, 18:15Lesezeit: 2 Min.

Quallenschwärme gerieten in die Wasserpumpen des Kernkraftwerks Gravelines. Das ist nicht das einzige Problem für den französischen Atomstrom.
Ein massives Aufkommen von Quallen stellt den französischen Energiekonzern EDF vor Probleme: Das Unternehmen musste drei der sechs Reaktoren seines Kernkraftwerks Gravelines an der Küste des Ärmelkanals abschalten, wie es am Dienstag auf seiner Website mitteilte. Die Quallen gerieten demnach in die Meerwasserpumpen des Akw.
Die Reaktoren 2, 3, und 4 mussten abgeschaltet werden, Reaktor 1 wurde auf die halbe Kraft heruntergefahren, wie EDF mitteilte. Reaktor 6 laufe mit voller Kraft, Reaktor 5 sei aktuell wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. „Diese Situation hat keinerlei Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlagen, die Sicherheit des Personals oder auf die Umwelt“, teilte EDF weiter mit.
Gravelines in der Normandie zwischen Calais und Dünkirchen ist das größte Atomkraftwerk Westeuropas. Ebenfalls wegen einer Quallenplage wurden dort vor genau einem Jahr vier Reaktoren automatisch abgeschaltet.
Hitze und Trockenheit führen zu Problemen
Die vielen Quallen an der Küste Nordfrankreichs sind ein regelmäßiges und saisonbedingtes Phänomen. Experten zufolge werden Meldungen über große Schwärme in diesem Gebiet aber jeden Sommer häufiger. Weltweit vermehren sich die Quallen, ein Grund dafür ist der Anstieg der Meerestemperaturen im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung.
Die diesjährige Hitze und Trockenheit setzen der Atomstromproduktion in Frankreich ebenfalls zu: Für den Kraftwerkspark des Betreibers EDF wurde am Sonntagnachmittag ein neuer Höchststand bei den Ausfällen verzeichnet, wie aus Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP zu den seit 2015 veröffentlichten Daten hervorgeht. Die Ausfallquote erreichte 15,6 Prozent — noch nie zuvor fehlte in Frankreich so viel Kernkraftleistung aufgrund steigender Temperaturen der Flüsse und sinkender Durchflussmengen.
Die insgesamt 57 Atomreaktoren des Landes, die üblicherweise rund 70 Prozent der Stromerzeugung decken, liegen allesamt an Gewässern, um die Kühlung der Anlagen zu ermöglichen. Im Falle von Dürren oder Hitzewelle muss die Produktion jedoch gedrosselt werden, um Auswirkungen auf die Umwelt zu begrenzen und zu verhindern, dass sich etwa das Wasser von Flüssen noch weiter aufheizt. Am Sonntag mussten so fünf Reaktoren (Tricastin 1 und 4, Saint-Alban 1 und 2 sowie Bugey 3) ihre Leistung anpassen. Zudem waren vier Reaktoren (Golfech 2, Chooz 1 und 2, Cattenom 1) außer Betrieb.
Mit Blick auf die Sicherheit hob EDF hervor, dass die Reaktoren trotz hoher Wassertemperaturen ohne erhöhtes Risiko betrieben werden könnten; die von der französischen Atomaufsichtsbehörde für jeden Standort festgelegten Grenzwerte dienten dem „Schutz von Flora und Fauna“, erklärte der Konzern. EDF verwies außerdem darauf, dass die Auswirkungen von Dürreperioden und Hitzewellen auf die Atomstromerzeugung „sehr gering“ seien — Frankreich sei weiterhin ein bedeutender Stromexporteur innerhalb Europas.