Stand: 11.08.2026, 18:15 Uhr
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Frankfurter Netzskulptur für 2,3 Millionen Euro wird kontrovers diskutiert. Die Kulturdezernentin zeigte sich überrascht von der heftigen Kritik.

Seit rund zehn Tagen hängt die Installation, die derzeit Stadtgespräch ist, schon über der Konstablerwache. Am Dienstagabend soll sie offiziell mit einem Lichtspiel und Musik eröffnet werden. Heute werde die Netzskulptur „A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt“ der Künstlerin Janet Echelman erstmals so erstrahlen, wie sie es in den nächsten drei Jahren tun soll, sagt Ina Hartwig, Frankfurter Kulturdezernentin (SPD), am Vormittag bei einer Pressekonferenz.
Das in sieben Meter Höhe schwebende Kunstwerk, das im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC) gezeigt wird, sei wohl das markanteste Stück des Projekts. Die Arbeit der US-Amerikanerin hatte in den vergangenen Wochen für viele Diskussionen gesorgt, vorwiegend wegen der Kosten von rund 2,3 Millionen Euro. Kritik gibt es auch daran, dass der Auftrag ohne öffentliche Ausschreibung vergeben wurde, dass das Geld nicht für eine dauerhafte Aufwertung des Platzes eingesetzt werde oder für andere notwendige Investitionen wie Schulen.
Ihr sei bewusst, dass das Werk polarisiere, sagt Hartwig. Viele Menschen trieben andere Dinge um, sie hätten finanzielle Sorgen, beschäftigten Unsicherheiten. Und die Stadt gebe so viel Geld für ein Kunstwerk aus. „Das nehmen wir sehr ernst.“ Von der Heftigkeit der Kritik sei sie allerdings schon überrascht gewesen, antwortet sie auf Nachfrage. Einige Punkte könne sie nachvollziehen
Das Geld stamme aber nicht aus dem laufenden Kultur-Etat, so die Dezernentin. „Es wurde dafür nicht an anderer Stelle bei Kunst, Kultur oder Wissenschaft der Stadt gekürzt.“ Die Mittel wären sonst verfallen und hätten nicht für anderes ausgegeben werden können. Zudem wurde das Pflaster auf der Konstablerwache erneuert und eine verkehrssichernde Beleuchtung installiert.
Echelman beschäftige sich bereits seit 20 Jahren mit der Bespielung und Aufwertung des öffentlichen Raums weltweit, sagt Hartwig. Sie möchte Orte erfahrbar machen und in neuem Licht zeigen, das sei wörtlich zu nehmen. Das Kunstwerk soll die Konstablerwache aufwerten, „ein eher schmuckloser, rauer Ort, wie wir wissen“, sagt Hartwig. Und fügt an: „Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang.“
Das Kunstwerk als Touristenmagnet
Es lasse sich in diesem Zusammenhang auch über die Gestaltung des Platzes diskutieren. Der oft leer sei, wenn kein Markt ist, manchen gar Angst mache, so Hartwig. Ihr sei klar, dass das Kunstwerk keine sozialen Probleme löse, aber ihre Hoffnung sei, dass die Debatte einen Anstoß geben könne, wie man weiter friedlich zusammenleben möchte.
Das Stadtmarketing, das Wirtschaftsdezernat und die Tourismus-GmbH schauen mit einem anderen Blick auf die Skulptur. Diese erhoffen sich einen neuen Orientierungspunkt, der zum Verweilen, Begegnen und Erleben einlädt, für Frankfurter:innen und Gäste. Schon heute querten je nach Wochentag täglich 70 000 bis 150 000 Menschen Zeil und Konstablerwache. Das Kunstwerk gebe einen zusätzlichen Anlass, Frankfurt und diesen Ort gezielt aufzusuchen.
Die Frankfurter Arbeit ist Teil von Echelmans Earthtime-Serie. Das Netz steht sinnbildlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: Erst die Verbindung der Knoten schaffe Stabilität – ein Bild für Menschen aus 178 Nationen, für die Frankfurt Heimat ist. Die Künstlerin selbst lädt die Frankfurter:innen ein, sich den Raum zu eigen zu machen und ihn auf ihre ganz persönliche Weise zu nutzen.
Echelman schwärmt vom Erzeugermarkt, fordert aber auch auf, die Konsti zu besuchen, wenn hier nichts los sei. Sich anzuschauen, wie sich der Wind in dem Netz verfange, wie die Sonne Schatten werfe. „Das Werk lässt sich so frei erleben wie die Luft, die wir atmen, ganz ohne Eintrittskarte, Fachwissen oder Einladung.“ Wenn es dunkel wird, wird die Installation erleuchtet. Über QR-Codes, die vor Ort angebracht sind, könne man dann alle halbe Stunde passende Musik hören. Die Debatte um ihr Werk sei nicht neu, sondern ihr überall auf der Welt begegnet, sagt Echelman. Das passiere immer, wenn es um Investitionen in Kultur und Kunst gebe. Aber dass die Menschen diskutierten, sei ja auch Teil einer lebendigen Demokratie.
Yoga und Tanz unter den Netzen
Wie Echelmans Netzskulpturen in London, Sydney oder Vancouver bereits gezeigt hätten, inspirierten sie die Menschen dazu, sich den Ort anzueignen, heißt es von Seiten der Stadt. Dort seien unter den Netzen etwa spontane Yogagruppen, Trommelkreise oder Tanzperformances entstanden. Derartige Bespielungen seien auch in Frankfurt denkbar und erwünscht, es gebe bereits erste Gespräche und Überlegungen.

Die Skulptur
Das Kunstwerk „A Sky Full of Hope“ besteht aus einer tragenden, beweglichen Netzstruktur aus hochfesten Polymerfasern, wie sie auch in der Raumfahrttechnik eingesetzt werden.
Daran sind farbige, bis zu 4,5 Meter lange Netzsegmente befestigt, die in traditioneller Fischernetztechnik geknüpft wurden. Insgesamt wurden für das Werk rund 103 Kilometer Garn verarbeitet. tja