Frankreichs Rekordbrände Nach den Waldbränden beginnt der mühsame Wiederaufbau
Der Waldbrand in der Gironde war einer der schlimmsten in der französischen Geschichte. Nun starten die Aufräumarbeiten.
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31.08.2026, 13:33
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Der pensionierte Ingenieur Michel Robert fährt mit seinem ramponierten Geländewagen über eine aschige Sandpiste. Sein Seekiefernwald – Kiefern prägen die Region – bei der kleinen Gemeinde Le Temple wurde vom Brand hart getroffen.
Er zeigt aus dem Autofenster: Auf der einen Seite stehen verkohlte Seekiefern. Auf der anderen haben die Bäume das Feuer überstanden. Von Roberts rund 550 Hektar Wald sind etwa 400 verbrannt.
Bilder nach dem verheerenden Waldbrand
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Bild 1 von 3. Ein durch den Brand zerstörter Seekiefernwald bei Saint-Hélène.
Bildquelle: SRF/Zoe Geissler.
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Bild 2 von 3. Rund 40’000 Hektar Wald sind in der Gironde westlich von Bordeaux durch den Waldbrand verwüstet worden.
Bildquelle: SRF/Zoe Geissler.
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Bild 3 von 3. Ein Grossteil des Waldes in der Region ist in Privathand. Viele Waldbesitzer müssen entscheiden, wie sie ihren Wald wieder aufbauen.
Bildquelle: SRF/Zoe Geissler.
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Dabei hatte Roberts Grossvater schon vor Jahrzehnten Schutzmassnahmen gegen Feuer ergriffen und vorsorglich Brandschneisen angelegt. Robert hat sie weitergepflegt, obwohl dies gesetzlich nicht vorgeschrieben ist und einen wirtschaftlichen Verlust bedeutet.
Warum die Seekiefer für die Region so wichtig ist
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Der Wald in der Region besteht zu einem grossen Teil aus Seekiefern. Die Seekiefer ist heimisch und wurde ab dem 19. Jahrhundert grossflächig angepflanzt, um die damalige Sumpflandschaft trockenzulegen.
Die Seekiefer kommt im Gegensatz zu anderen Bäumen gut mit den Bedingungen der Böden und des Wetters zurecht. Gleichzeitig liefert sie eine grosse Menge an Holz. Darum ist sie wichtig für die regionale Forst- und Holzindustrie, an der Tausende Arbeitsplätze hängen.
Bruno Lafon, Bürgermeister von Biganos und Präsident der DFCI Aquitaine, einer Organisation aus Waldbesitzern für den Schutz vor Waldbränden, verteidigt die Forstwirtschaft. Er sieht aber Handlungsbedarf bei der Waldbewirtschaftung: «Wir sind gezwungen, Kiefern anzupflanzen, weil sie hier gut wachsen. Für den Schutz gegen Brände müssen wir unsere Wälder besser bewirtschaften, indem wir etwa an den Rändern Laubbäume pflanzen. Aber wir können hier unsere Industrie nicht auf Laubbäumen aufbauen. Das ginge zu lange und wäre zu kompliziert.»
An einigen Stellen hätten die Schneisen das Feuer aufgehalten, sagt der Waldbesitzer. Aber eben nicht überall: «An manchen Stellen hätten sie besser nützen können, wenn es auch die nötigen Mittel gegeben hätte, sie zu verteidigen», sagt er.
Neuer Wald, neue Einnahmen?
Nun müsse das geschädigte Holz schnell gefällt werden, auch wenn vielleicht nicht alle tot sind. Denn, erklärt er: «Sie sind so geschwächt, dass sie von Schädlingen gefressen werden.» Viel Geld wird Robert mit dem Holz wohl nicht verdienen. Gleichzeitig muss der Waldbesitzer für die Wiederaufforstung viel investieren. Bis zu 2000 Euro pro Hektar könnte es kosten, sagt er.
Nach dem Feuer: Welcher Wald soll zurückkommen?
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Nach den Bränden wird diskutiert, wie der Wald künftig aussehen soll. In der Kritik stehen vor allem die Kiefern-Monokulturen, die an die Bedürfnisse der Holzindustrie angepasst sind. Grosse, oft gleichförmige Bestände werden als besonders anfällig für Brände angesehen.
Christophe Plomion ist Forscher am nationalen Institut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt (Inrae) und beschäftigt sich mit der Anpassung von Wäldern an den Klimawandel. Er sieht das tieferliegende Problem, weshalb Brände solche Ausmasse erreichten, im Klimawandel.
Ein Mix aus Laubbäumen und Nadelbäumen sei wichtig für die Artenvielfalt, könne aber alleine keine Waldbrände verhindern, erklärt der Forscher. Auch Laubbäume seien unter trockenen Bedingungen anfällig für Waldbrände, weil ihre Blätter weniger Wasser enthielten als die Nadeln der Nadelbäume. Dafür würde ihre Blätterdecke für mehr Feuchtigkeit im Boden sorgen, so der Forscher.
Die Seekiefer komme im Gegensatz zu anderen Baumarten gut mit den nährstoffarmen, sandigen Böden und den extremen Wetterbedingungen der Region zurecht.
Plomion plädiert für einen Wald, der vielfältiger aufgebaut ist, damit er grundsätzlich resilienter wird: verschiedene Baumarten und allenfalls hybride Kiefern testen, die mehr Wasser speichern könnten. Auch soll der Wiederaufbau zeitlich gestaffelt werden, da junge Kiefern besonders anfällig für Waldbrände sind. Zudem sollen mehr Brandschneisen angelegt werden. «Es ist wichtig, geduldig zu sein», sagt Plomion.
Erste Einnahmen erwartet er erst viel später: «Frühestens in 15 bis 20 Jahren», so seine nüchterne Feststellung. Der Wald ist ein Erbe seiner Familie, das er an die nächste Generation weitergeben möchte: «Ich möchte wieder pflanzen», sagt er.
Michel Robert hat einen grossen Teil seines Waldes verloren. Die Bäume, die überlebt haben, könnten ihm beim Wiederaufbau helfen, meint er.
SRF/Zoe Geissler
Für Robert ist aber entscheidend: «Es hängt davon ab, wie viel Unterstützung wir bekommen. Es muss wirtschaftlich tragbar sein.»
Präsident Macron forderte bei seinem Besuch im Brandgebiet Ende Juli, es soll nun ein «anderer Wald» gepflanzt werden. Robert ist skeptisch: «Wir müssen den Wald nicht zu sehr anders denken.» Er hofft, dass es keine praxisfernen Vorschriften gibt.
Keystone/KENZO TRIBOUILLARD
Zudem wünscht er sich mehr Mittel von der Regierung, um Brände zu bekämpfen. Für die Menschen in der Region sei der Wald mehr als nur ein Wald, erklärt Robert: «Der Wald ist unser Lebensunterhaltl.»
Brandschneisen gegen die Ausbreitung des Feuers
Ein paar Kilometer weiter stehen Catherine und Stéphane Bligny vor einem anderen Problem. Ihr Haus und ihre rund vierzig Zuchtpferde blieben vom Feuer verschont. Sie mussten aber zusehen, wie Einsatzkräfte gesunde Pinien fällten.
«Als wir dachten, das Schlimmste sei überstanden, sahen wir morgens um sechs Uhr Maschinen, die unsere gesunden Seekiefern fällten», erzählt Stéphane Bligny. Die Bäume mussten einer Brandschneise weichen.
Catherine und Stéphane Bligny sind Eigentümer einer Seekiefernparzelle zwischen Saint-Hélène und Lacanau. Ein Teil ihrer Kiefern wurde zur Brandbekämpfung notfallmässig gerodet.
SRF/Zoe Geissler
Insgesamt fehlt heute rund ein Drittel ihrer insgesamt 20 Hektar. Das Paar stellt nicht grundsätzlich infrage, dass Bäume gefällt werden mussten. Es kritisiert aber, wie auf ihrem Grundstück vorgegangen wurde. Aus Sicht der Blignys sei teilweise mehr gerodet worden als nötig. Dazu kommt, dass sie nicht wissen, was aus dem Holz wurde.
«Es ging alles ganz schnell. Nichts wurde vermessen», sagt Stéphane Bligny. Ihr Holz sei nun vermischt mit anderem Holz.
Teilweise waren die gerodeten Kiefern auf dem Grundstück des Paares sehr alt. Sie dienten auch als Lärmschutz.
SRF/Zoe Geissler
Das Paar lebt nicht ausschliesslich vom Holzverkauf, es kann den wirtschaftlichen Verlust darum verkraften. Doch Catherine Bligny beschäftigt noch etwas anderes: Vom Haus aus hört sie nun den Verkehr der Hauptstrasse. Früher schirmte der Wald den Lärm ab.
Wie es mit den sechs Hektar weitergeht, wissen die beiden noch nicht. Klar ist für sie nur: Es sollen wieder Bäume wachsen.
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Rendez-vous, 31.8.2026, 12:30 Uhr;bitd;brus