Sachsen-Anhalt-Wahl: Gefälschte Umfrage zeigt AfD-Traumszenario – echte Zahlen erzählen eine andere Geschichte

„Frei erfunden“: Umfrage-Fake sorgt vor Wahl in Sachsen-Anhalt für Furore

Stand: 03.09.2026, 14:24 Uhr

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Die AfD als Wahlsiegerin, Grüne draußen, BSW drin – eine gefälschte Umfrage malt das AfD-Wunschbild. Doch echte Zahlen erzählen eine andere Geschichte.

Magdeburg – Selten wurde eine Landtagswahl derart mit Spannung erwartet wie die kommende in Sachsen-Anhalt. Am Sonntag (6. September) entscheidet sich, ob die AfD erstmals ein Bundesland regieren wird – doch dazu benötigt der gesichert rechtsextreme Landesverband die absolute Mehrheit. Denn sämtliche Parteien haben bereits eine Koalition ausgeschlossen.

Ein Wähler hat ein signiertes Plakat von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der Hand. Eine Fake-Umfrage malt ein Traumbild für den gesichert rechtsextremen Landesverband für die Wahl in Sachsen-Anhalt.

Ein Wähler hat ein signiertes Plakat von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der Hand. Eine Fake-Umfrage malt ein Traumbild für den gesichert rechtsextremen Landesverband für die Wahl in Sachsen-Anhalt. © Peter Gercke/dpa

Nun macht eine gefälschte Umfrage die Runde, in der die AfD nicht nur deutlich als Wahlsiegerin hervorgeht, sondern auch die restlichen Ergebnisse aus AfD-Sicht kaum besser sein könnten.

Angebliche Sachsen-Anhalt-Umfrage „ist frei erfunden“

Denn bei der AfD hofft man nicht nur auf ein möglichst starkes Ergebnis, sondern auch auf ein Scheitern der Grünen an der Fünf-Prozent-Hürde. Auch dem BSW dürfte man bei der AfD die Daumen drücken – erklärte Parteigründerin Wagenknecht die Brandmauer jüngst erst für „politischen Kindergarten“. Genau dieses AfD-Traumszenario präsentiert die Fake-Umfrage.

In Auftrag gegeben wurde die angebliche Umfrage laut Grafik von der Mitteldeutschen Zeitung. Hagen Eichler, Redakteur der Zeitung bezieht auf X jedoch prompt Stellung und nennt sie „frei erfunden“.

Jüngste Umfragen sehen keine absolute AfD-Mehrheit in Sachsen-Anhalt

Denn die ZDF-Umfrage vom Freitag (28. August) sieht keine absolute Mehrheit für die AfD. In der von der Forschungsgruppe Wahlen durchgeführten Erhebung kommt die AfD auf glatt 40 Prozent. Mit 23 Prozent folgt die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze. Die Linke wird bei 13 Prozent gesehen, gefolgt von der SPD mit neun Prozent und den Grünen mit sechs Prozent. Die FDP würde mit drei Prozent aus dem Magdeburger Landtag ausscheiden, während das BSW mit ebenfalls drei Prozent den Einzug in das Landesparlament verpassen würde. Befragt wurden von Dienstag bis Donnerstag 1053 Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt.

Auch eine Umfrage des Instituts Infratest dimap für die ARD hatte zuvor einen größeren Abstand von 20 Prozentpunkten zwischen der AfD von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und der CDU ergeben. Hier erreichten die AfD 42 Prozent und die CDU 22 Prozent. Auch im Landtag gesehen wurden die Linke mit elf Prozent, die SPD mit acht Prozent und die Grünen mit sechs Prozent, FDP und BSW nicht.

Auch das rechtspopulistische Medium NIUS ließ eine Umfrage zur Wahl in Sachsen-Anhalt durchführen, in der die AfD auf 43 Prozent und die Grünen auf 5 Prozent kommen. Allerdings bekennt sich NIUS nicht zum Pressekodex und unterliegt damit weder der freiwilligen journalistischen Selbstkontrolle durch den Deutschen Presserat noch der Programmkontrolle durch die Rundfunkräte.

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Innenministerium warnt vor Desinformationskampagnen

Vor Bundes- und Landtagswahlen nehmen Desinformationskampagnen für gewöhnlich zu. In Mecklenburg-Vorpommern, wo am 20. September gewählt wird, mahnte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zu erhöhter Wachsamkeit. Wichtig sei „zuallererst, dass darüber berichtet wird, dass die Menschen wissen, dass es so etwas gibt“, sagte Schwesig im Nachrichtensender Welt TV. Entsprechende Aktivitäten würden von Sicherheitsbehörden „geprüft“.

Das Bundesinnenministerium verwies auf die sogenannte Matrjoschka-Kampagne, mit der offenbar auch der Ausgang der Landtagswahlen beeinflusst werden soll. Dabei veröffentlichen verschiedene Nutzer Kurzvideos in englischer Sprache auf Social-Media-Plattformen – „und die beziehen sich auf die demnächst stattfindenden Landtagswahlen“, sagte ein Ministeriumssprecher. Hinter einigen solcher Aktionen wird Russland vermutet.

Schon im Juli berichtete die Zeit von einer Fake-News-Kampagne zur Sachsen-Anhalt-Wahl über Kandidaten von Grünen, CDU, Linkspartei und SPD. Dabei würden Logos bekannter Medienmarken wie Süddeutsche Zeitung, FAZ, SpiegelTV oder Zeit missbraucht, um glaubwürdiger zu wirken. (Quellen: X, Mitteldeutsche Zeitung, AFP, Zeit) (nak)