Frühstart-Rente: Wie aus 10 Euro vom Staat 53.000 Euro werden sollen

Stand: 16.09.2026, 13:33 Uhr

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Der Staat will jedem Kind ab sechs Jahren 10 Euro im Monat in ein Vorsorgedepot zahlen, doch die versprochenen 53.000 Euro beruhen auf optimistischen Annahmen.

53.000 Euro: So viel Geld soll laut Bundesregierung bis zur Rente aus einem staatlichen Zuschuss von 10 Euro im Monat werden. Die Frühstart-Rente soll jedem Kind ab sechs Jahren ein eigenes Vorsorgedepot verschaffen. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf am 12. August 2026 beschlossen, jetzt berät der Bundestag.

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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit €uro-Finanzwissen

Klingt nach einem Geschenk für jede Familie. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber: Die große Zahl beruht auf optimistischen Annahmen, und nicht jedes Kind bekommt etwas.

Ein Informationsbrief der Deutschen Rentenversicherung

Die Frühstart-Rente startet 2027 nur für Sechsjährige. © IMAGO/BODE

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Staat zahlt 10 Euro pro Monat in ein Altersvorsorgedepot, vom 6. bis zum 18. Geburtstag. Das sind insgesamt 1.440 Euro.
  • Den Anfang macht der Geburtsjahrgang 2020, rückwirkend ab 1. Januar 2026. Jedes Jahr kommt der nächste Jahrgang dazu.
  • Die 53.000 Euro zum 65. Geburtstag setzen 7 Prozent Rendite pro Jahr voraus und berücksichtigen weder Inflation noch Steuern.
  • Ausgezahlt wird grundsätzlich erst ab 65. Für Führerschein oder Studium ist das Geld nicht gedacht.
  • Eltern dürfen bis zu 6.840 Euro im Jahr dazu einzahlen, die Erträge bleiben bis zur Auszahlung steuerfrei.

So funktioniert die Frühstart-Rente

Das Prinzip ist einfach: Für jedes Kind zwischen 6 und 18 Jahren überweist der Staat monatlich 10 Euro in ein kapitalgedecktes Depot. Eltern können dafür selbst einen Anbieter wählen. Zertifizierte Verträge dürfen bis zum 18. Geburtstag höchstens 1 Prozent Effektivkosten verlangen, Abschluss- und Vertriebskosten sind ausgeschlossen.

Eröffnen die Eltern kein Depot, geht das Geld nicht verloren. Dann legt der Bund die Beiträge gesammelt am Kapitalmarkt an, verwaltet von der Deutschen Bundesbank. Laut Bundestag soll dieser Sammeltopf ab 2028 greifen. Mit dem 18. Geburtstag geht das Depot nahtlos in das neue Altersvorsorgedepot über, das ab 2027 die Riester-Rente ablöst.

Die Förderung startet schrittweise. Zuerst ist der Jahrgang 2020 dran, dessen Kinder 2026 sechs Jahre alt werden. Die ersten Zahlungen sollen 2027 fließen, rückwirkend für 2026. Wer ältere Kinder hat, kann zwar ebenfalls einen solchen Vertrag abschließen, bekommt aber keine staatlichen 10 Euro.

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Die Rechnung: Was aus 10 Euro wirklich wird

Das Bundesfinanzministerium rechnet so: 1.440 Euro Einzahlung wachsen bei 7 Prozent Rendite bis zum 18. Geburtstag auf rund 2.200 Euro. Bleibt das Geld bis 65 liegen, sollen daraus etwa 53.000 Euro werden. Zahlen die Eltern zusätzlich 10 Euro im Monat ein, kommt das Ministerium auf rund 107.000 Euro, bei 50 Euro Eigenanteil auf etwa 320.000 Euro.

Rechnerisch stimmt das. Die Zahlen haben aber zwei Haken. Erstens sind 7 Prozent pro Jahr über fast 60 Jahre eine sportliche Annahme, auch wenn ein weltweit gestreutes Aktiendepot das historisch geschafft hat. Zweitens ist die Inflation nicht eingerechnet. Bei durchschnittlich 2 Prozent Teuerung entsprechen 53.000 Euro in 59 Jahren nur noch einer heutigen Kaufkraft von rund 16.500 Euro.

Den größten Hebel haben deshalb die Eltern selbst. Wer das Depot früh mit eigenen Beträgen bespart, profitiert vom Zinseszins deutlich stärker als von den staatlichen 10 Euro. Wie ein ETF-Sparplan für Kinder funktioniert, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Frühstart-Rente oder eigenes Kinderdepot?

Die Frühstart-Rente ersetzt kein klassisches Kinderdepot, denn beide verfolgen unterschiedliche Ziele:

  • Frühstart-Rente: Staatliches Geld geschenkt, steuerfreie Erträge, begrenzte Kosten. Dafür ist das Kapital bis 65 gebunden.
  • Eigenes Kinderdepot: Kein Zuschuss, aber volle Flexibilität. Das Geld steht zum 18. Geburtstag für Ausbildung, Studium oder die erste Wohnung bereit.

Für viele Familien ist eine Kombination sinnvoll: die staatlichen 10 Euro mitnehmen und daneben ein freies Depot für die Zeit nach dem Schulabschluss aufbauen. Welche Möglichkeiten es sonst gibt, vom Tagesgeld bis zum Bausparvertrag, zeigt unser Überblick zum Sparen für Kinder.

Fazit: Ein guter Anfang, mehr nicht

Die Frühstart-Rente ist ein sinnvoller Schritt. Sie bringt Kinder früh mit dem Kapitalmarkt in Berührung, und die Kostenbremse von 1 Prozent schützt vor teuren Produkten. Die 53.000 Euro sind aber ein Werbeversprechen unter Idealbedingungen. Real bleiben aus der staatlichen Förderung allein eher gut 16.000 Euro heutiger Kaufkraft übrig.

Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet, Details können sich im Bundestag ändern. Eltern von Kindern des Jahrgangs 2020 sollten die Beratungen aber verfolgen und sich schon jetzt überlegen, ob sie selbst einen Anbieter wählen oder das Geld zunächst im staatlichen Sammeltopf lassen.

Stand der Angaben: 16. September 2026. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Renditeannahmen stammen vom Bundesfinanzministerium und sind nicht garantiert. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.