Fünf Minuten, die in Kloten ZH ein Leben retteten
Lokführer wird nach «spezieller Anfrage» zum Igel-Retter
Es muss ein nervenaufreibender Halt gewesen sein: Ein SBB-Lokführer stoppte in der Nacht auf Samstag seinen Güterzug am Bahnhof Kloten ZH, um einen verirrten Igel zu retten. Mit Handschuhen trug er das Tier in ein sicheres Gebüsch. Mission Igelrettung: erfolgreich!
Publiziert: 18:11 Uhr
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Ein SBB-Lokführer rettete in Kloten ZH nachts einen verirrten Igel.
- Der Zug hielt dank Betriebszentrale fünf Minuten für die Rettungsaktion
- In 30 Jahren Berufserfahrung erlebte der Lokführer so etwas noch nie
Dieser Anblick erwärmt das Herz: Ein Lokführer der SBB hielt seinen Güterzug in der Nacht auf Samstag am Bahnhof Kloten ZH an, um einem kleinen Igel das Leben zu retten. Ein Video des Vorfalls ging viral und löste unzählige Reaktionen aus. Im Gespräch mit Blick erklärt der 55-Jährige, wie es zu dieser aussergewöhnlichen Begegnung kam.
Der Lokführer war gerade auf dem Weg in Richtung Winterthur, als er eine Nachricht erhielt: «Gegen 2.45 Uhr meldete sich die Betriebsleitzentrale bei mir. Der Fahrdienstleiter erklärte, er hätte eine spezielle Anfrage für mich.»
Ausserordentlicher Halt mitten in der Nacht
Im ersten Moment habe er sich gefragt, was da nun wohl kommen würde. Die Auflösung folgte sogleich: «Ein anderer Lokführer hatte zuvor auf dem Perron in Kloten einen verirrten Igel entdeckt und das gemeldet. Der Fahrdienstleiter erkundigte sich vorsichtig bei mir, ob ein ausserordentlicher Zwischenhalt möglich und ich bereit wäre, das Tier zu retten.»
Der Lokführer war sofort begeistert von der Aktion. «Für mich war klar, dass ich das mache und der Fahrdienstleister sah, dass ich ohnehin fünf Minuten Spatzig habe.»
Da es hiess, dass das Tier sich in der Mitte des Perrons befindet, bremste er seinen Zug möglichst nahe an der Stelle ab. «Ich stieg aus und sah den Igel erstmal nicht. Ich wollte schon zurückgehen und der Zentrale melden, dass das Tier nicht mehr dort ist.» Als er aber in seinen Führerstand zurückkehrte, sah er das kleine Wesen doch noch.
«Es löst Glücksgefühle aus»
Mit Arbeitshandschuhen ausgerüstet ging er zum Igel. «Er lief nervös hin und her und quietschte. Ich nahm ihn vorsichtig und lief zu einem sicheren Bereich.» Bei einer Böschung mit hohem Gras und Büschen setzte er das Tier schliesslich aus. «Das löst definitiv Glücksgefühle aus.»
Solche Rettungsaktionen sind eine Ausnahme. Wäre es tagsüber zu einer solchen Sichtung gekommen, wäre eine Rettung wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Am Tag rollen die SBB-Züge im Minutentakt durch die Bahnhöfe. Ein spontaner Stopp von fünf Minuten würde zu Blockaden und Verspätungen führen. Allgemein gilt: Ob ein ausserordentlicher Halt oder eine Intervention möglich ist, hängt immer von der jeweiligen Betriebssituation ab und erfolgt sicherheitskonform.
«In diesem Fall hat aber alles zusammengepasst», fasst der Lokführer zusammen. «Die Zeit, die Menschen, die Umstände.»
Bei Kollegen als Igel-Retter bekannt
Die Rettung verdankt der 55-Jährige auch der Koordination durch die Betriebszentrale. «Sie informierten mich, dass das Signal vor dem Bahnhof für fünf Minuten auf Rot stehen würde.» Nach der Rettung sei er zurück in den Führerstand gegangen und habe seinen Kollegen gemeldet: «Mission Igelrettung erfüllt.»
Obwohl er in der Nacht häufiger nachtaktive Wildtiere wie Rehe und Füchse beobachtet, hat der Mann eine so spezielle Anfrage noch nicht erhalten. «In meinen 30 Jahren als Lokführer ist mir das noch nie passiert.» Aus seinem Umfeld kamen durchweg positive Reaktionen. Auch von seinen Berufskollegen wurde er auf den Vorfall angesprochen. «Sie nennen mich schon den Igel-Retter.»