Bekannt durch ihre Frage an Angela Merkel: Junge Frau mit Down-Syndrom kämpft für Inklusion – auf Instagram

Stand: 26.08.2026, 21:03 Uhr

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Natalie Dedreux kämpft in sozialen Medien für Inklusion. Die 23-Jährige hat das Downsyndrom und sagt sie könne nicht viel mitreden – „aber online hören mir 16.000 Menschen zu.“

Köln – Natalie Dedreux ist politische Aktivistin für Inklusion. Die 23-Jährige hat Trisomie 21. „Das Down-Syndrom ist cool“, sagt sie. Deshalb möchte sie nicht, dass Krankenkassen Tests auf die Chromosomenanomalie in der Schwangerschaft bezahlen – weil sich viele Frauen dann für eine Abtreibung entscheiden. „Das Down-Syndrom ist keine Krankheit“, sagt sie. „Viele Menschen haben Angst vor uns. Das verstehe ich nicht. Ich glaube, das liegt daran, dass sie uns nicht richtig kennen“, sagt Natalie Dedreux. Darum kämpft sie jeden Tag dafür, dass Menschen mit Down-Syndrom nicht schon im Mutterleib aussortiert werden. „Man kann sich das einfach zutrauen“, sagt Natalie. „Wir sind gute Menschen.“

Natalie Dedreux am Mikrofon – hier bei einer Lesung des Magazins „Ohrenkuss“ im Berliner Futurium.

Natalie Dedreux am Mikrofon – hier bei einer Lesung des Magazins „Ohrenkuss“ im Berliner Futurium. (Archivbild) © Annette Riedl/picture alliance/dpa

Politisch aktiv ist Natalie hauptsächlich über Instagram und Facebook. Sie informiert sich, sie schreibt selbst Texte, eine Assistentin hilft ihr, die online zu stellen. Dedreux lebt in einer WG mit Menschen mit und ohne Down-Syndrom. Angestellt ist sie bei der Lebenshilfe. Sie arbeitet auf einem Außenarbeitsplatz und kann sich dort ihrer politischen Aktivität widmen. Das macht sie glücklich. „In der Gesellschaft kann ich nicht so viel mitreden. Aber online hören mir 16.000 Menschen zu“, sagt sie stolz. Die nennt sie ihre „Fans“. So viele haben ihre Petition gegen einen krankenkassenfinanzierten Down-Syndrom-Test in der Schwangerschaft unterschrieben.

Inklusive Schule hat politisches Interesse ermöglicht

Dass Natalie überhaupt politisch aktiv geworden ist, habe sie dem Besuch einer Gesamtschule in Köln zu verdanken, sagt ihre Mutter Michaela Dedreux. „Sie konnte ihr politisches Interesse nur wecken, weil sie inklusiv beschult wurde. In einer Förderschule hätte sie keinen Politikunterricht bekommen und ihre Meinungen gar nicht entwickeln können“, sagt sie.

In der zehnten Klasse habe Natalie die Ankunft vieler geflüchteter Menschen in Deutschland stark bewegt, „da hat sie begonnen, die Politik von Angela Merkel zu verfolgen“, erinnert sich Michaela Dedreux. Ein Jahr später begann Natalie, beim Ohrenkuss, einem Magazin für Menschen mit Down-Syndrom, mitzuarbeiten. Im Wahlkampf 2017 durfte sie der damaligen Kanzlerin in der ARD-Wahlarena persönlich die Frage stellen, wie sie zu Spätabbrüchen in der Schwangerschaft bei Downsyndrom steht. Damit wurde sie über Nacht bekannt. „Es gab damals nicht so viele Menschen mit Down-Syndrom, die in der Öffentlichkeit standen“, sagt Michaela Dedreux. Mittlerweile hat ihre Tochter Natalie mit ihrem politischen Engagement schon Preise gewonnen.

Natalie Dedreux 2018 bei einer weiteren Begegnung mit der damaligen Kanzlerin Angela Merkel.

Natalie Dedreux 2018 bei einer weiteren Begegnung mit der damaligen Kanzlerin Angela Merkel. © Oliver Berg/picture alliance/dpa

Die sozialen Medien sind ein wichtiges Kommunikationsmittel für Natalie. „Sie hat es als Außenseiterin ohnehin schwer genug, am System teilzuhaben“, sagt ihre Mutter. „Das Internet hat ihre Teilhabe enorm verstärkt. Es gibt ihr ein großes Maß an Selbstbestimmtheit und Selbstständigkeit“.

Natalie hatte ihr erstes Smartphone mit 15 und hält auch die angestrebte Altersbegrenzung Soziale Medien für Kinder für sinnvoll. „Ich finde, Kinder dürfen ein Smartphone haben, wenn sie 14 Jahre alt sind, weil es auch gefährlich ist“, sagt sie. „Aber für uns ist es wichtig, sich mit anderen auszutauschen“, sagt sie.

Natalie postet täglich, die engagiert sich für einfache Sprache bei Behörden, in den Nachrichten und im Internet und kämpft für die Rechte von Menschen mit Down-Syndrom. „Es ist traurig, dass es nur noch so wenig Menschen mit Down-Syndrom auf der Welt gibt. Dann habe ich keine Freunde mehr. Es ist schade, wenn wir nicht da sind. Darum muss sich dringend etwas ändern. Die Politik muss darüber sprechen und das diskutieren. Das ist sehr wichtig“, sagt sie. Für sie sind die sozialen Medien ihr Sprachrohr, um Gehör zu finden. (Quelle: Interview mit Natalie und Michaela Dedreux)