Gabriela und Patrick Magyar aus dem Kanton Zug leben in der Toscana
Schweizer Paar lebt seinen Traum in der Toscana
Gabriela (61) und Patrick Magyar (63) leben seit 2019 in der Toscana. In einer historischen Villa bei Arezzo aus dem 18. Jahrhundert ist das Ehepaar aus Zug jetzt zuhause.
Publiziert: 17:36 Uhr
Darum gehts
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- Schweizer Ehepaar lebt seit 2019 in der Toscana in der historischen Villa Cardeto,
- Quereinsteiger Gabriela und Patrick Magyar sind Gastgeber und Besitzer der Villa Cardeto und haben sich damit einen Traum erfüllt.
- Mit Investitionen und Renovationen beliefen sich die Kosten für das Anwesen mit rund 24'000 Quadratmetern Land bei Arezzo auf etwa 3 Millionen Franken.
Corine Turrini FluryRedaktorin Wohnen
«Wenn wir am Morgen aufstehen und aus dem Fenster über die wunderschöne hügelige Landschaft schauen, dann ist das einfach traumhaft. Es ist ein Privileg hier zu leben», schwärmt Gabriela Magyar von ihrer neuen Heimat und dem Leben in der Toscana. Seit März 2019 lebt das Ehepaar Magyar aus dem Kanton Zug, in der Villa Cardeto, etwas ausserhalb von Anghiari in der Provinz Arezzo. Etwa 5500 Einwohner zählt das Städtchen Anghiari mit den mittelalterlichen Gebäuden in der Altstadt und den schmalen Gässchen. «Es ist ein authentischer italienischer Ort, ohne Massentourismus und anständigen Preisen in den Restaurants mit lokalen Spezialitäten und bietet auch kulturell einiges», sagt Patrick Magyar. Nach Florenz oder zum Meer dauert die Fahrt mit dem Auto rund eine Stunde.
Vorbesitzer aus der Schweiz
Es ist kein Zufall, dass das Ehepaar im Tibertal in der Toscana sein Glück in diesem Traumhaus auf einer Anhöhe unterhalb von Anghiari fand. Schon seit Jahren haben Magyars in der Villa Cardeto regelmässig Ferien verbracht. «Die vormaligen Besitzer waren schon aus der Schweiz. Wir kannten uns aus dem Sport und waren befreundet», sagt Patrick Magyar, der unter anderem über Jahre Direktor von Weltklasse Zürich, General Manager von Alinghi, sowie langjähriger CEO der Fifa Marketing AG war, bevor er als selbständiger Berater eine eigene Firma gründete.
Bei einem gemeinsamen Nachtessen mit dem damaligen Besitzer der Villa in den Ferien 2016, ging es unter anderem um die Nachfolgeregelung der Villa Cardeto. Das war der Anfang, dass Gabriela und Patrick Magyar sich ernsthaft mit dem Gedanken einer Auswanderung nach Italien befassten. «Wir haben uns schon lang in diesen speziellen Ort verliebt. Dieses Paradies wurde uns quasi zugetragen und uns reizte es, mit Mitte 50 nochmals etwas ganz anderes starten», sagt Patrick Magyar. So wurden die beiden Quereinsteiger neu Gastgeber des Bed and Breakfast mit sieben Wohneinheiten und die neuen Besitzer der historischen Villa Cardeto mit 24’000 Quadratmeter Land. Die Ursprünge der Villa Cardeto reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Damals befand sich auf dem Hügel eine kleine Einsiedelei, die von Laienbrüdern bewohnt wurde. Dank ihrer privilegierten Lage mit weitem Blick über das Tal entwickelte sich der Ort später zu einem Aussenposten der nahe gelegenen Burg Sorci. Die Fundamente des heutigen Turms stammen aus dieser Zeit. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Gebäude stetig erweitert. Im 18. Jahrhundert beherbergte der Komplex eine Wollkämmerei zur Verarbeitung von Schafwolle. Diese Tätigkeit gab dem Anwesen seinen Namen: Villa Cardeto. Umfangreiche Renovierungsarbeiten wurden zwischen 1975 und 1985 durch den Industriellen Bruno Mangoni aus Anghiari durchgeführt und haben das Anwesen in seiner heutigen Form sichtbar geprägt.
Umbauarbeiten und Investitionen in der Villa
Bis zum Umzug und dem Start der Ferienvermietung im März 2019, haben die Vorgänger der Magyars noch einiges an Umbauarbeiten in Absprache mit den Magyars geplant und realisiert, wie beispielsweise einen Wintergarten. «Wir haben noch einiges investiert und erneuert, was gar nicht alles sichtbar ist, wie das neue Dach und die Pellet-Heizung. Zudem liessen wir die Fassade neu streichen und haben den Pool erneuert», so der Ehemann. Und was dem Ehepaar ganz wichtig war: Alle alten Matratzen wurden als erstes durch Neue ersetzt. Da zeigt sich die Sporterfahrung von Patrick Magyar wieder, dem bewusst ist, wie wichtig guter Schlaf und Regeneration ist. «Mein Ruhepuls verlangsamt sich hier um vier bis sechs Schläge.» Zeit für Renovationen hatten Magyars an ihrem neuen Wohnort genug, denn fast zwei Jahren während der Corona-Pandemie hatten sie kaum Gäste. Was kleinere handwerkliche Arbeiten waren, hat Gabriela Magyar übernommen, für alles andere wie Strom-, Sanitär- oder Dacharabeiten wurden lokale Handwerker beigezogen. «Handwerkliches liegt mir etwas mehr als Patrick. Zudem habe ich einiges von den Arbeitern gelernt und wurde unterstützt», sagt die Fachfrau aus dem Gesundheitsbereich.
Reichlich Arbeit in Haus und Garten
Nur «Dolce far niente» ist das neue Leben im Süden aber nicht für das Ehepaar. Um halb sieben klingelt der Wecker bei den Magyars. Die Villa mit den Nebengebäuden, dem grossen Garten mit Blumen, Gemüse wie Tomaten, Zuchetti, Bohnen, Kräutern und den Olivenbäumen, sowie den elf Hühnern bringt reichlich Arbeit mit sich. Das ist vor allem der Bereich von Gabriela. «Gabriela ist die Geschäftsführerin und Chefin hier. Ich serviere ihr dafür jeden Morgen den Cappuccino ans Bett», sagt der Ehemann lachend. Er kümmert sich vorwiegend um die Buchungen und Anfragen. «Für alles Administrative ist Patrick zuständig. Das liegt ihm mehr als mir», sagt Gabriela Magyar. Sie übernimmt zudem die Reinigung der Gästeunterkünfte und bereitet das Frühstück für die Gäste vor, bis hin zum Brotbacken. «Ich habe immer gern gebacken und gekocht. Ich musste mich nur an die grösseren Mengen gewöhnen und das Brotrezept ist ein Vermächtnis meiner Vorgängerin», sagt sie. Ein Allrounder aus dem Ort unterstützt das Ehepaar bei Bedarf in Haus und Garten. Bei Engpässen in der Hochsaison hilft eine Mitarbeiterin aus der Gegend bei der Endreinigung der Zimmer mit. Magyars pflegen zudem gute und einige freundschaftliche Kontakte in der Region, bis hin zu den Handwerkern: «Das ist wichtig. Mit Wasser und Strom kann es immer mal wieder Probleme geben. Wir sind daher froh, dass wir verlässliche und kompetente Personen zur Hand haben», so der Ehemann.
Integration als Fremde und neue Freundschaften
Das Ehepaar ist gesellig und besucht gerne eines der zahlreichen Restaurants oder lokale Veranstaltungen, wie die alljährlichen Freiluft-Konzerte auf den Plätzen von Anghiari, und hat Freundschaften geschlossen. «Unsere Oliven verarbeitet eine Freundin aus der Gegend zu Olivenöl», sagt Gabriela Magyar. Auch kennen die Schweizer einige der Weinproduzenten in der Region und organisieren Wein-Tastings für Gäste. Das Ehepaar ist sich einig, dass man sich als Fremde integrieren und sich um Kontakt mit den Einheimischen bemühen sollte. «Wir fühlen uns seit dem ersten Tag hier wohl und heimisch und vermissen nichts», sagt Patrick Magyar. Etwas mühsam sei einzig teilweise die Bürokratie, aber auch das sei im Vergleich zu anderen Regionen in Italien gut, genauso wie das Gesundheitssystem und die medizinische Versorgung. Er weiss, wovon er spricht. Magyar musste wegen Herzproblemen einen operativen Eingriff vornehmen lassen. «Dafür muss ich nicht in die Schweiz. Wir haben in der Region gute Universitätskliniken und Ärzte.»
Rückkehr in die Schweiz nicht vorstellbar
Im Winter, wenn ihr Betrieb geschlossen ist, fährt das Paar dennoch regelmässig in die Schweiz – auch um die Söhne zu besuchen. Gabriela Magyar arbeitet dann jeweils wieder für einige Monate in der Krankenpflege. Patrick Magyar ist auch im Winter vorwiegend in der Toscana und hütet Haus und Hühner. «Wir arbeiten beide gern und in der Toscana konnten wir als Gastgeber in der Villa Cardeto unser Hobby zum Beruf machen», sagt Patrick Magyar. Dem stimmt Gabriela Magyar zu und ergänzt: «Eine Rückkehr in die Schweiz kann ich mir nicht vorstellen. Für uns hat sich an diesem wunderbaren Ort ein Traum erfüllt.»
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