Galeria unterschreitet Mindestgrenze nach Gehaltszahlung – 33 Filialen auf der Kippe
Stand: 01.10.2026, 19:23 Uhr
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Galeria steckt in einer neuen Liquiditätskrise – und das, obwohl der Rettungskredit erst wenige Monate alt ist. Jetzt drohen Filialschließungen.
München – Dienstagabend, kurz vor Monatsende: Während in den 83 Galeria-Warenhäusern quer durch Deutschland die letzten Kunden die Rolltreppen hinunterfahren, sitzen die Gesellschafter der Warenhauskette mit Vertretern von Gordon Brothers zusammen. Es geht ums Geld – mal wieder. Und diesmal brennt es lichterloh.
Dabei hatte Galeria erst im Juni 2026 einen Rettungskredit erhalten, der den sofortigen Absturz verhinderte. Doch das Geld ist offenbar schon wieder weg. Laut WirtschaftsWoche verhandelt die Kette hinter verschlossenen Türen über eine neue Finanzspritze – während draußen in vielen Filialen die Regale Lücken zeigen.
Galeria-Rettungskredit: Geld floss sofort wieder ab
Erst am 25. Juni 2026 hatte Galeria in letzter Sekunde eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers erhalten – abgesichert durch die eigene Ware in den Häusern, wie der Tagesspiegel berichtete. Gordon Brothers ist auf genau solche Fälle spezialisiert: Wenn Banken längst abgewinkt haben, springen die Amerikaner ein. Zunächst flossen davon rund 130 Millionen Euro, so die WirtschaftsWoche. Co-Eigentümer Bernd Beetz hatte damals erklärt: „Wir haben jetzt den kurzfristigen Fortbestand gesichert, aber wir wollen auch eine langfristige und belastbare Zukunftsperspektive schaffen.“
Doch von Zukunftsperspektive ist wenig übrig geblieben. Ein Großteil des Geldes floss sofort wieder ab: Rund 80 Millionen Euro mussten laut Tagesspiegel zunächst für die Ablösung eines bestehenden Kredits des Minderheitsgesellschafters Bain Capital aufgewendet werden. Dazu kamen ausstehende Verbindlichkeiten bei Vermietern. Galeria ging damit mit überschaubaren Rücklagen in die umsatzschwachen Sommermonate – und das rächt sich jetzt.
Liquiditätskrise bei Galeria: Mindestgrenze nach Gehaltszahlung unterschritten
Laut WirtschaftsWoche verfügte Galeria nach der Auszahlung der September-Gehälter nicht mehr über ausreichend Liquidität. Laut einer Vereinbarung mit den Warenkreditversicherern muss die Kette stets mindestens 20 Millionen Euro vorhalten – diese Grenze soll nach der Gehaltszahlung unterschritten worden sein. Eine Galeria-Sprecherin bestätigte gegenüber der WirtschaftsWoche lediglich: „Die Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden fristgerecht ausgezahlt.“ Zu weiteren fälligen Zahlungen äußerte sie sich nicht.
Galeria: Das ist der Warenhaus-Riese aus Düsseldorf
Vollständiger Name: GALERIA S.à r.l. & Co. KG
Sitz: Völklinger Straße 4, 40219 Düsseldorf
Handelsregister: AG Düsseldorf, HRA 28440
Geschäftsführer: Tilo Hellenbock, Norman Krotten
Filialen: 83
Gründung (Vorläufer): 1879
Entstehung: Fusion von Karstadt und Kaufhof, ab März 2019 unter gemeinsamem Namen; rechtliche Verschmelzung Januar 2020
Mitarbeiter: rund 12.000 (laut Tagesspiegel/dpa)
Monatliche Online-Nutzer: ca. 1,16 Millionen
(Quellen: Tagesspiegel, dpa, offizielle Galeria-Seite)
Dass die Gespräche mit Gordon Brothers erst so spät aufgenommen wurden, verwundert Insider: Einen Liquiditätsengpass habe man absehen können. Ob die Amerikaner erneut einspringen, ist offen – die Verhandlungen könnten sich noch mehrere Tage hinziehen. Eine Ablehnung durch Gordon Brothers dementiert die Galeria-Sprecherin gegenüber der WirtschaftsWoche ausdrücklich.
Dabei zeichnen sich für das Geschäftsjahr 2025/26 laut internen Zahlen, über die die WirtschaftsWoche berichtet, deutliche Rückgänge ab – rund zehn Prozent weniger Umsatz und mehr als zwölf Prozent weniger Rohertrag im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Restrukturierungsberater von AlixPartners, die Galeria noch im Sommer eine positive Prognose ausgestellt hatten, dürften die Geschwindigkeit des Liquiditätsabflusses unterschätzt haben. Galeria beschäftigt rund 12.000 Menschen an 83 Standorten in Deutschland – 33 davon stehen laut WirtschaftsWoche auf der Kippe. (Quellen: WirtschaftsWoche, Tagesspiegel) (cgsc)