Nicht alles, vielleicht sogar nur weniges zeugt von großem künstlerischem Können, und dennoch präsentiert diese Galerie eine famose Bilderschau. Hunderte Crews aus aller Welt haben phantasievolle Malereien mit den Namen ihrer Segelboote auf die Hafenmauer gepinselt und auf diese Art ein kollektives Gesamtkunstwerk geschaffen. Die Marina von Horta auf der Azoreninsel Faial ist seit Langem der beliebteste Zwischenstopp der Segler auf ihrem Weg von Europa in die Karibik und zurück. Hier treffen sich Millionäre mit ihren Luxusyachten, Einhandsegler auf Transatlantikkurs und Aussteiger auf dem Weg rund um die Welt. Am Abend versammeln sich alle am Ufer im legendären Peter Café Sport, schon 1918 gegründet und bis heute eine Institution. Anfangs kehrten dort die Walfänger ein, die in Horta einen Versorgungshafen errichtet hatten, und später kamen die Mitarbeiter zahlreicher Telegraphieunternehmen, die über Faial ihre interkontinentalen Kabelstränge verlegten und überwachten. Zwischen den Weltkriegen diente die Bucht von Horta als bevorzugtes Ziel für Zwischenlandungen von Flugbooten auf der Route zwischen Amerika und Europa.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich wurde die Marina zum Treffpunkt von Seglern und Weltenbummlern, die sich hier ausruhten und ihre Schiffe reparierten, aber auch Nachrichten und Päckchen für befreundete Crews hinterließen. Irgendwann hat dann ein inspirierter Seemann mit einem Bildchen von seinem Boot die tristen Betonmauern zu buntem Leben erweckt. Weil Seemannsgarn auf den Weltmeeren nach wie vor in Mode ist, entstand der Glaube, dass sich jede Crew kreativ in diese Chronik eintragen müsse, um heil an ihr nächstes Ziel zu kommen. So ist mit der Zeit die monumentale Freiluftgalerie entstanden, hinter der sich bis zum Horizont der weite Atlantik erstreckt. Jahr für Jahr tauchen neue Bilder auf, während andere durch Wind und Regen verblassen – eine Sammlung naiver Kunstwerke und zugleich ein ständig aktualisiertes Geschichtsbuch der Segelschifffahrt über den Atlantik.