Stand: 31.07.2026, 07:00 Uhr
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Viele Menschen fürchten Wildgänse im Park als Krankheitsrisiko. Ein Nabu-Experte hält das für klar widerlegt. Ausgerechnet Haustiere rücken dabei in den Fokus.
Dortmund – Sie stehen mitten auf dem Weg, zischen bei zu viel Nähe und hinterlassen ihre Spuren auf jeder Liegewiese: Wildgänse haben in vielen NRW-Städten keinen guten Ruf. Doch wie berechtigt ist die Sorge vor den Tieren wirklich? Ein Nabu-Experte und mehrere Stadtverwaltungen ordnen gegenüber wa.de die gängigsten Mythen ein.

Wildgänse sind gefährlich für Menschen: Kaum ein Vorurteil hält sich so hartnäckig wie dieses – und kaum eines lässt sich so klar widerlegen. „Die Gänse ernähren sich rein pflanzlich und auch der Kot ist es. Jeder Hund und jede Katze ist gefährlicher, was die Übertragung von Krankheiten angeht“, sagt Dr. Erich Kretschmar, Vogelexperte beim Nabu Dortmund, im Gespräch mit unserer Redaktion.
Wildgänse in NRW: Nabu-Experte räumt mit Mythen auf
Das eigene Haustier stellt demnach ein größeres gesundheitliches Risiko dar als die Gans am Wegesrand. Wer also Angst vor einer Begegnung mit den Wasservögeln hat, sollte diese Sorge eher zweimal beim eigenen Hund oder der eigenen Katze bedenken als bei der Gans im Park.
Gänse greifen Menschen und andere Vögel an: Auch bei der vermeintlichen Aggressivität gibt Kretschmar Entwarnung – zumindest größtenteils: „Wildgänse sind nicht aggressiv gegenüber anderen Vögeln. Am Brutplatz gilt allerdings das Gesetz des Stärkeren.“ Unter Artgenossen und gegenüber anderen Vögeln geht es also nicht grundsätzlich aggressiv zu, außer wenn es um die Verteidigung des eigenen Nachwuchses geht.
Gegenüber Menschen sieht es ähnlich aus. Zwar kommt es vor, dass Gänse ihre Jungen verteidigen, etwa wenn ein Hund zu nah am Nachwuchs vorbeiläuft. Kretschmar stellt aber klar: „Das ist aber extrem selten.“ Auch die Stadt Bochum bestätigt indirekt ein eher harmloses Bild: Die Tiere näherten sich Menschen vor allem deshalb, weil sie durch Fütterung menschliche Nähe mit einer Nahrungsquelle verbinden – nicht aus Aggression. Das könne zwar „bei einigen Menschen Unsicherheits- oder Angstgefühle hervorrufen“, sei aber kein tatsächliches Angriffsverhalten.
Angst vor Wildgänsen – doch das eigentliche Problem liegt woanders
Wildgänse verkoten alles: Anders als bei Gefährlichkeit und Aggressivität ist dieser Vorwurf keine Übertreibung, sondern der Kern des eigentlichen Problems. „Das Hauptproblem ist eigentlich, dass die Menschen im Großstadtbereich finden, dass die Tiere alles vollkoten – die Wege und die Liegewiesen“, so Kretschmar.
Auch die Städte bestätigen das unabhängig voneinander. Düsseldorf spricht von einer weiterhin „hohen Kotbelastung“ auf Liege- und Spielwiesen trotz sinkender Gänsezahl, verschärft durch die anhaltende Trockenheit. Bochum berichtet, die „Hinterlassenschaften der Gänse“ würden von vielen Menschen als störend empfunden und beeinträchtigten die Nutzbarkeit von Wegen und Wiesenflächen. Hier ist an dem Vorurteil also tatsächlich etwas dran – es handelt sich um das mit Abstand größte reale Problem im Umgang mit den Tieren.
Bejagung und Vertreibung lösen das Problem: Wer glaubt, mit Abschuss oder Vergrämung ließen sich die Bestände dauerhaft in den Griff bekommen, irrt laut Kretschmar: „Maßnahmen bringen wenig. Die Tiere werden bejagt, aber das hat keine messbaren Auswirkungen auf die Population – der Bestand ist irgendwann von selbst gesättigt, weil einfach alles besiedelt ist.“ Ein Blick auf Dortmunds Streckenlisten der vergangenen fünf Jagdjahre stützt diese Einschätzung: Trotz jährlich Hunderter erlegter Grau-, Kanada- und Nilgänse bleibt der Bestand nach Einschätzung der Stadt weitgehend stabil.
Eine Ausnahme zeigt allerdings Düsseldorf: Dort geht die Population seit Einführung eines gezielten Gelegemanagements (Entnahme von Gänseeiern) im Jahr 2018 nachweislich leicht, aber kontinuierlich zurück – ein Hinweis darauf, dass nicht jede Maßnahme wirkungslos ist, sondern es offenbar auf die richtige Methode ankommt.
Wildgänse sind weniger gefährlich, aber ein echtes Ärgernis
Zusammengefasst zeigt sich: Die Angst vor Wildgänsen ist in den allermeisten Fällen unbegründet – die Tiere sind weder gefährliche Krankheitsüberträger noch grundsätzlich aggressiv. Real ist dagegen das Problem mit dem Kot auf Wegen und Wiesen, das Städte wie Dortmund, Bochum und Düsseldorf seit Jahren beschäftigt. Wer Wildgänsen im Park begegnet, kann laut Nabu und Stadtverwaltungen entspannt bleiben – und sollte höchstens auf den eigenen Hund oder die eigene Katze ein wachsameres Auge haben.
An einem See im Ruhrgebiet wurden mehrere Gänse mit Pfeilen angeschossen. Eine musste eingeschläfert werden. Mittlerweile ermittelt die Kriminalpolizei.