Gegenwind für den Sonnenkönig: Formiert sich eine Uefa-Rebellion gegen Gianni Infantino?

Gianni Infantino mag die Welt des Fußballs wahrscheinlich am liebsten harmonisch. Zumindest, wenn diese Harmonie darin besteht, dass ihm niemand widerspricht.

Als der Fifa-Präsident im Frühjahr ankündigte, beim Kongress 2027 für eine vierte Amtszeit kandidieren zu wollen, war die implizite Botschaft klar: Bitte klatschen, durchwinken, weitermachen. Doch im europäischen Fußball regt sich sichtlich Widerstand.

Überhaupt dürfte Infantino eigentlich gar nicht noch einmal antreten, weil seine dritte Amtszeit als Präsident endet, die nach Fifa-Statuten seine letzte sein müsste. Doch Infantino rechtfertigt seine erneute Kandidatur damit, dass er als Nachfolger für Sepp Blatter eine verkürzte erste Amtszeit hatte – die hatte nämlich nur drei statt vier Jahre gedauert.

Nachdem Infantino für seine zweite und dritte Amtszeit ohne Gegner wiedergewählt wurde, berichtet der britische Sender talkSport, dass hinter den Kulissen der Uefa der Druck wächst, bei der kommenden Präsidentschaftswahl im Jahr 2027 einen Gegenkandidaten gegen den Schweizer aufzustellen. Der Alleinherrscher solle demnach nicht noch einmal kampflos durchgewinkt werden.

Die Risse im System Infantino

Es ist kein Geheimnis, dass der Unmut über Infantinos Amtsführung in Europa seit Jahren schwelt. Die Akte Folarin Balogun, dessen Rot-Sperre nach einem Anruf von Donald Trump bei Infantino von der Fifa ausgesetzt wurde, vergrößerte den Ärger über die Infantino-Fifa weiter. Eine Entscheidung, die nicht offiziell begründet wurde und aktuellen Berichten zufolge nur von einer einzigen Person getroffen wurde.

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Die Uefa kritisierte den Fall deutlich, eine „rote Linie“ sei hiermit überschritten worden. Nun scheint es, will der europäische Fußballverband nicht länger zusehen, wie Infantino die nächste Wahl ohne Gegenkandidaten übersteht. Hochrangige Funktionäre aus Deutschland, Bosnien-Herzegowina, Norwegen, Schweden und Spanien sollen dem Bericht nach bereits intensiv über Alternativen debattiert haben.

Die Kandidaten-Suche: Zwischen Traum und Realität

Doch die große Frage lautet: Wer kommt dafür infrage? Uefa-Präsident Aleksander Čeferin wäre zwar formal der qualifizierteste Gegenentwurf, wolle laut talkSport jedoch eher an der Spitze des europäischen Verbandes bleiben. Auch PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi, der einigen Zuspruch für eine Kandidatur erhalten habe, wolle nicht Fifa-Präsident werden.

Vertreter mehrerer europäischer Nationalverbände sollen dem Bericht nach erwägen, Dariusz Mioduski zu unterstützen. Er ist Besitzer des polnischen Spitzenklubs Legia Warschau und Vorstandsmitglied der European Club Association (ECA).

Ob ein Kandidat gefunden werden kann, der stark genug ist, um Infantino von seinem Thron zu stoßen, bleibt ungewiss. So oder so scheint aber klar zu werden: Ganz so leicht wie 2019 und 2023, als Infantino qua Beifall wieder zum Fifa-Präsidenten gewählt wurde, wird es im Jahr 2027 nicht.

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