Berlin und Brandenburg
Neuartiger “Grün-Feucht-Kühl-Index” sieht Region unter Druck
- Neuer Index: Deutschlands Landschaften können Hitze und Trockenheit immer schlechter ausgleichen
- Berlin: Starke Unterschiede zwischen grünen Stadtrandlagen und stark versiegelter Innenstadt
- Brandenburg: Besonders niedrige Werte wegen Trockenheit, intensiver Landwirtschaft und vieler Kiefernforste
Deutschlands Landschaften können Hitze und Trockenheit nach Berechnungen des ECONICS-Insitutes zunehmend schlechter abpuffern.
Der neue Grün-Feucht-Kühl-Index für die Jahre 2021 bis 2025 zeigt vor allem in großflächigen Agrarlandschaften und in dicht bebauten Städten niedrige Werte. Besser schneiden etwa große, zusammenhängende Wälder und Feuchtgebiete ab.
Der Bericht wurde vom ECONICS Institute, einem Thinktank mit Sitz im brandenburgischen Chorin (Barnim), gemeinsam mit dem NABU in Spandauer Eiskeller vorgestellt. Die Autoren bezeichnen den Index selbst als "Geschäftsklimaindex für Ökosysteme". Neben der Erhebung geben sie auch konkrete Handlungsempfehlungen für Wiederherstellung und Anpassung.
Angespannte Situation
Für den Index wurden Satellitenbilder und Wetterdaten ausgewertet. Untersucht wurde, wie grün die Vegetation im September noch ist, wie viel Niederschlag im Laufe des Jahres fällt und wie sehr sich die Oberfläche erwärmt. Diese drei Größen wurden zu einer Kennzahl verbunden. Nach den Berechnungen lag der bundesweite Indexwert 2025 rund 16 Prozent niedriger als 2021.
Für Berlin weist der Index einen großen Unterschied zwischen den großen Wald- und Grünflächen am Stadtrand und der dicht bebauten Innenstadt auf. In stark versiegelten Teilen der Innenstadt liegen die Werte deutlich niedriger als in zusammenhängenden Landschaften mit Wald, Wasser und viel Vegetation. Kleinere Parks und einzelne Grünflächen können ihr unmittelbares Umfeld zwar kühlen, treten in der gesamtstädtischen Darstellung aber weniger deutlich hervor, wenn sie klein und voneinander getrennt sind.
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger sagte bei der Vorstellung des Berichts: "Schon viele der kleineren Parks in Berlin verschwinden in ihrer Wirkung auf dieser Karte, weil sie nicht groß genug und nicht vernetzt genug sind."
Berlin müsste großflächiger begrünt werden
Studienleiter Pierre Ibisch leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Hauptstadt ab: "Ein paar Dächer mit zentimeterhohem Rasen zu begrünen, Fassadenbegrünung oder das Aufstellen von Blumenkübeln wird nicht reichen. Es geht um Flächen, wo auch Boden vorhanden ist, der Wasser speichern kann und der diese Ökosysteme tragen kann." Nötig seien Flächen mit Bäumen, Sträuchern und dichter Vegetation. Parks, Straßenbäume, Gewässer und Wälder sollten besser miteinander verbunden werden.
Geringe Niederschlagmengen in Brandenburg
Brandenburg gehört laut Bericht zu den Bundesländern mit besonders vielen schlecht bewerteten Flächen. Ein Grund ist der geringe Niederschlag, hinzu kommen großflächige, strukturarme Agrarlandschaften und ein hoher Anteil an Kiefernforsten. Diese erwärmen sich an heißen Tagen stark und geraten bei Trockenheit besonders unter Druck. Besonders niedrige Werte zeigt der Bericht unter anderem für das Oderbruch. Studienleiter Ibisch verweist auf jahrhundertelange Entwässerung und die intensive landwirtschaftliche Nutzung.
Die Autoren empfehlen für solche Agrarlandschaften Zwischenfrüchte, Hecken und andere Strukturen, die Wind bremsen, Böden bedecken und Wasser zurückhalten können. Der Bericht nennt für Brandenburg auch günstigere Beispiele. Vergleichsweise hohe Werte erreichen demnach Laubwälder im Schlaubetal, im Bereich der Choriner Endmoräne und in der Uckermärkischen Seenlandschaft.
Sendung: rbb24 Abendschau, 14.07.2026, 19:48 Uhr
Video: rbb24 Abendschau, 14.07.2026, Samira El Hattab
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