Geldpolitik: „Money matters“ – klare Ziele von Fed-Chef Kevin Warsh

Geldpolitik: „Money matters“ – klare Ziele von Fed-Chef Kevin Warsh

Von Fed-Chef Kevin Warsh gab es in Jackson Hole zwar keine Zinsprognosen, aber deutliche Worte zur hohen Inflation in den USA. Der Dax stieg auf ein Rekordhoch.

Kevin Warsh bei der Ankunft in Jackson Hole. Foto: Bloomberg

Das alljährliche Treffen der Notenbanker im idyllischen Jackson Hole in Wyoming gehört zu den meistbeachteten Terminen im Kalender der Investoren und Analysten weltweit. Anders als bei regulären Zinssitzungen müssen die Notenbankchefs dort keine unmittelbare Entscheidung verkünden. Vielmehr bekommen sie die Gelegenheit, grundsätzlicher über die Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) zu sprechen: etwa unter welchen Bedingungen die Notenbank auf die Wirtschaftssituation reagieren wird.

Passend zum Veranstaltungsort sagte Warsh gleich zu Beginn seiner Rede: „You can call it a trail map, just don’t call it forward guidance.“ Warsh lachte zwar selbst über die Pointe, die Botschaft dahinter ist allerdings klar: Wo die Zinsen hingehen, wird der neue Fed-Chef wieder nicht verkünden. Und er lehnt in der Geldpolitik wohl wenig so entschieden ab wie die Forward Guidance.

Inflation liegt deutlich über dem Zielwert

Vor der Rede war die Spannung in diesem Jahr besonders groß. Für Kevin Warsh war es der erste Auftritt in Jackson Hole, seit er an der Spitze der Fed steht. Analysten hofften deshalb vor allem darauf, dass sie aus der Rede Signale herauslesen können, wie Warsh die wichtigste Notenbank der Welt führen will. Denn die wirtschaftliche Situation ist derzeit durchaus herausfordernd, die Fed verfehlt aktuell eines ihrer wichtigsten Ziele. Sie soll unter anderem für stabile Preise sorgen und strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Das letzte Mal auf diesem Niveau war sie aber im Dezember 2021. Im Juli lag die Inflationsrate bei 3,4 Prozent.

An den Finanzmärkten löste Warshs Rede zunächst keine größeren Verwerfungen aus, die Aktienmärkte reagierten eher verhalten. Nur der Dax zog kräftig an und stieg auf ein neues Rekordhoch von 26.618,74 Punkten in der Spitze. Auch am zuletzt sehr nervösen langfristigen Anleihenmarkt blieb eine Reaktion vorerst aus. Die zweijährige Treasury-Rendite stieg hingegen um rund sechs Basispunkte auf 4,31 Prozent. Das zeigt, dass Anleger nun mit einer strafferen Geldpolitik rechnen. Das lässt sich auch an der Terminbörse CME ablesen: Fast 60 Prozent der Beobachter rechnen mit einem Zinsschritt. Die nächste Sitzung der Fed findet am 16. September statt. In einer ersten Reaktion gab der Euro gegenüber dem US-Dollar nach und fiel auf 1,159, erholte sich aber rasch wieder.

Aber auch wenn Warsh keine direkten Zinsschritte ankündigte, eine Orientierung lieferte er trotzdem. Es ist deutlich wahrscheinlicher geworden, dass die Fed demnächst den Leitzins erhöht. Denn das wichtigste Ziel der Fed sei: das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Preisstabilität stelle sich nicht von selbst ein, sondern müsse von der Notenbank hergestellt werden, betonte Warsh. Die jüngsten Inflationsdaten wertete Warsh zwar als Verbesserung, für eine Entwarnung reichen sie ihm aber noch lange nicht. Die Notenbank habe noch einiges an Arbeit vor sich, so Warsh.

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Signale vom Finanzmarkt

Es ging ebenso um die Geldmenge, „money matters“, sagte Warsh. Er will neben klassischen Konjunktur- und Inflationsdaten also künftig wieder stärker darauf achten, wie viel Geld von der Zentralbank sowie von Banken und dem Finanzsystem geschaffen wird.

Dabei erklärte er auch seine Abneigung gegenüber der Forward Guidance: Die Fed brauche möglichst unverfälschte Signale von den Finanzmärkten, um Veränderungen in der Wirtschaft erkennen zu können. Wenn Anleger aber danach entscheiden, was die Fed als Nächstes tun könnte, beeinflusst die Notenbank mit ihrer Kommunikation eben jene Marktpreise, die sie als Informationsquelle nutzt.

Dabei bleibt Warsh seiner Linie treu. Während seiner ersten Amtszeit bei der Fed von 2006 bis 2011 galt der ehemalige Morgan-Stanley-Banker als „Markets Guy“. Sein Verständnis vom Finanzmarkt und für seine Akteure wurde von dem damaligen Notenbankchef Ben Bernanke stets geschätzt.

Das wichtigste Werkzeug der Geldpolitik bleibt für Warsh jedenfalls der kurzfristige Leitzins. Dieser wurde auf der jüngsten Zinssitzung bei einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Unkonventionelle Maßnahmen wie Anleihenkäufe sollten hingegen nur sehr sparsam eingesetzt werden, so der Notenbankchef.

Sehr ausführlich sprach Warsh auch über die Künstliche Intelligenz und die möglichen Folgen für den Arbeitsmarkt. Neben stabilen Preisen gehört auch eine möglichst hohe Beschäftigung zu dem gesetzlichen Mandat der Notenbank. Bisher sei nicht klar, bei wem die wirtschaftlichen Gewinne der KI tatsächlich ankommen, sagte Warsh. Ebenso ungewiss sei, was der technologische Wandel für den Arbeitsmarkt bedeute.

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