Geldwäsche-Verdacht Korruptionsvorwürfe setzen Selenskyj unter Druck
20.08.2026 · 20:57 Uhr
Eine Demonstration gegen Korruption in der Ukraine (Archivbild).
Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa/Efrem Lukatsky
Meinung | Berlin · Korruption belastet die Ukraine im Krieg und auf dem Weg in die Europäische Union. Präsident Selenskyj muss entschlossener dagegen vorgehen, ansonsten könnte er Vertrauen verlieren.
Russland ist der gefährlichste Feind der Ukraine. Unablässig überzieht das russische Militär das Nachbarland mit Raketen- und Drohnenangriffen. Zuletzt starben bei Attacken auf Kiew erneut mehr als ein Dutzend Menschen in nur einer Nacht. Doch die Ukraine hat auch einen gefährlichen Feind im Inneren: die Korruption. Präsident Wolodymyr Selenskyj muss sie dringend in den Griff bekommen. Sonst verliert er weiter an Rückhalt – im eigenen Land ebenso wie bei den Verbündeten im Ausland.
Es ist nicht das erste Mal, dass die politische Führung des Landes ins Visier der ukrainischen Antikorruptionsbehörden gerät. Das lässt sich zunächst auch positiv deuten: Es zeigt, dass die landeseigenen Strukturen zur Korruptionsbekämpfung funktionieren. Gleichzeitig beschädigen neue Vorwürfe aber das Vertrauen in die Institutionen eines Landes, das sich seit mehr als vier Jahren gegen massive Angriffe aus Russland verteidigt.
Selenskyj Vorgehen gegen Korruption reicht nicht aus
Im aktuellen Fall geht es um Vorwürfe der Geldwäsche in Millionenhöhe. Auch die inzwischen entlassene Vizechefin des Präsidialamtes geriet dabei in den Fokus der Ermittler. Es ist richtig, dass die Regierung in Kiew auch zwei mutmaßlich beteiligte, hochrangige Vertreter einer staatlichen Bank von ihren Aufgaben entbinden will. Die Vorwürfe müssen nun aufgeklärt werden.
Selenskyj selbst wird nicht beschuldigt. Doch sein Vorgehen gegen die Korruption in seinem Umfeld reicht offensichtlich nicht aus. Das hat auch Folgen für die Zukunft des Landes. Denn die Korruption gehört zu den größten Hindernissen auf dem Weg der Ukraine in die Europäische Union.
Seit 2022 sind Wahlen in der Ukraine ausgesetzt
Wenn der im Juli von Selenskyj zum Rücktritt gedrängte, beliebte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow nun einen legalen Weg zu Neuwahlen fordert, ist das einerseits ein Zeichen für gelebte Demokratie – trotz des Krieges. Andererseits zeigt es, wie groß die Unzufriedenheit mit der Regierung inzwischen ist. Wahlen sind wegen des geltenden Kriegsrechts seit 2022 ausgesetzt. Das ist nachvollziehbar. Doch je länger sie ausbleiben, desto größer könnte der Druck auf den Präsidenten werden.
Nicht zu vergessen: Kriege werden nicht nur an der Front entschieden, sondern auch in den Köpfen. Das zeigte sich im Februar 2022, als unter anderem Deutschland nach der russischen Invasion die notwendige Entschlossenheit bei der Unterstützung der Ukraine vermissen ließ – Stichwort: 5000 Helme. Dank des mutigen Widerstands der Ukrainer gelang es Selenskyj damals, mit Führungskraft, Charisma und täglichen Videobotschaften, eine beeindruckende Gegenwehr aufzubauen. Es wäre verheerend, wenn korrupte Personen in seinem Umfeld das bisher Erreichte aufs Spiel setzen würden.
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