Stand: 02.08.2026, 08:00 Uhr
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Eine Fremde machte Annette Derksen im Bus Komplimente für ihre „tolle Aura" und wollte auf einen Kaffee vorbeikommen. Vermutlich ein Trickbetrug.
Gauting – Offenbar versuchen Trickbetrüger aktuell, in die Wohnung älterer Menschen zu gelangen, um dort Geld und Wertgegenstände zu entwenden. In der Familie von Gemeinderätin Annette Derksen ist es in den vergangenen Tagen gleich zweimal passiert, dass eine Fremde Kontakt gesucht hat, sehr wahrscheinlich mit dem Ziel, sie zu betrügen. „Das kann kein Zufall sein“, so die Gautingerin. „Ich gehe davon aus, dass viele Menschen angesprochen werden. Ich möchte die Bevölkerung warnen.“
Ihr selbst ist es am Dienstag passiert. Derksen war im Bus auf dem Weg ins Klinikum Großhadern, um ihren Mann zu besuchen. Da kam eine adrette Frau auf sie zu und machte ihr mit osteuropäischem Akzent das Kompliment, dass sie eine tolle Aura hätte. „Das kam mir schon sonderbar vor“, so Derksen. Im Verlaufe des Gesprächs fragte die Frau, die sie zwischen Mitte 20 und Ende 30 schätzt, ob sie sie einmal zu Hause besuchen dürfte, auf einen Kaffee. Das lehnte die Gautingerin ab. „Daraufhin hat sie ganz schnell das Interesse verloren.“
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Wieder daheim, erzählte sie von der bizarren Begegnung im Bus. Da hakte die Mutter ein und sagte: „Mir ist vor zwei Wochen das Gleiche passiert.“ Die Mutter hatte sich vor etwa 14 Tagen an der Bushaltestelle an der Würmbrücke aufgehalten, als eine Frau – der Beschreibung nach die identische Person – Kontakt zu ihr aufnahm. Und zwar mit der Bemerkung, dass sie so freundlich aussehe. In der Folge bot ihr die Unbekannte Dienste als Küchenhilfe an. Die Mutter von Annette Derksen erwiderte, dass sie Familie habe, und lehnte dankend ab. Auch in diesem Fall verlor die Unbekannte sehr schnell das Interesse und verabschiedete sich kurz.
Die Grünen-Rätin wird Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Sie gibt zu: Hätte ihr die Mutter nicht diese Geschichte erzählt, wäre sie wohl auch nicht auf die Idee gekommen, die Polizei zu informieren. „Man hakt das im Kopf schnell ab und geht zur Tagesordnung über.“ Jetzt aber will sie die Bevölkerung warnen.
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Von einer Frau, die in Gauting gezielt Menschen am Bus oder an Bushaltestellen anspricht, hat Inspektionsleiter Andreas Ruch zwar noch nichts gehört. Das bedeutet aber nichts. „Anzeigen werden in der Regel nur erstattet, wenn es Geschädigte gibt.“ Und auch die gehen nicht in jedem Fall zur Polizei, oft, weil sie sich genieren. Die Schilderung der Familie Derksen lässt für ihn nur einen Schluss zu: „Da will sich jemand Zutritt in die Wohnung verschaffen.“ Die Masche ist altbekannt. „Seit ich bei der Polizei bin, gibt es solche Fälle.“
Im Grunde geht es immer darum, in die Wohnung älterer, meist alleinstehender Menschen zu gelangen. Zu diesem Zweck suchen die Täter das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen, meist, indem sie ihnen schmeicheln („Aura“, „so freundlich“). Wenn die Täter dann tatsächlich die Wohnung betreten, lassen sie ihrem Opfer den Vortritt und lehnen dann die Tür nur an, anstatt sie zu schließen. Das eröffnet einem Komplizen die Chance, die Wohnung ungestört nach Geld und Wertgegenständen abzusuchen, die sie oft genug im Nachtkästchen im Schlafzimmer finden. Ist die Absuche erfolgreich, gibt der Komplize ein Zeichen – und die nette Kaffeerunde ist ganz schnell wieder beendet.
Ruch hält seit vielen Jahren Vorträge zur Prävention vor Trickbetrügern. Die zentrale Botschaft darin: „Lassen Sie keine Fremden in die Wohnung.“ Auch den aktuellen Fall nimmt er zum Anlass für einen Appell: „Die eigene Wohnung muss tabu sein.“