Stand: 02.08.2026, 08:00 Uhr
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Der Ärztemangel spitzt sich zu: Mit einem starken Netzwerk aus Klinikum und Praxen will Freising die medizinische Zukunft sichern.
Freising/Landkreis – Zur Sicherung der wohnortnahen medizinischen Versorgung im Landkreis Freising haben das Klinikum Freising und die beteiligten Lehrpraxen ihre Kooperationsvereinbarung für den Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin erneuert. Landrätin Susanne Hoyer übernahm die Schirmherrschaft und betonte die Wichtigkeit der hausärztlichen Versorgung, besonders im ländlichen Raum.
Über die Hälfte der Hausärzte ist älter als 55 Jahre
Der Handlungsbedarf ist durch den demografischen Wandel groß: Von den rund 113 Hausärzten im Landkreis ist über die Hälfte älter als 55 Jahre, 42 sind bereits über 60. Während die Bevölkerung wächst und altert, wird die Praxisnachbesetzung zunehmend schwieriger. Der Planungsbereich Moosburg gilt laut Kassenärztlicher Vereinigung Bayerns (KVB) bereits offiziell als unterversorgt und erhält spezielle Förderungen. „Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass wir innovative Wege für die medizinische Versorgung von morgen gehen müssen. Genau hier setzt der Weiterbildungsverbund an“, so Hoyer.
Der 2013 gegründete Verbund wächst durch die neue Vereinbarung auf elf Lehrpraxen. Neu dabei sind zwei Hausarztpraxen in Moosburg und Au sowie erstmals eine neurologische Facharztpraxis in Freising. Das Netzwerk verknüpft die stationäre Weiterbildung am Klinikum mit der ambulanten Zeit in den Praxen, ergänzt durch gemeinsame Fortbildungen und Hospitationen. Ziel ist es laut Pressemitteilung des Landratsamtes, jungen Ärzten eine strukturierte Weiterbildung zu bieten und sie frühzeitig an den Landkreis zu binden. Seit 2023 unterstützt die Gesundheitsregionplus Landkreis Freising diese sektorenübergreifende Zusammenarbeit als zentraler Netzwerkpartner.
Die Herausforderungen nehmen zu
Als erst zweiter Verbund in Bayern erhielt der Weiterbildungsverbund Freising schon das Qualitätszertifikat der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin Bayern (KoStA), was laut Landratsamt die hohe Qualität der Weiterbildung und die enge Vernetzung bestätige. Geleitet wird der Verbund von der Hausärztin Dr. Jessica Bungartz-Çatak und PD Dr. Markus Neumaier, Ärztlicher Direktor des Klinikums. Dr. Martin Kawald, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, fungiert als wichtiges Bindeglied zwischen stationärer und ambulanter Versorgung sowie als Begleiter der Ärzte in Weiterbildung.

Neben den regionalen Herausforderungen wurden im Rahmen der Veranstaltung auch die aktuellen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen thematisiert. Die geplanten Reformen im Gesundheitswesen sowie die angespannte finanzielle Situation vieler Kliniken und Landkreise stellen die Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses zunehmend vor Herausforderungen.
Zunehmende Bürokratie belastet den ärztlichen Alltag
Insbesondere die Finanzierung der stationären Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung in der Allgemeinmedizin wurde kritisch betrachtet. Die bestehenden Fördermittel decken die tatsächlichen Personalkosten nur zu einem Teil ab. Dadurch verbleibt insbesondere für die Krankenhäuser ein erheblicher Eigenanteil, obwohl die stationäre Weiterbildung ein unverzichtbarer Bestandteil der allgemeinmedizinischen Facharztausbildung ist.
Auch die zunehmende Bürokratie belastet den ärztlichen Alltag. Anstatt mehr Zeit für die Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten aufbringen zu können, sehen sich viele Ärzte mit einem stetig wachsenden administrativen Aufwand konfrontiert. Gerade Modelle wie der Weiterbildungsverbund Freising zeigen, welches Potenzial in regionaler Zusammenarbeit steckt – „dieses Potenzial gilt es künftig durch passende gesundheitspolitische Rahmenbedingungen zu stärken“, so Hoyer abschließend.
Bereits vor drei Jahren hat eine Kranzberger Hausarztpraxis Alarm geschlagen wegen des medizinischen Nachwuchsmangels, vor allem auf dem Land. Was dem Ärztepaar Dr. Michael und Angelika Haslbeck Hoffnung macht: Immer mehr Frauen ergreifen den Beruf.