Publiziert28. Juli 2026, 06:40
BellinzonaGenfer Privatbank muss im Fall Karimowa Millionenbusse zahlen
Gulnara Karimowa stand wegen Geldwäscherei in der Schweiz vor Gericht. Schuldig gesprochen wurden aber die Genfer Privatbank Lombard Odier und einer ihrer Angestellten.

Darum gehts
- Ohne persönliche Anhörung war laut Bundesstrafgericht kein rechtsstaatlich sauberer Prozess möglich – das Verfahren gegen Gulnara Karimowa wurde eingestellt.
- Die 53-jährige Tochter des usbekischen Ex-Präsidenten soll über Telekomfirmen Schmiergelder in Milliardenhöhe erhalten und in der Schweiz versteckt haben.
- Verurteilt wurde stattdessen die Genfer Privatbank Lombard Odier wegen zu geringer Kontrollmechanismen, die das Urteil jedoch weiterziehen will.
Das ist passiert
Das Bundesstrafgericht hat das Verfahren gegen Gulnara Karimowa eingestellt, wie SRF am Montag berichtete. Die Tochter des 2016 verstorbenen Islom Karimow sitzt in Usbekistan im Gefängnis und durfte für den im April gestarteten Prozess nicht nach Bellinzona reisen. Das Bundesstrafgericht fällte deshalb schon vor Wochen den Entscheid, dass ohne persönliche Anhörung kein rechtsstaatlich sauberer Prozess möglich ist.
Laut Anklage soll Karimowa von internationalen Telekomfirmen Bestechungsgelder für die Vergabe von Mobilfunklizenzen in Milliardenhöhe erhalten haben. Ein Teil dieser Gelder soll über Bankkonten, Firmen und Immobilien in der Schweiz verborgen worden sein. Auch die Genfer Privatbank Lombard Odier sowie ein früherer Mitarbeiter standen mit vor Gericht. 30 Schweizer Bankkonten soll die heute 53-Jährige gehabt haben, wie SRF berichtete.
Gulnara Karimowa
Die Tochter des usbekischen Ex-Präsidenten Islom Karimow führte ein glamouröses Leben und wird deshalb auch als «usbekische Prinzessin» bezeichnet. Sie war einst Popsängerin, Modedesignerin und Diplomatin. Sie trat als UNO-Botschafterin in Genf auf und bewegte sich in internationalen Gesellschaftskreisen.
2014 fiel sie in Usbekistan in Ungnade, wurde unter Hausarrest gestellt und später inhaftiert. Bis heute sitzt sie im Gefängnis. Da sie nicht aus Usbekistan ausreisen durfte, konnte sie nicht persönlich vor Gericht in Bellinzona erscheinen. Die 53-Jährige wurde von Mitarbeitern des Bundesstrafgerichts in der usbekischen Hauptstadt Taschkent einvernommen.
Das ist das Urteil
Verurteilt wurden hingegen die Genfer Privatbank Lombard Odier und einer ihrer Angestellten. Das Bundesstrafgericht urteilte, die Bank habe nicht genügend unternommen, um die Geldwäscherei durch einen ihrer Angestellten zu verhindern. Sie wurde zu einer Geldstrafe von drei Millionen Franken verurteilt. Der Mitarbeiter erhält laut NZZ wegen qualifizierter Geldwäscherei eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.
Laut SRF will die Privatbank das Urteil weiterziehen. Lombard Odier ist der Meinung, die damaligen Kontrollmechanismen seien ausreichend gewesen und man selbst habe die verdächtigen Aktivitäten den Behörden gemeldet. Die Verfahrenskosten in der Höhe von über 2,3 Millionen Franken werden mit den beschlagnahmten Geldern (über 400 Millionen Franken) gedeckt.
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Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
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