Giftige Waldbrand-Rauchwolke aus Frankreich und Spanien zieht auch über Deutschland
Stand: 29.07.2026, 14:14 Uhr
Die Folgen der Waldbrände in Frankreich und Spanien könnten auch in Deutschland spürbar werden. Eine Rauchwolke nähert sich. Experten beobachten das sehr genau.
München – Wind und die steigenden Temperaturen fachen die Feuer in der Gegend um Bordeaux immer wieder an. Die Waldbrände an der französischen Atlantikküste im Departement Gironde sind am Mittwoch (29. Juli) im vollen Gange, teilt die Präfektur im jüngsten Lagebericht mit. Auch in Spanien, Portugal und Griechenland brennt es. Enorme Rauchwolken steigen auf. Smog-Alarm gilt in den betroffenen Regionen. Die Luftqualität ist „extrem schlecht“, warnen Behörden. Der Waldbrandrauch wird auch Deutschland erreichen, prognostiziert Dr. Mark Parrington, leitender Wissenschaftler beim Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS).

Der schwere Waldbrand in der Gironde brach am 22. Juli in der Nähe von Bordeaux im Ort Saumos aus. Touristen und Einheimische von Lège-Cap-Ferret wurden in einer beispiellosen Evakuierung in Sicherheit gebracht. Parallel entstand am 23. Juli ein zweiter großer Brand bei Biscarrosse und Parentis-en-Born. 42.000 Hektar Wald- und Buschland wurden bislang zerstört. Rund 240 Häuser liegen in Schutt und Asche. Die Auswirkungen der Brände auf Pflanzen und Tierwelt sind dramatisch. In Spanien verwüsteten die Waldbrände in Ávila westlich von Madrid sowie die benachbarten Regionen Madrid und Toledo zusammen bisher knapp 80.000 Hektar. Die Emissionen der Waldbrände weltweit, wie aktuell auf der griechischen Urlaubsinsel Paros, werden vom EU-Klimadienst Copernicus überwacht.
Waldbrände wüten weiter in Spanien und Frankreich – Rauchwolke erreicht in diesen Tagen Deutschland
„Die neuesten Vorhersagen zeigen, dass der Rauch aus den Waldbränden in Spanien und Frankreich von einer südwestlichen Luftströmung mitgerissen wird und sich in den kommenden Tagen über Frankreich hinweg in Richtung der zentralen Regionen Europas bewegen wird. Dieselbe Luftströmung könnte zudem etwas Saharastaub nach Europa tragen“, teilt Mark Parrington vom CAMS auf Anfrage des Münchner Merkur von Ippen. Media mit. „Die Aerosole ziehen im Laufe dieser Woche über Süddeutschland hinweg.“
Waldbrandrauch gilt als etwa zehnmal toxischer als reguläre Luftverschmutzung aus fossilen Brennstoffen, haben Forscher im Stanford Report 2025 festgestellt. Insbesondere der freigesetzte Feinstaub bei Waldbränden ist für Menschen laut dem Umweltbundesamt gefährlich. Und der Rauch kann sich über Kilometer ausbreiten – eine unterschätzte Gefahr.
Rauchwolke von Waldbränden für Deutschland gefährlich?
„Aktuell sind in Deutschland keine flächendeckend höheren Feinstaubkonzentrationen für PM10 oder PM2,5 in unserem Luftdatenportal verzeichnet“, teilte eine Sprecherin des Umweltbundesamtes auf Anfrage des Münchner Merkur von Ippen.Media mit. „Sollten sich die Waldbrände fortsetzen und sich die meteorologischen Bedingungen (Windrichtung aus Südwest, Luftdruck, Trockenheit) manifestieren, kann es natürlich zu einer Beeinträchtigung auch in Deutschland kommen.“
Besonders die kleinen Feinstaubpartikel PM2,5 dringen tief in die Lunge ein und können sogar ins Blut übergehen. Sie werden laut dem Umweltbundesamt mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch neurologische Erkrankungen wie Demenz und Diabetes Typ II werden mit Feinstaubwirkungen ursächlich in Verbindung gebracht.
Die Rauchwolke aus Frankreich und Spanien ist für Menschen in Deutschland jedoch keine Gefahr. „Die PM2,5-Konzentrationen dürften in Deutschland nicht hoch genug sein, um Auswirkungen auf die Luftqualität zu haben“, so Mark Parrington. Und weiter: „In den CAMS-Prognosen bleibt die Rauchwolke zwischen der Oberfläche und einer Höhe von etwa 2 km, was ein kurzer Blick auf einige Profilmessungen in ganz Europa bestätigt. Der Rauch könnte auch die Benelux-Region, die Schweiz und den Süden Skandinaviens erreichen.“
Beim Vulkanausbruch auf der Urlaubsinsel La Palma (19. September 2021) gelangten täglich tausende Tonnen Schwefelgase (SO₂) in die Atmosphäre. (Quellen: Umweltbundesamt, Copernicus Atmosphere Monitoring Service, atmo-nouvelleaquitaine.org, prevair.org,) (ml)