Stand: 26.10.2026, 20:08 Uhr
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Diese Urlaubsreise wird uns lange in Erinnerung bleiben. Und vermutlich dafür sorgen, dass sicher geglaubte Dinge ein wenig öfter hinterfragt werden.
München – Endlich Urlaub. Die schönste Zeit des Jahres. Man fiebert der freien Zeit förmlich entgegen – kommt sie endlich, kann es fast nicht schnell genug gehen. Zusammen mit meiner Frau entschied ich bereits im Hochsommer, die freie Woche Ende Oktober in Südtirol verbringen zu wollen. Bestimmt zehnmal oder häufiger hatte ich, und dann irgendwann wir, Urlaub in Norditalien gemacht. Die Fahrt von München über den Brenner, jedes Mal aufs Neue purer Genuss und reine Lebensfreude. Ein Klassiker. Allerdings sollte dieses Mal der Weg ins Passeiertal, im nördlichen Südtirol, ein Fiasko werden. Wir hatten uns zu sehr auf Google Maps verlassen.

Auf dem Weg in den Urlaub: Autofahrt nach Italien wird zur Nervenprobe
Am Montagvormittag ging es also los. Das Auto gepackt, genug Tank bis Österreich, um bei den Nachbarn von den deutlich niedrigeren Spritpreisen zu profitieren. Trotz Berufsverkehr kommen wir gut durch, bis Garmisch-Partenkirchen ein gefühlter Katzensprung. Auch bis Innsbruck läuft es wie geschmiert, am Rande der Stadt tanken wir unseren Peugeot voll – unter 1,90 Euro der Liter Super – die Taktik ist aufgegangen. Mit vollem Tank geht es dann, immer ein absichernder Blick auf Google Maps, unserem Navi auf jeder Urlaubsroute, in Richtung Brenner. Im Radio laufen bereits erste italienische Radiosender, das Urlaubsgefühl, es nimmt immer mehr Fahrt auf. Trotz unzähliger Baustellen und Schneckentempo überqueren wir zufrieden die Grenze zu Italien, das Ziel ist nicht mehr weit. Nur noch bis Sterzing, dort abfahren, und über die Passstraße SS44 bis ins Passeiertal. Jeder verbleibende Kilometer, ein Kinderspiel.
Von München nach Italien mit dem Auto: Plötzlich drehen alle um
Quer durch Sterzing geht es also runter von der Autobahn, ein paar Euro Maut werden fällig, dann wartet die Passstraße. Der gesamte Weg bis hierhin, einerseits ob der unzähligen Reisen wie automatisch im Kopf, anderseits stets geleitet durch das Navigationssystem unserer Zeit: Google Maps. Ein Blick auf das Handy zeigt: noch knapp 25 Minuten bis zum Hotel. Was das Navi sagt, zählt. Es ist wie ein Urvertrauen: Die Vorstellung, die Daten anzuzweifeln, mehr als absurd. Knapp fünf Minuten danach sollte uns das Leben allerdings eine Lektion bereithalten, die wir wohl nicht mehr vergessen werden.
„Strada chiusa“ – die Straße ist gesperrt. Mit provisorischem Klebeband und einem improvisierten Schild stehen zwei Arbeiter auf der Straße. Es ist tatsächlich so: Die SS44 ist auf einem Abschnitt von knapp drei Kilometern voll gesperrt. Auf der Seite des ÖAMTC lesen wir es schwarz auf weiß. Google Maps, das Navigationssystem unserer Zeit, der Reisepartner, der alles zu wissen schien, er hat versagt. Die Sperre, die von diesem Montag bis zum Freitag gilt, hatte das System noch nicht auf dem Schirm. Hinter uns: Ebersberger, Weilheimer, Dortmunder, Hannoveraner. Sie alle sind bis zur Sperre gefahren und wieder umgekehrt. Sie alle haben sich vermutlich auf Google Maps verlassen. Das kleine, fast nicht sichtbare Schild am Beginn der Passstraße, wir alle haben es übersehen. Doch jetzt hilft alles nichts: Statt in 20 Minuten auf der Sonnenterrasse zu sitzen, müssen wir dieses Fiasko jetzt als unsere Realität akzeptieren. Trotz der groben Enttäuschung bedienen wir Google Maps, statt in 20 Minuten werden wir in mehr als drei Stunden da sein. Es geht zurück nach Sterzing, von dort aus in den Süden nach Bozen, quer nach Meran und von dort aus auf die andere Seite der SS44, von wo aus wir das Ziel erreichen.
Es ist nach 16 Uhr, als wir das Hotel erreichen. Müde, aber glücklich. Wir wissen: Auf dem Weg zurück wird uns das gleiche Schicksal erwarten. Immerhin wissen wir es dann, und können mit Stops in Bozen und Sterzing das Beste daraus machen. Genauso war es dann auch, allerdings schafft es die Wut ab Stunde sechs im Auto dann doch wieder, die Kontrolle zu übernehmen. Es ist klar: Bei der nächsten Reise über eine Passstraße verlassen wir uns nicht blind auf Google Maps. (lso)