Griff AfD-Abgeordneter zum Baseballschläger? Attacke auf Jugendlichen erschüttert Sachsen-Anhalt
Stand: 15.08.2026, 16:15 Uhr
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Eklat in Sachsen-Anhalt: Hat ein AfD-Politiker einen 14-Jährigen mit einem Baseballschläger gejagt? Das LKA ermittelt, Grüne und Linke sind empört.
Stendal – 43 Prozent in den Umfragen, Sachsen-Anhalt fest im Blick – die AfD scheint auf dem Weg zu einem historischen Wahlerfolg zu sein. Doch nun, wenige Wochen vor der Wahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, steht ein Europaabgeordneter der in Teilen gesichert rechtsextremen Partei im Zentrum eines Gewaltvorwurfs: Er soll in Stendal einen 14-Jährigen mit einem Baseballschläger verfolgt und verletzt haben. Dementsprechend groß ist jetzt die Empörung beim politischen Gegner: „Wer als Abgeordneter einen Menschen mit einem Baseballschläger attackiert, hat jedes Maß verloren“, erklärte Linken-Fraktionschefin Eva von Angern der Nachrichtenagentur dpa. Das Landeskriminalamt hat dem Bericht zufolge die Ermittlungen übernommen.

Ähnlich scharf äußerte sich die Grünen-Spitzenkandidatin und Landesvorsitzende Susan Sziborra-Seidlitz zu dem Vorfall: „Wer einen Baseballschläger gegen einen 14-Jährigen einsetzt und in Kauf nimmt, ihn gefährlich zu verletzen, ist für ein politisches Amt nicht geeignet und muss sofort von seinem Mandat zurücktreten.“ Auch Tobias Kremkau, Vorsitzender des Grünen-Kreisverbands Altmark, betonte gegenüber der Welt: „Wahlplakate zu zerstören ist kein Kavaliersdelikt. Aber Jugendliche mit einem Baseballschläger anzugreifen, ist keine angemessene Reaktion.“
Eklat in Sachsen-Anhalt: Hat ein AfD-Mann Jugendliche mit Baseballschläger gejagt?
Was war geschehen? Bereits am Donnerstagabend gegen 23 Uhr sollen zwei Jugendliche in Stendal ein Wahlplakat der AfD beschädigt haben – nach eigenen Angaben des AfD-Abgeordneten auf Facebook bereits das dritte zerstörte Banner innerhalb einer Woche. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt (LKA), das die Ermittlungen von der örtlichen Polizei übernommen hat, bestätigte auf Anfrage: „Es kam zu einer möglichen körperlichen Auseinandersetzung zwischen einer der Immunität unterliegenden Person und zwei Jugendlichen. Dabei soll es zum Einsatz eines mutmaßlichen Schlagwerkzeuges gekommen sein.“ Ein Jugendlicher erlitt laut MDR-Bericht eine leichte Gehirnerschütterung, mehrere Prellungen sowie Verletzungen an Lippe und Zahnfleisch.
Wie Spiegel und Tagesspiegel übereinstimmend berichten, soll es sich bei „der Immunität unterliegenden Person“ um den AfD-Abgeordneten Arno Bausemer handeln. Dies wurde der dpa aus Sicherheitskreisen bestätigt. Bausemer schilderte den Vorfall sogar in Teilen selbst auf seiner Facebook-Seite: „Ich konnte einen der Täter nach kurzer Verfolgung und Gegenwehr stellen und festhalten.“ Zu den genauen Umständen, wie er den Jugendlichen gestellt habe, äußerte er sich zunächst nicht.
Der zweite Jugendliche berichtete dem MDR, Bausemer habe seinen Freund mit einem Baseballschläger „vom Roller geholt“. Gegenüber der Jungen Freiheit erklärte Bausemer hingegen, es sei zu keiner körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Das LKA erklärte, der genaue Tathergang sei „Gegenstand fortlaufender polizeilicher Sachverhaltsaufklärung“. Eine Aufhebung von Bausemers parlamentarischer Immunität wäre Voraussetzung für strafprozessuale Maßnahmen.
Der 43-jährige Bausemer ist seit 2024 Mitglied des Europaparlaments und seit 2019 Stadtrat in Stendal. Bereits bei der Europawahl stand er wegen ungenauer Angaben in seinem Lebenslauf in der Kritik – parteiintern führte das zu einer Rüge und Forderungen nach einem Parteiausschluss. Dieser erfolgte jedoch nicht: Erst im Juli wurde Bausemer auf einem AfD-Landesparteitag zum Landesschatzmeister der AfD in Sachsen-Anhalt gewählt.
Der Landkreis Stendal steht allerdings nicht zum ersten Mal im Kreuzfeuer. In dieser Region machen immer wieder radikalisierte Kreise auf sich aufmerksam. Erst kürzlich sorgte eine Sonnenwendfeier bei einem AfD-Kandidaten für Schlagzeilen, bei der Hitlerjugend-Lieder gesungen worden sein sollen, wie az-online.de berichtete.
Viel Streit vor Wahl in Sachsen-Anhalt: Viele Plakate werden abgerissen und beschädigt
Insgesamt ist die politische Auseinandersetzung mittlerweile in Sachsen-Anhalt durch Radikalität geprägt. Das LKA hat im laufenden Wahlkampf bereits 620 Fälle von Sachbeschädigung und Diebstahl an Wahlplakaten registriert – mehr als zum gleichen Zeitpunkt in früheren Wahlkämpfen. Betroffen sind alle im Landtag vertretenen Parteien: CDU, SPD, Linke und AfD berichten aus verschiedenen Regionen von zerschnittenen, beschmierten oder gestohlenen Plakaten. Allein im Salzlandkreis schätzte Polizeisprecher Marco Kopitz die Zahl der Anzeigen auf 20 bis 30 – „es werden jeden Tag mehr“, sagte er kürzlich der Magdeburger Volksstimme. Parteienvertreter sprechen von einer „zunehmenden Verrohung des politischen Umgangs“.
Der neue Vorfall fällt somit in eine politisch aufgeheizte Wahlkampfphase. Laut einer Pollytix-Umfrage vom 12. August kommt die AfD in Sachsen-Anhalt auf 43 Prozent – fast doppelt so viel wie die CDU mit 23 Prozent. Die Linke liegt bei 13 Prozent, die SPD bei sieben, die Grünen bei fünf Prozent. BSW (vier Prozent) und FDP (zwei Prozent) würden den Einzug in den Landtag demnach verpassen.
Umfrage vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Siegmund will absolute Mehrheit erreichen
Auch eine Insa-Erhebung für Bild vom 10. August sieht die AfD bei 42 Prozent. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund strebt das Amt des Ministerpräsidenten an – ein historisches Novum für die Partei. Da keine andere Partei bislang eine Koalition mit der AfD anstrebt, setzt die Partei auf eine absolute Mehrheit. Ob diese rechnerisch reicht, hängt maßgeblich davon ab, welche kleineren Parteien die Fünfprozenthürde überwinden. Campact-Vorstand Felix Kolb sagte dazu: „Noch ist nichts entschieden: Eine AfD-Regierung ist kein Automatismus in Sachsen-Anhalt.“
Dennoch verfolgt die AfD in Sachsen-Anhalt ein striktes Machtziel. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund präsentierte im Juli 2026 ein Sofortprogramm für die ersten 100 Tage einer möglichen Regierung. Dieses sieht unter anderem die Kündigung des Medienstaatsvertrages, eine flächendeckende Arbeitspflicht für Asylsuchende und ein Verbot von Regenbogenflaggen an Schulen vor. Brisant ist zudem, dass Sachsen-Anhalt turnusmäßig ab Oktober 2026 den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) übernehmen soll, was der Partei im Falle eines Wahlsiegs bundespolitischen Einfluss sichern würde.