Es ist Herbst, meteorologisch gesehen. Die Temperaturen in Berlin sind mild, doch der Beginn der Grippezeit ist nicht mehr fern, statistisch gesehen. Am 28. September beginnt die 40. Kalenderwoche und damit für das Robert-Koch-Institut (RKI) die Influenza-Saison.
In Bus und Bahn mögen sich manche Berliner bestätigt sehen: Es wird wieder geschnieft, gehustet, geniest. Doch wann die eigentliche Welle von Infektionen mit Influenza einsetzt, entscheidet sich jedes Jahr neu. Zuletzt begann sie Ende November 2025 und damit relativ früh.
Einen Hinweis darauf, was in diesem Winter zu erwarten ist, liefert die Entwicklung in Australien, wo Winter herrscht, wenn auf der Nordhalbkugel Sommer ist. Die Situation gestaltet sich verhältnismäßig entspannt. Nach Daten des australischen Meldesystems NNDSS, die die Immunisation Coalition zusammenstellt, wurden bis zum 17. August rund 82.700 laborbestätigte Grippefälle registriert.
Schutz vor Ansteckung
Es dominiert Influenza A (H3N2), wie die Gesundheitsbehörde Westaustraliens mitteilt. Es handelt sich um ebenjenen Erreger, der im vergangenen Jahr mit der neu aufgetretenen Variante Subklade K für Rekordzahlen sorgte. Dass er nun zu weniger Krankheitsfällen führt, könnte daran liegen, dass Personen vorerst geschützt sind, die sich in der vergangenen Saison mit dem Erreger infizierten. Experten wie der US-Infektiologe William Schaffner schließen das zumindest nicht aus; er sagte dem Fachportal Medscape, bei einer breiten Bevölkerungsimmunität sei eine mildere Saison nicht überraschend.
Profitiert Deutschland demnach von der vorangegangenen Influenza-Saison? Die Statistik jedenfalls spricht eine klare Sprache. Laut RKI wurden seit der 40. Meldewoche 2025 insgesamt 240.767 laborbestätigte Influenzafälle erfasst. 65.162 Erkrankte kamen ins Krankenhaus, das war gut jeder Vierte. Gezählt wurden 2229 Todesfälle mit bestätigter Influenzainfektion, 95 Prozent der Verstorbenen waren mindestens 60 Jahre alt. Die Grippewelle dauerte 15 Wochen und endete in der 10. Kalenderwoche. Gemeldet wurden außerdem 1461 Ausbrüche mit jeweils mindestens fünf Fällen, die meisten in Kitas, Krankenhäusern und Pflegeheimen.
Ein Fall von RSV-Infektion
Mag der Herbst für Meteorologen begonnen haben und die Zeit der Infekte gefühlt für Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel gestartet sein, gestaltet sich die Lage in Berlin momentan noch ausgesprochen ruhig. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) meldete für die 34. Kalenderwoche lediglich neun gemeldete Infektionen mit Influenza- und zwölf mit Coronaviren. Beim Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz RSV, lag lediglich ein Fall vor. Die Grippe-Viruslast im Abwasser stagniert. Bundesweit verzeichnet das RKI eine sehr niedrige Aktivität.
Im Stichprobennetz der Arztpraxen fand das RKI von Anfang Juli bis Anfang August vor allem Rhinoviren, die klassischen Schnupfenerreger, mit 37 Prozent an allen eingesandten Proben, dahinter Parainfluenza- und Adenoviren mit je zehn Prozent. Ein einziger Influenzanachweis gelang in der 30. Kalenderwoche.
Bleibt wie in jedem Jahr die Frage, wie man sich vor Ansteckung schützt. Und wie in jedem Jahr sind die Empfehlungen dieselben: Hygiene vor allem – und die Impfung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie allen Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, chronisch Kranken ab sechs Monaten, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen, medizinischem Personal sowie Menschen, die beruflich viel Publikumskontakt haben oder mit Risikopersonen zusammenleben. Für die Altersgruppe ab 60 sind Hochdosis- oder MF59-verstärkte Impfstoffe vorgesehen, weil das Immunsystem im Alter schwächer reagiert. Die Weltgesundheitsorganisation hat für 2026/27 alle drei Impfstoffkomponenten ausgetauscht.
Der beste Zeitpunkt liegt im Oktober und November, weil der Schutz etwa zwei Wochen braucht und nach einigen Monaten nachlässt. Später ist die Impfung weiterhin sinnvoll. Geimpft wird in Hausarztpraxen, bei Betriebsärzten und in Apotheken; nach Angaben der Apothekerorganisation ABDA verabreichten rund 1700 Apotheken in der vergangenen Saison etwa 218.000 Grippeimpfungen. Für gesetzlich Versicherte aus den Stiko-Gruppen ist die Impfung kostenfrei.
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