Stand: 12.07.2026, 21:31 Uhr
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Russlands digitaler Ukraine-Krieg: Hacker aus Moskau verschafften sich Kamera-Zugriff entlang NATO-Stützpunkten. Das Ziel: Waffenlieferungen verfolgen.
Russland hat nach Angaben niederländischer Geheimdienste NATO-Militärstützpunkte mithilfe zivil genutzter, mit dem Internet verbundener Kameras ausspioniert. Hacker mit Verbindungen zum Kreml verschafften sich Zugriff auf die Geräte, um den Transport militärischer Ausrüstung in die Ukraine zu überwachen, erklärten der Inlandsgeheimdienst AIVD und der Militärnachrichtendienst MIVD. Die gemeinsame Untersuchung ergab, dass die russische Operation gezielt Kameras anvisierte, die auf militärische Transportrouten ausgerichtet waren, in der Hoffnung, die nach Kiew gelieferten Waffensysteme zu identifizieren.
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Dieser Artikel von Joe Barnes entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
„Organisationen mit IP-Kameras auf diesen Routen sind inzwischen gewarnt worden, damit sie Gegenmaßnahmen ergreifen können“, erklärten die Behörden nach der Aufdeckung dessen, was sie als „groß angelegte russische Operation“ bezeichneten. Nach ihren Angaben richteten sich die Angriffe gegen „europäische NATO‑Mitgliedstaaten, darunter die Niederlande, sowie gegen die Ukraine“. Netzwerkkameras mit Internetzugang haben in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen – begünstigt durch billige Importe aus China und schnelle Breitbandverbindungen, die einen breiten Einsatz ermöglichen.

Obwohl die Geheimdienste den genauen Kameratyp nicht nannten, werden insbesondere Türklingelkameras häufig von Privatpersonen eingesetzt, um ihr Eigentum per Mobiltelefon zu überwachen. Hacker nutzen dann frei verfügbare Apps, um das Netz nach potenziell zugänglichen Geräten zu durchsuchen und verwundbare Systeme zu identifizieren. Die niederländische Untersuchung ergab, dass viele der Kameras unzureichend gesichert waren und „oft Standardpasswörter, veraltete Firmware und Standardkonfigurationen“ verwendeten, die Angriffen Tür und Tor öffnen.
Russlands Hacker im Ukraine-Krieg: Schwachstellen bei Kameras erleichtern russische Cyberangriffe
„Sobald eine IP-Kamera identifiziert ist, kann der Angreifer versuchen, über das Internet auf sie zuzugreifen“, erklärten die Dienste weiter. „Dies ist häufig relativ einfach, weil viele mit dem Internet verbundene IP-Kameras unzureichend gesichert sind.“ Das Hacken von Kameras hat sich in den vergangenen Jahren im modernen Kriegswesen etabliert, da nahezu jedes Gerät auf Straßen, vor Wohnhäusern oder an Firmenfassaden zur Informationsgewinnung genutzt werden kann. Schon einfache Installationen können zu inoffiziellen Spionageposten werden, ohne dass die Besitzer davon Kenntnis haben.
Ukrainische Hacker kaperten bereits russische Überwachungskameras, um Truppenbewegungen zu beobachten und gezielte Angriffe mit weitreichenden Waffensystemen zu steuern. Diese Technik setzte Kiew auch beim ersten Einsatz eines Unterseedrohnenangriffs gegen ein in der Hafenstadt Noworossijsk liegendes russisches U-Boot ein. Damals wurden zivile Kameras dazu genutzt, Aktivitäten im Hafenbereich zu verfolgen und Zielkoordinaten für den Einsatz zu präzisieren.
Israelische Sicherheitsvertreter warnten zudem, der Iran habe private Sicherheitskameras genutzt, um Ziele für Drohnen- und Raketenangriffe auf Israel auszumachen. Forschungen, die Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurden, ergaben, dass seit den ersten US-israelischen Angriffen Ende Februar Hunderte Geräte im Rahmen der Langstreckenkampagne der Islamischen Republik kompromittiert worden waren. Die Angreifer verschafften sich dabei systematisch Zugang zu privaten und gewerblichen Anlagen, um Bewegungen potenzieller Ziele zu analysieren.
Am markantesten gelang es jedoch israelischen Geheimdiensten und der CIA, in ein Netz von Sicherheits- und Verkehrskameras in Teheran einzudringen. So konnten sie Ali Chamenei, den früheren Obersten Führer, lokalisieren, bevor sie die Luftschläge einleiteten, die ihn am ersten Tag des Iran-Kriegs töteten. Die Nutzung solcher Kameranetze gilt inzwischen als einfacher und günstiger als der Einsatz von Drohnen und Satelliten zur Informationsbeschaffung, zumal die Systeme in großer Zahl vorhanden sind.
Bodennahe Perspektiven und Überraschungseffekt als Vorteil
Der Ansatz verschafft den Angreifern zudem einen Überraschungsvorteil, da die meisten Kamerabesitzer sich keiner fremden Zugriffe auf ihre Geräte bewusst sind. Mangels Auffälligkeiten im täglichen Gebrauch bleiben die Infiltrationen häufig über längere Zeit unentdeckt. Bodenbasierte Kameras bieten außerdem eine einzigartige Perspektive auf das Gelände, etwa auf Verkehrsfluss, Zugangspunkte und alltägliche Abläufe, was herkömmliche luftgestützte Spionagesysteme in dieser Detailtiefe in der Regel nicht leisten können. Dadurch werden sie zu einem wertvollen Ergänzungswerkzeug für militärische Aufklärung.