Durch einen Cyberangriff haben Unbekannte in der Nacht zum Montag die Kühlsysteme Hunderter Supermärkte in Frankreich manipuliert. Und zwar so: Die Temperaturen in zahlreichen Kühl- und Gefrierschränken stiegen auf 50 Grad Celsius. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Konsequenz: verdorbene Lebensmittel und sogar Brände in mehreren Filialen.
"Diese Kühlschränke haben eine Webadministrations-Oberfläche, so wie der Router zu Hause. Die Supermärkte hatten diese Oberfläche teilweise über das Internet erreichbar gemacht. Die Verwaltungsoberfläche hatte ein Standardpasswort. Das war ungefähr so einfach wie 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8. Dann haben die Hacker einfach die Temperatur auf 50 Grad gestellt. So einfach war es." Christopher Kunz, Redakteur für IT-Sicherheit bei "Heise Online"
Nach Medienberichten sollen unter anderem die französischen Supermarktketten Intermarché, Leclerc, Carrefour und Monoprix betroffen sein. Ermittler versuchen die Hintergründe aufzuklären.
Nach Angaben des IT-Sicherheitsexperten Kunz sind vergleichbare Kühlsysteme auch in Deutschland im Einsatz und entsprechend verwundbar. Doch ob Angriffe auf Kühlsysteme in weiteren Ländern stattgefunden haben, ist derzeit noch unklar.
Probleme auch bei der Supermarktkette Albert Heijn
Ebenfalls am Sonntag soll eine Cyberattacke in den Niederlanden passiert sein. Dort meldete Ahold Delhaize, ein niederländisch-belgischer Handelskonzern, zu dem auch Albert Heijn gehört, Sicherheitsprobleme im Netzwerk. Die Webseite, Apps und Online-Bestellungen waren betroffen. Vorsorglich schalteten die Verantwortlichen die Systeme ab.
Bei der Supermarktkette Albert Heijn ist nicht ganz klar, ob tatsächlich ein Hackerangriff dahintersteckt. Für den IT-Experten Christopher Kunz deutet jedoch vieles darauf hin: "Der Angriff scheint im zentralen Netzwerk des Konzerns gewesen zu sein, das die Supermärkte betreibt. Also auf Deutschland übersetzt, hieße das dann möglicherweise, dass die Zentrale und die zentralen Rechenzentren von Lidl oder Aldi angegriffen würden."
Supermärkte in NRW sind auch angreifbar - aber nicht betroffen
Auf Anfrage des WDR haben große deutsche Handelsketten Entwarnung gegeben: Weder die REWE Group noch Lidl Deutschland oder Kaufland berichten von vergleichbaren Vorfällen.
Absolute Sicherheit wird es nicht geben
Je mehr Systeme smart und über das Internet miteinander verbunden sind, desto größer wird die Gefahr von Angriffen. Hacker suchen immer nach Schwachstellen. Und irgendwo gibt es immer eine. Nach Ansicht von Christopher Kunz scheitern viele Unternehmen nicht an hochkomplexen Angriffen, sondern an grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen: Updates etwa, die zu spät eingespielt werden, Passwörter, die nicht geändert werden oder unsicher sind.