Anschlag Berlin: Hatte der Attentäter Komplizen? Bericht über zweites Handy

Wichtige Updates

Bekam der CSD-Attentäter Anweisungen? Ermittler sollen zweites Handy durchsuchen

Gedenken am Tatort: Queere Community fordert mehr Schutz

Mehr queerfeindliche Vorfälle in Brandenburg

Eine Woche nach Anschlag: 250.000 Menschen zu CSD in Hamburg erwartet

Martin Nefzger

Martin Nefzger

Neue Details zum Tod des CSD-Attentäters

Wie die "Welt" berichtet, soll sich der Zugriff in einer Kleingartenanlage in Spandau, bei der der CSD-Attentäter Abdul Ballout getötet wurde, anders zugetragen haben, als bisher bekannt. Wie die Zeitung berichtet, hätten Spezialkräfte der Polizei zunächst die Scharniere der Türen an einer Gartenlaube aufgesprengt. Man ging davon aus, dass sich der Gesuchte in dem Gebäude aufhalte.

Tatsächlich, so die "Welt", befand sich Ballout zu diesem Zeitpunkt aber in einem Gewächshaus. Von dort aus soll er mit einem Messer in der Hand auf die Einsatzkräfte zugestürmt sein. Diese hätten ihn daraufhin erschossen.

Martin Nefzger

Martin Nefzger

Testete der Berlin-Attentäter die Polizei schon vor dem Anschlag?

Schon vor dem Anschlag auf den CSD in Berlin wurde der mutmaßliche Täter Abdul Ballout als Gefährder überwacht. Wie die "Welt" berichtet, soll er sich dessen bewusst gewesen sein – und die Polizei "getestet" haben.

Laut dem Blatt wurde er im Juli vor seinem Haus mit einer Waffe beobachtet. In seiner Wohnung fanden Ermittler allerdings nur eine Spielzeugpistole. In Sicherheitskreisen soll man davon ausgehen, dass Ballout testen wollte, ob er überwacht wurde und wie schnell die Polizei reagieren würde.

Martin Nefzger

Martin Nefzger

Bekam der CSD-Attentäter Anweisungen? Ermittler sollen zweites Handy durchsuchen

Auch über eine Woche nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin dauern die Ermittlungen weiter an. Dabei soll laut einem Bericht der "Welt" zunehmend ein angebliches zweites Handy des Attentäters in den Fokus geraten. Das Gerät soll nach Informationen der Springer-Zeitung im Tatfahrzeug gefunden worden sein und derzeit vom Bundeskriminalamt ausgewertet werden. Es handle sich ausdrücklich nicht um das Telefon, das die Berliner Behörden durch die Einstufung des Täters als Gefährder bedingt überwacht haben.

Die Daten auf dem Handy könnten nun Erkenntnisse darüber liefern, ob der Islamist Ballout vor seinem Anschlag Kontakt zu weiteren Personen hatte, bei der Tat eventuell sogar angeleitet wurde. Darauf würden laut "Welt" Bewegungsdaten des als Waffe missbrauchten Mietwagens hindeuten. Denn der Täter fuhr nicht direkt zum Tiergarten, wo er später am Rande des CSD in eine Menschenmenge fuhr.

Stattdessen habe er einen Zickzack-Kurs zurückgelegt und immer wieder beschleunigt und gestoppt. Aus Ermittlerkreisen will die Zeitung erfahren habe, dass das die These stütze, dass Ballout angeleitet worden sei und während der Tat womöglich mit einer noch unbekannten Person in Kontakt stand.

Martin Nefzger

Martin Nefzger

Innenausschuss beschäftigt sich mit CSD-Anschlag

Der Innenausschuss des Bundestags wird morgen ab 13 Uhr über den islamistisch motivierten Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days in Berlin beraten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) soll die Abgeordneten über den Stand der Ermittlungen informieren. Die nichtöffentliche Sitzung findet wegen der parlamentarischen Sommerpause rein digital statt. Aus Sicherheitsgründen können deshalb nach Auskunft des Ausschussvorsitzes keine geheimen Informationen geteilt werden. 

Louisa Thönig

Louisa Thönig

Polizei setzt elektronische Fußfesseln bei vier Gefährdern ein 

Nach der CSD-Attacke rückt die Überwachung von Gefährdern erneut in den Fokus. In Berlin tragen nun vier Personen auf Antrag der Polizei elektronische Fußfesseln. Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel.

Leonhard Rosenauer

30-Jährige wird nach CSD in Hamburg attackiert

Drei junge Männer haben nur Stunden nach dem Ende der Hamburger CSD-Parade eine Angehörige der Queer-Community angegriffen. Die drei 20 bis Mitte 20 Jahre alten Männer brachten die 30-Jährige in der Nacht zu Sonntag im Stadtteil St. Pauli zu Fall, einer sprang ihr dann auf die Beine, wie die Polizei mitteilte. Dabei sei die Frau leicht verletzt worden. Der für Hasskriminalität zuständige Staatsschutz habe die Ermittlungen wegen des Verdachts der Bedrohung sowie der gefährlichen Körperverletzung übernommen.

Den Ermittlungen zufolge war es vor dem Angriff vor einer Szene-Bar in der Talstraße zunächst zu Streitigkeiten zwischen einer Frau und den drei Männern gekommen, nachdem diese die Frau belästigt hatten. Als daraufhin die 30-Jährige der Frau zu Hilfe gekommen sei, habe das Trio sie erst bedroht, die Flüchtende dann verfolgt und schließlich in der Simon-von-Utrecht-Straße angegriffen.

Tobias Köberlein

Gedenken am Tatort: Queere Community fordert mehr Schutz

Es war eine Mahnwache für die Opfer des islamistisch motivierten Anschlags, bei der ganz unterschiedliche Gefühle Platz hatten. Manche von denen, die am Sonntagabend an den Tatort im Berliner Tiergarten gekommen waren, hatten Tränen in den Augen. Andere waren wütend. Viele riefen laut gemeinsam "Liebe ist stärker als der Hass!"

"Wir lehnen jede Form der Gewalt ab. Rechte oder religiöse Ideologien verfolgen das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken", sagte Julia Miosga vom CSD-Verein Berlin. "Wir benennen islamistischen Terror klar und ohne Relativierung." Aber ebenso klar müsse es sein, sich jedem Versuch entgegenzustellen, die Tat für Hass gegen Musliminnen und Muslime oder Menschen bestimmter Herkunft zu instrumentalisieren.

Patrick Müller-Kampa vom LSVD Berlin-Brandenburg sagte, es reiche nicht, bei der Trauer stehenzubleiben. "Wir brauchen endlich die ausdrückliche Aufnahme des Schutzes queerer Menschen in Artikel 3 des Grundgesetzes", forderte er. "Wir brauchen ein Berliner Gewalthilfegesetz, das queere Menschen ausdrücklich mitdenkt und sicherstellt, dass Betroffene von Gewalt die Unterstützung bekommen, die sie brauchen."

Martin Nefzger

Martin Nefzger

Rund 3000 Menschen bei Mahnwache im Berliner Tiergarten

Zur Mahnwache nach dem CSD-Attentat am vergangenen Wochenende im Tiergarten sind am Sonntag laut rbb rund 3000 Menschen gekommen. Unweit des Anschlagsorts versammelten sie sich, um der Opfer zu gedenken. Vor Ort sind auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD).

Philipp Luther

Philipp Luther

Mehr queerfeindliche Vorfälle in Brandenburg

Die Zahl der queerfeindlichen Vorfälle hat in Brandenburg zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 589 solcher Angriffe erfasst, wie die Fachstelle "Andersartig" für Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie Trans-, Inter- und queere Menschen mitteilte. Im Jahr davor waren es mit rund 500 deutlich weniger.

Die Zahlen seien zum einen "Ausdruck einer weiteren Verschärfung der Lage, zum anderen jedoch auch vor dem Hintergrund der seit 2024 erweiterten Datengrundlage zu interpretieren", hieß es von der Fachstelle. Durch die systematische Einbeziehung zusätzlicher Meldewege konnten mehr Vorfälle erfasst werden als in den Vorjahren.

Mit 111 Fällen machten Beleidigungen den größten Teil aus. Dahinter folgen Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen. 308 Fälle rechnet die Stelle rechter Gesinnung als Tathintergrund zu. 106 seien mit religiösen Einstellungen in Verbindung zu bringen. In 54 Fällen standen familiäre Konflikte dahinter.

Martin Nefzger

Martin Nefzger

Union will nach CSD-Anschlag schärfere Gesetze

Nach dem CSD-Anschlag will die Union schnell handeln und schärfere Gesetze einführen. "Ich bin davon überzeugt, dass der Bundesinnenminister und die Bundesjustizministerin in den nächsten Wochen – vermutlich noch im August – entsprechende Vorschläge unterbreiten werden", sagte der neue Unionsfraktionschef Thorsten Frei der "Bild am Sonntag". "Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Beraten und Diskutieren nicht heißt, es auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben, sondern wir können sehr schnell agieren und auch umsetzen, wenn es notwendig ist, und das müssen wir auch."

Innenminister Dobrindt hatte sich für einen verstärkten Einsatz elektronischer Fußfesseln und eine bundesweit einheitliche Regelung zur Präventivhaft für Gefährder ausgesprochen. Zudem nannte er die Anwendung des Jugendstrafrechts bei erwachsenen Gefährdern "inakzeptabel". SPD-Fraktionschef Matthias Miersch zeigt sich offen für einen strengeren Umgang mit Gefährdern. "Es ist deutlich, dass wir mit dem Islamismus ein Problem haben", sagte Miersch unserer Redaktion. "Darum müssen wir aus meiner Sicht auch bei bestimmten Vereinen und Gruppen noch genauer hinschauen und Gefährder besser kontrollieren, auch wenn wir den Strafverfolgungsbehörden und Gerichten nicht für jeden Einzelfall den Umgang vorschreiben können."

Martin Nefzger

Martin Nefzger

Mahnwache heute Abend im Berliner Tiergarten

Im Tiergarten, unweit der Stelle, an der am vergangenen Wochenende der CSD-Anschlag stattfand, veranstalten der LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg und der LSVD Bundesverband am Sonntag ab 18 Uhr eine Mahnwache. "Kommt mit uns zusammen. In Gedenken. In Solidarität. Für Menschlichkeit", heißt es in der Ankündigung. "Wir wollen der Opfer gedenken, den Betroffenen und ihren Angehörigen unsere Solidarität zeigen und als Community zusammenstehen. Hass und Gewalt dürfen niemals das letzte Wort haben." Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat seine Teilnahme angekündigt.

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Hamburger Einkaufszentrum weist Menschen mit Regenbogenflagge ab

Sicherheitskräfte haben mehreren Menschen mit Regenbogenflagge am Christopher Street Day (CSD) in Hamburg den Zutritt zum Einkaufszentrum Europa Passage verwehrt. Der Sicherheitsdienst habe an zwei Eingängen Menschen mit dem Pride-Symbol abgewiesen oder dazu aufgefordert, ihre Flaggen einzurollen, sagte ein Polizeisprecher. Als Begründung hätten sich die Sicherheitskräfte auf das Hausrecht bezogen.

Betroffene schalteten daraufhin die Polizei ein. Die Beamten schritten ein, nach Erkenntnissen der Polizei änderten die Sicherheitskräfte daraufhin ihr Verhalten. Wie viele Menschen abgewiesen wurden, dazu gab es von der Polizei am Sonntag zunächst keine weiteren Informationen. Auch war nicht zu erfahren, ob die Beamten wegen der Vorfälle Ermittlungen aufnahmen.

Das Center Management der Europa Passage reagierte auf eine Anfrage zunächst nicht – außerhalb der Geschäftszeiten sei das Management am Wochenende nicht zu erreichen, hieß es. Zuvor hatte die "Hamburger Morgenpost" über die Vorfälle berichtet.

Jonas Stein

Jonas Stein

Bistum Fulda distanziert sich von homophoben Aussagen

Das Bistum Fulda hat sich von homophoben Äußerungen eines Pfarrers im Ruhestand distanziert. „Sie geben weder die Position des Bistums noch die Haltung seiner Verantwortlichen wieder“, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme. Der ehemalige Pfarrer hatte in einem Leserbrief der „Fuldaer Zeitung“ zum tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin geschrieben, alle, die sich noch Christen nennen würden, sollten „derartige Gräueltaten als ein Signal des Himmels verstehen, als einen Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr“.

Das Bistum erklärte dazu: „Insbesondere jede Deutung eines terroristischen Anschlags als Ausdruck eines göttlichen Handelns weisen wir entschieden zurück.“ Angesichts der Tat gelte die Anteilnahme den Opfern, ihren Angehörigen und allen Menschen, die durch das Verbrechen erschüttert worden seien.

Jonas Stein

Jonas Stein

„The Power of Love“ – Tausende bei Pride Parade in Brighton

Eine Woche nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben sich im britischen Badeort Brighton viele tausend Menschen zur Pride Parade versammelt. Motto des Events in diesem Jahr ist „The Power of Love“.

Die Parade zählt in Großbritannien zu den größten Events von und für Menschen, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht den traditionellen Mehrheitsnormen entspricht. Sie findet seit 35 Jahren statt und endet in der Nähe eines Parks, in dem das zweitägige „Pride on the Park“-Festival steigt. Headliner des Festivals ist am Samstag die britische Sängerin Raye („Love Of Your Life“), am Sonntag US-Künstlerin Diana Ross („Upside Down“). Über das Wochenende werden laut Veranstalter zu den Pride-Events mehrere hunderttausend Menschen erwartet.

Jonas Stein

Jonas Stein

Große CSD-Demo in Hamburg – Menschen trotz gestiegener Unsicherheit

Eine Woche nach dem Terroranschlag am Rande der Christopher-Street-Day-Feiern in Berlin haben in Hamburg Zehntausende für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt demonstriert und die queere Community gefeiert. Unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ zog eine Parade von 60 Lastwagen als fahrende Bühnen von Firmen, Vereinen, Parteien und evangelischer Kirche durch die Innenstadt.

Rund 300.000 Menschen waren nach Angaben von Polizei und Veranstaltern auf den Straßen. Im vergangenen Jahr waren etwa 260.000 Menschen gekommen. Unter den Teilnehmern waren etwa die prominente Dragqueen Olivia Jones und mehrere Politiker von SPD und Grünen, darunter SPD-Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch.

SPD-Fraktionschef Miersch wünscht sich einen Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einem Christopher Street Day. „Es wäre ein sehr gutes Zeichen, wenn der Kanzler zu einem CSD kommen würde“, sagte Miersch dieser Redaktion. „Ich finde es wichtig, dass wir als politische Verantwortungsträger in der aktuellen Lage Flagge zeigen.“

Angesichts des islamistischen Anschlags in Berlin hat das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung laut einer Umfrage gelitten. 38 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Civey Befragten gaben an, dass ihr Sicherheitsgefühl seit dem vergangenen Wochenende eindeutig oder eher abgenommen habe. 54 Prozent schätzen ihr persönliches Sicherheitsgefühl in der Umfrage im Auftrag dieser Redaktion unverändert ein. Sieben Prozent fühlen sich sicherer.

Die Hamburger Polizei hatte ihr Sicherheitskonzept noch einmal überarbeitet. Es sollen doppelt so viele Beamte wie bei der Demonstration im vergangenen Jahr im Einsatz sein.

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