Heim-WLAN-Branche unter Druck: Warum immer weniger Router gekauft werden

Radikaler Wandel beim Heim-WLAN: Warum immer weniger Router gekauft werden.

Der weltweite Markt für Heimnetzwerk-Geräte erlebt derzeit einen Absturz. Aktuelle Daten der Analyseagentur Counterpoint Research belegen, dass die Nachfrage nach Wi-Fi-Routern im Bereich der Privat-Konsumenten im ersten Quartal des Jahres um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen ist. Damit setzt sich eine mehrjährige Rezession fort. Denn im Vergleich zum Rekordjahr 2021 ist das gesamte Verkaufsvolumen im Einzelhandel inzwischen um fast 34 Prozent eingebrochen. Immer weniger Menschen wollen privat einen WLAN-Router kaufen. Die Gründe.

TP-Link dominiert Weltmarkt – Asus trotzt der Krise

Inmitten dieser globalen Absatzkrise festigen asiatische Großkonzerne ihre Vormachtstellung, während kleinere Marken zunehmend unter Druck geraten. Die Daten von Counterpoint Research zeigen, dass das chinesische Unternehmen TP-Link mit einem globalen Marktanteil von 20 Prozent die unangefochtene Nummer eins bleibt. Auf dem zweiten Platz folgt der Technologie-Riese Xiaomi, der sich einen weltweiten Anteil von zwölf Prozent sichern konnte.

Die Plätze drei bis fünf belegen die etablierten Anbieter Netgear (neun Prozent), Google (sieben Prozent) und Asus (sechs Prozent). Dem taiwanesischen Hersteller Asus gelang dabei ein echtes Kunststück, da die Marke ihr Verkaufsvolumen gegen den rückläufigen Trend im Jahresverlauf um 3,8 Prozent steigern konnte. Auch Google konnte ein leichtes Plus verbuchen.

Verändertes Kaufverhalten nach Pandemie-Boom

Für den anhaltenden Abwärtstrend gibt es klare wirtschaftliche und gesellschaftliche Ursachen, die eng mit veränderten Lebensumständen zusammenhängen. Während der Hochphase der Corona-Pandemie im Jahr 2021 schnellten die Router-Verkäufe sprunghaft in die Höhe, weil Millionen Menschen im Zuge von Remote-Arbeit und Online-Bildung stabileres Heim-Internet benötigten.

Diese künstlich vorgezogene Nachfrage ist im Jahr 2026 längst abgeflacht. Zudem statten Internetdienstanbieter ihre Kunden bei Vertragsabschluss mittlerweile standardmäßig mit hochentwickelten Miet-Routern aus, sodass ein separater Kauf im Elektronikhandel für Gelegenheitsnutzer oft überflüssig wird. Die Hersteller stehen nun vor der Herausforderung, dass einfache Standard-Router kaum noch Abnehmer finden.

Fokus auf Qualität, Gaming und Mesh-Systeme

Aufgrund der sinkenden Absatzzahlen im Massenmarkt passen die Hardware-Produzenten ihre Strategien an und setzen verstärkt auf hochpreisige Nischenmärkte. Die Experten stellen fest, dass das Wachstum im Einzelhandel primär von technologisch komplexen Systemen angetrieben wird. Insbesondere intelligente Mesh-Systeme zur lückenlosen WLAN-Abdeckung in großen Immobilien verzeichnen eine wachsende Nachfrage.

Gleichzeitig floriert der Bereich der spezialisierten Gaming-Router, die minimale Latenzzeiten und maximale Geschwindigkeiten garantieren, weshalb Marken wie Asus mit diesem Fokus Marktanteile gewinnen. Die Branche konzentriert sich folglich nicht mehr auf reine Verkaufsmengen, sondern sichert Margen über Premium-Technologien wie den modernen Wi-Fi 7-Standard.

Situation in Deutschland unterscheidet sich stark

Obwohl die weltweite Marktanalyse von Schwergewichten wie TP-Link und Xiaomi angeführt wird, unterscheidet sich die Situation in der Bundesrepublik in einem entscheidenden Punkt:

  • Hiesiger Marktführer fehlt: Die Berliner Marke Fritz taucht in der globalen Counterpoint-Analyse nicht auf. Das liegt daran, dass das Unternehmen extrem stark auf den europäischen Raum, insbesondere die DACH-Region, fokussiert ist. In Deutschland dominiert die FritzBox mit einem Marktanteil von über 50 Prozent in den Privathaushalten den Markt unangefochten.
  • Glasfaser-Umbruch zwingt zum Umdenken: Auch deutsche Haushalte spüren den Technologiewandel. Durch den fortschreitenden Glasfaser-Ausbau in Deutschland benötigen viele Haushalte neue Endgeräte, da alte DSL-Router ausgedient haben. Hierzulande entscheiden sich Verbraucher beim Wechsel meist für Premium-Geräte der FRITZ!Box-Reihe (z.B. FRITZ!Box 5690 Pro), was exakt den globalen Trend hin zu teurerer High-End-Hardware bestätigt.
  • Anbieter-Router bremsen den Neukauf: Genau wie im globalen Bericht beschrieben, erhalten auch in Deutschland Millionen Kunden ihren Router direkt von Providern wie der Deutschen Telekom, Vodafone oder 1&1. Da diese Zwangsmiete oder kostenlose Beigabe oft ein Standardgerät abdeckt, sinkt die Bereitschaft der Deutschen, zusätzlich Geld im freien Handel auszugeben.
  • Mesh-Nachfrage im Smart Home steigt: Der weltweite Trend zu Mesh-Systemen ist auch hierzulande der wichtigste Treiber im Netzwerkbereich. Durch die steigende Anzahl von Smart-TVs, Saugrobotern und intelligenten Haushaltsgeräten investieren deutsche Verbraucher gezielt in WLAN-Repeater und Mesh-Zentralen, um Funklöcher in den eigenen vier Wänden zu eliminieren.

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Bildquelle:

  • 130726 Router-Absatz weltweit: Counterpoint Retail Wi-Fi CPE Tracker, Q1 2026