FIFA-Präsident Infantino am Ende? Sein eigenes Heimatland lässt ihn fallen

Heimatland verweigert FIFA-Boss Infantino die Unterstützung

Stand: 01.10.2026, 08:10 Uhr

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Der Schweizer Fußballverband dreht Infantino den Rücken zu. Für den FIFA-Präsidenten wird der Weg zur Wiederwahl immer steiniger.

Zürich – Es sollte eigentlich eine Formsache werden. Gianni Infantino, seit 2016 an der Spitze des Weltfußballs, strebt im März 2027 seine vierte Amtszeit an – und schien dabei lange auf sicherem Kurs. Doch der Wind hat sich gedreht, und zwar kräftig. Nun bekommt der 56-Jährige den Gegenwind ausgerechnet aus jener Richtung zu spüren, aus der er ihn am wenigsten erwartet haben dürfte.

FIFA-Präsident Gianni Infantino kann nicht mehr auf die Unterstützung aus seinem Heimatland zählen.

FIFA-Präsident Gianni Infantino kann nicht mehr auf die Unterstützung aus seinem Heimatland zählen. © Teresa Suarez/dpa

Der Schlag sitzt tief: Ausgerechnet das Heimatland des FIFA-Chefs macht nicht mehr mit. Dabei hatte der Schweizerische Fußballverband (SFV) erst im Juni grünes Licht für Infantinos Kandidatur gegeben. Wenige Monate später ist davon nichts mehr übrig. Was in der Zwischenzeit passierte, lässt tief blicken.

FIFA-Präsident Infantino: Schweizer Verband zieht Unterstützung zurück

Der Zentralvorstand des SFV beschloss am Mittwoch, die im Juni 2026 erklärte Unterstützung für Infantinos Kandidatur bei der FIFA-Präsidentenwahl 2027 zurückzuziehen. SFV-Präsident Peter Knäbel machte dabei unmissverständlich klar, woran es hapert: „Der Schweizerische Fußballverband erwartet von der Führung der FIFA höchste Standards in Bezug auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und institutionelle Verantwortung.“ Diese Standards sieht der Verband derzeit nicht erfüllt.

Knäbel weiter: „Da diese nicht überzeugend geklärt sind, können wir eine weitere Unterstützung der Kandidatur von Gianni Infantino nicht verantworten.“ Zwei Vorgänge haben das Vertrauen des SFV nachhaltig erschüttert. Zum einen der Fall des US-Nationalspielers Folarin Balogun. Infantino soll auf Druck von US-Präsident Donald Trump Einfluss genommen haben, damit eine eigentlich fällige Sperre des Angreifers vor dem WM-Achtelfinale gegen Belgien nicht vollstreckt wurde.

Zum anderen das gescheiterte Projekt „FIFA Forward Enterprise“, über das Anteile an den kommerziellen Rechten der Weltmeisterschaft an private Investoren aus dem Umfeld Trumps verkauft werden sollten. Der Plan wurde Ende Juli publik, löste weltweit Empörung aus und musste kurz darauf wieder beerdigt werden.

Der SFV betont, sein Entscheid bedeute „keine Abkehr von der konstruktiven Zusammenarbeit innerhalb der FIFA“. Doch die Botschaft ist eindeutig. Zwar erkenne man die zuletzt angekündigten Reformschritte der FIFA als „wichtiges Signal“ an, zentrale Fragen zu Hintergründen und Entscheidungsprozessen blieben jedoch weiterhin ungeklärt.

Infantino steht damit von mehreren Seiten unter Beschuss. Die UEFA fordert seinen Rücktritt und bereitet eine Strafanzeige gegen Infantino vor. Anfang kommender Woche beraten die 55 europäischen Verbände in Berlin über das weitere Vorgehen – und arbeiten daran, bis zum Meldeschluss am 18. November einen Gegenkandidaten aufzustellen. Bereits vor Kurzem zerlegte DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke FIFA-Präsident Infantino.

UEFA-Strafanzeige und Gegenkandidatur: Infantino unter Druck

Aus dem Wallis in die Weltspitze – Infantinos Aufstieg war beeindruckend. Ob er im März 2027 beim FIFA-Kongress in Rabat tatsächlich für eine vierte Amtszeit bestätigt wird, ist inzwischen offener denn je. Sein Heimatverband glaubt jedenfalls nicht mehr daran, dass er der Richtige dafür ist. (ck)