Freiwilligenarbeit beim Basel Tattoo: Blick hinter die Kulissen

Helfer am Basel Tattoo Nie im Scheinwerferlicht, aber unentbehrlich für das Festival

Schlagzeilen machen Dudelsack- und Trommelgruppen, aber ohne Helfer läuft nichts – Pascal Roth ist seit 20 Jahren einer.

Wenn am Freitag bei der Premiere des «Basel Tattoo» die Scheinwerfer auf die 1000 Mitwirkenden in zwanzig Formationen gerichtet sind, dann wird Pascal Roth im Schatten eines Tribünendurchgangs stehen. Der 60-jährige Chemikant ist Helfer an diesem zweitgrössten Open-Air-Militärmusikfestival der Welt.

Menschen in bunten Uniformen bei einer Aufführung mit Feuerwerk im Hintergrund vor einem beleuchteten Gebäude.
Legende:

Für viele ist das Highlight jeweils das Grande Finale mit allen Beteiligten. (Archivbild der Hauptprobe von 2025)

Keystone/Georgios Kefalas

Roth ist rund zwei Wochen lang einer von 450 Helfenden. Ohne diese Ehrenamtlichen wäre der Grossanlass «völlig unmöglich», sagt Tattoo-Produzent Erik Juillard.

Doch warum arbeitet man gratis bei einem Anlass, der nach OK-Angaben für den Stadtkanton 25 Millionen Franken Wertschöpfung generiert? «Das Familiäre, das Erlebnis» faszinierten ihn, sagt Roth. «Jedes Jahr kommen tausend Aktive aus fünf Kontinenten mit bester Laune hierhin. Alle Helfenden, egal mit welchen Aufgaben, unterstützen einander.» Dass er Dudelsäcke sehr gerne hört, hilft natürlich.

Helfen mit Verantwortung

Roth ist seit dem Beginn vor 20 Jahren dabei, wie auch seine Frau. Beide verbringen alle Showabende im Hof der früheren Basler Kaserne. Dazu kommen Vorbereitungen. Schliesslich müssen auch bestens eingespielte Formationen noch viele Details vor Ort proben, bis alle Abläufe reibungslos klappen.

Gruppe von Menschen spielt Dudelsäcke hinter den Kulissen.
Legende:

Diskret sorgt Pascal Roth (rechts hinter Metallgestellen) bei «seinem» Gate 5 dafür, dass die Formationen perfekt in die Arena ein- und auslaufen.

SRF/Fabienne Nägeli

Beim ersten Basel Tattoo 2006 mit vier Showtagen und erst 60 Helfenden kontrollierte Roth Eintritte und war Platzanweiser. Doch weil er vom Start weg Verantwortung habe übernehmen wollen, wurde er im zweiten Jahr zum Regieassistenten und blieb dabei. Inzwischen sind es elf Shows an neun Tagen, an denen Roth im schwarzen Tattoo-T-Shirt und mit Funk-Headset an den Ohren bei der temporären Tribüne steht.

Ich bin am Gate 5; das ist meine kleine Welt.

Unter anderem passt er auf, dass keine Zuschauenden auf dem Weg zum WC eine einlaufende Formation kreuzen. «Ich bin am Gate 5; das ist meine kleine Welt. Ich muss dafür sorgen, dass alle Formationen zur richtigen Zeit da sind, um hineinzugehen. Und dass beim Rausgehen die Gänge frei sind.»

Seine Verantwortung gibt ihm auch Kompetenzen: Falls von den Formationen jemand den Tritt gar nicht findet, was bei den ersten Shows vorkommen könne, dann darf ihn Pascal Roth herauspicken. «Ob von 20 Trompeten eine fehlt, das merkt ja niemand.» Es gehe um das Ganze: «Das ist unser oberstes Credo: Die Show muss fliessen.»

Eine Persönlichkeitsschule

Erlebt habe er einiges. Er sei auch an der Aufgabe gewachsen: Gleich im ersten Jahr sei er als kleiner Helfer einem Tambourmajor der britischen Coldstream Guards in Uniform gegenübergestanden – einem der Leibregimenter von König Charles – und habe diesen eingewiesen. «Das muss man erst lernen.»

Seine Rolle als Zahnrad im grossen Apparat packt ihn immer noch. «Es ist jedes Jahr ein Riesenerlebnis mit den Bands und den Leuten um mich herum. Darauf will ich nicht verzichten; solange ich es vom Job her und gesundheitlich machen kann, werde ich hier stehen.» Zum Dank lädt das OK alle Helfenden jeweils im Herbst zu einem grossen Fest ein: «Da lassen wir es krachen, die ganze Familie.»

Gruppe von Personen in Militäruniformen, die Trompeten halten und marschieren.
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Bei Proben darf die prächtige Uniform noch im Schrank bleiben.

SRF/Fabienne Nägeli

Dazu gestossen war er über Bekannte der Fasnacht – das wichtigste informelle Netzwerk in Basel stand auch bei diesem Event Pate. Auch die Fasnacht lebt von Marschmusik, und das Spitzenensemble Top Secret Drum Corps initiierte das Tattoo, mit dem grossen Vorbild in Edinburgh.

Gleich geblieben sei nach zwei Dekaden aber eines, hält Roth fest: «Die Nervosität vor der Premiere.» Ab Freitag werden 75'000 Zuschauende erwartet, die sich auf eine perfekte Show freuen.