(+) Hamburg schwitzt: Warum beim Hitzeschutz so wenig passiert

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Hamburg

Hitze in Hamburg: Warum ein Experte weniger Platz für Autos fordert

Die Louise-Schroeder-Straße wurde von der dreispurigen Einbahnstraße zum Blumenmeer.
Florian Quandt

Nur circa 5,5 Prozent von Hamburgs Dächern sind begrünt, dabei wird das Thema angesichts der Hitzeperioden immer relevanter.

Wenn sich Hamburg im Sommer aufheizt, werden begrünte Dächer, Fassaden und Straßenräume immer wichtiger. Doch bislang kommt die Stadt beim Hitzeschutz nur langsam voran. Professor Wolfgang Dickhaut, Leiter des Fachgebiets „Umweltgerechte Stadt- und Infrastrukturplanung“ an der HafenCity Universität erklärt, woran es hapert – und warum Hamburg mehr Platz für Grün und weniger für Autos braucht.

MOPO: Nimmt Hamburg die Dach- und Fassadenbegrünung überhaupt ernst? Bislang sind gerade einmal 5,5 Prozent aller Dächer in der Hansestadt begrünt. 

Wolfgang Dickhaut: Hamburg hat schon eine umfangreiche Strategie zur Gebäudebegrünung entwickelt, die Fassade und Dach einschließt. Es gibt z.B. ein Förderprogramm für private Eigentümer, viel Öffentlichkeitsarbeit und Fachinformationen, Veranstaltungen, etc. Nach meinen Informationen gelingt das im Neubau größerer Baugebiete durchaus. Die große Herausforderung liegt allerdings im Bestand. Bislang gibt es noch keine gesetzliche Grundlage, die Eigentümer dazu verpflichtet, ihre Dächer im Bestand umzusatteln, wenn das technisch möglich ist.

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Wird sich das ändern?

Ja, ab dem nächsten Jahr wird mit dem Klimaanpassungsgesetz eine Begrünung und Solaranlage ab einer bestimmten Dachgröße verpflichtend. Das ist meiner Ansicht nach auch richtig, denn wir haben festgestellt, dass umfangreiche freiwillige Förderprogramme, Wettbewerbe, öffentliche Infoveranstaltungen und Beratungstermine bislang keinen Schwung in die Sache gebracht haben.

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Sind überhaupt alle Gebäude für eine Begrünung geeignet?

Dachbegrünung ist in Hamburg immer noch eine Frage der Kosten

Wolfgang Dickhaut

Technisch ist das in vielen Gebäuden für den Typ „extensives Gründach“ (pflegeleichte Dachbegrünung von 5 bis 15 cm, Anm. d. Red.) kein Problem, bei „intensiven Dachbegrünungen“ dann eine Frage der Statik. Nach meiner Einschätzung können 80 bis 90 Prozent der Bestandsgebäude mit Flachdach begrünt werden.

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Was ist dann das Problem?

Das ist immer noch eine Frage der Kosten. Dachbegrünung ist im Vergleich zu einer Folienabdeckung erstmal teurer, wenn man es auf den Quadratmeterpreis betrachtet. Allerdings ist der Lebenszyklus von Dachbegrünungen mit 50 bis 60 Jahren etwa doppelt so lang wie der von Folien, die durch die UV-Strahlung schneller zerstört werden. Das haben die allermeisten allerdings noch nicht im Blick, sondern vor allem die höheren Investitionskosten. Dabei lässt sich durch die Begrünung sogar sparen, eine städtische Förderung und zum Beispiel die Regenwassergebühr.

Lächelnder Mann in dunkler Kleidung vor heller Betonwand im seitlichen Licht.
Wolfgang Dickhaut ist Professor an der HafenCity Universität und Leiter des Fachgebiets „Umweltgerechte Stadt- und Infrastrukturplanung“.
HCU

Inwiefern?

Die Regenwassergebühr wird für Eigentümer getrennt von der Abwassergebühr berechnet. Wenn man das Regenwasser komplett auf dem eigenen Grundstück bewirtschaftet, etwa durch die Begrünung, kann man diese Gebühr bis auf 0 reduzieren. Die gesparten Gelder könnte man dann wiederum für die gärtnerische Leistung nutzen.

Wie muss sich Hamburg sonst noch verändern, um hitzeresilienter zu werden? 

Ein großer Faktor ist aus meiner Sicht die blau-grüne Infrastruktur, also ein Straßenraum mit Grünflächen, Bäumen und Regenwasser-Bewirtschaftung. Davon gibt es in Hamburg bereits einige Pilotprojekte, wie an der Königstraße, in der Louise-Schroeder-Straße oder am Rescha-Lübcke-Damm. Das Problem ist allerdings, dass es häufig bei diesen Pilotprojekten bleibt und die Stadt das nicht systematisch im Straßenumbau einsetzt.

Das gültige Regelwerk zum Straßenumbau wurde gerade nach drei Jahren Bearbeitungszeit  eingeführt. Es soll jetzt stärker zur Umsetzung der Klimafolgenanpassung systematisch verpflichten. Es wird interessant sein zu beobachten, ob und wann das passiert. Solange schmückt man sich weiter mit kleinen Pilotprojekten, die schöne Bilder produzieren.

Blick über die Mönckebergstraße auf die Hauptkirche St. Petri in Hamburgs Innenstadt.
Nur etwa 5,5 Prozent von Hamburgs Dächern sind bislang begrünt.
dpa/picture-alliance/Markus Scholz

Was muss in solchen Regelwerken verankert werden?

Unter anderem sollte eine sogenannte wasserwirtschaftliche Kaskade geplant werden. Das bedeutet, man sammelt das Regenwasser gezielt und versucht dann, es den Pflanzen zur Verfügung zu stellen. Wir müssen also weg von dem Prinzip, das Wasser wie bisher einfach in den Gulli und ins nächste Gewässer zu leiten. Dafür brauchen wir mehr Platz in den Straßenräumen und das erreichen wir nur durch eine konsequente Umsetzung der Verkehrswende, also weniger Platz für Autos. 

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