AUDIO: Hitzeschutz ohne Plan? Was Sömmerda anders macht (3 Min)
Klimawandel
39 Grad in Sömmerda: Wie sich die Stadt ohne Hitzeschutzplan schützt
Stand: 25.07.2026 05:00 Uhr
Die Stadt Sömmerda hat keinen offiziell verabschiedeten Hitzeschutzplan. Dennoch ergreift sie Maßnahmen, um sich in den immer heißeren Sommermonaten zu schützen. Bei der Feuerwehr gibt es nun dünnere Uniformen, auf dem Marktplatz spenden Container-Pflanzen Schatten. Geht Hitzeschutz also auch ohne Hitzeschutzplan?
von Til Schäbitz, MDR AKTUELL
- Ende Juni gab es einen Temperaturrekord in Sömmerda
- Vor allem Großstädte haben Hitzeschutzpläne
- Kommunen fehlt Geld für Hitzeschutzmaßnahmen
Die neue Sommeruniform: Schwarz, zwei einfache Lagen Stoff, keine Membran.
Da stehen sie und vergleichen ihre Jacken. Für die Feuerwehrmänner Ingo Kroll, Jamie Uschmann und Martin Hofmann eine ungewohnte Tätigkeit, doch auch so kann kommunaler Hitzeschutz aussehen. Bisher trug die Feuerwehr in Sömmerda rot. Eine dicke Jacke mit doppelter Membran. Weil die den besten Schutz bietet, ist sie bei Bränden in Gebäuden auch weiterhin Pflicht. Doch sie ist eben auch warm und schwer. Deswegen gibt es für alle anderen Einsätze nun eine Sommer-Variante: schwarz, zwei einfache Lagen Stoff, keine Membran.
Martin Hofmann von der Feuerwehr Sömmerda.
Wir hatten einen großen Feldbrand, da hatte ich die an und das Arbeiten war super Martin Hofmann, Feuerwehr Sömmerda
Im Einsatz hat sich das neue Modell schon bewährt, sagt Martin Hofmann: "Wir hatten einen großen Feldbrand, da hatte ich die an und das Arbeiten war super." Er empfehle allen Städten und Feuerwehren, sich diese Jacken anzuschaffen. Durch das Adrenalin würde sich Feuerwehrleute in ihren Uniformen stark aufheizen – besonders im Sommer müsse da entgegengewirkt werden.
Klimawandel in Thüringen: Warum Hitzeschutz immer wichtiger wird
Am 27. Juni wurde in Sömmerda ein neuer Temperaturrekord aufgestellt: 39 Grad Celsius – ein Wert, der vor Jahren noch undenkbar schien. Doch da solche Temperaturen aufgrund des Klimawandels in Zukunft eher die Regel werden könnten, wird nun an vielen Orten reagiert.
In Sömmerda sind die neuen Feuerwehr-Uniformen nur eine der Maßnahmen, um die Menschen in der Stadt vor Hitze zu schützen. Auf dem Marktplatz spenden neue Container-Pflanzen Schatten. Und auch die Glasfassade der Bibliothek hat eine neue Verschattung bekommen. Das berichtet der Leiter des Bau- und Umweltamtes in Sömmerda, Ulrich Braem. Diese Maßnahmen seien im integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt erarbeitet worden – einen offiziell verabschiedeten Hitzeplan gibt es hier nicht.
Was bringen die Konzepte für Kommunen wirklich?
Überhaupt sind derartige Pläne in Mitteldeutschland fast nur in den Großstädten zu finden. Zu Leipzig, Dresden, Erfurt und Jena gesellen sich noch einzelne Landkreise wie Nordsachsen oder Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, in kleineren Kommunen sind sie die absolute Ausnahme.
Das sei erstmal kein Problem, betont Moritz Ochsmann vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin: "Einen Hitzeaktionsplan zu haben, bedeutet auch nicht unbedingt, dass ich wirksame Maßnahmen schon umgesetzt habe." Gleichzeitig gebe es zahlreiche Kommunen, die sich schon jetzt um den Hitzeschutz kümmern, ohne jemals einen solchen Plan geschrieben zu haben.
Vielen Kommunen fehlt das Geld für Hitzeschutzmaßnahmen
Doch die Krux liege in der Finanzierung. Denn laut Ochsmann kann es ohne festgeschriebenen Hitzeplan schneller zu Geldproblemen kommen: "Die Hitzeaktionsplanung ist momentan eine freiwillige Aufgabe. Doch erst, wenn sie eine Pflichtaufgabe wäre, wäre sie auch automatisch mit Ressourcen hinterlegt. Und die fehlenden Ressourcen sind der entscheidende Knackpunkt bei der Umsetzung."
Auch in Sömmerda reicht das Geld längst nicht, um alle Ideen umzusetzen. In Thüringen wird momentan an einem landesweiten Hitzeplan gearbeitet. Der sollte eigentlich schon Ende 2025 fertig sein. Wann er nun veröffentlicht wird, ist unklar, doch Sömmerda setzt in der Zwischenzeit auf eigene Maßnahmen – wie bei der Feuerwehr und ihren Sommer-Outfits.
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