Pro Widerspruchslösung Deutschland ist bei der Organspende „stets bemüht“ – aber das reicht nicht
Meinung · Soll jeder zum Organspender werden, der nicht widerspricht? Ja, meint unsere Autorin. Und erklärt, warum diese Regelung nicht der Selbstbestimmung widerspräche.
25.07.2026 , 05:00 Uhr
Foto: Anna Ross
Stets bemüht – so hieße es vermutlich, würde man Deutschlands Versuche bewerten, die Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen. Es werden Kampagnen gefahren, Aufklärungsmaterialien verschickt. Das Ergebnis? Bei der Zahl der Organspender dümpeln wir abgeschlagen hinterher – und diskutieren noch immer, während so gut wie jedes andere europäische Land die Widerspruchslösung längst eingeführt hat.
Mit der Widerspruchslösung könnte alles einfacher sein
Spanien etwa, das selbige konsequent mit gut ausgebauten Transplantationsstrukturen verbunden hat, ist seit Jahren Weltspitze bei der Organspende. Davon profitieren wir, ohne mit der Wimper zu zucken: Denn über Eurotransplant werden Organe grenzüberschreitend vermittelt – deutsche Patienten erhalten mithin regelmäßig Organe aus Ländern mit Widerspruchslösung; wir nehmen also ohne zu zögern, was wir selbst nicht zu geben bereit sind. Dabei könnte es so einfach sein: Mit Widerspruchslösung wäre jeder potenziell Organspender – außer, er hat ausdrücklich widersprochen. Das widerspricht keineswegs der Selbstbestimmung, sondern respektiert sie mehr, als würden wir (wie bisher) Schweigen weiter als Ablehnung werten.
Nichts anderes tut die Entscheidungslösung immer da, wo kein Ausweis vorliegt und Angehörige zögern. Viele Spenden scheitern nicht an fehlendem Willen Verstorbener, sondern daran, dass Angehörige in Momenten tiefer Trauer unter Zeitdruck eine Entscheidung treffen müssen, die nie ihre hätte sein sollen. Die Widerspruchslösung würde zu einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema zwingen – und so zu einer informierteren Entscheidung führen. Stattdessen hat der Staat die Regelumkehr erneut verschleppt – auf Kosten jener, die auf den Wartelisten sterben. „Stets bemüht“ reicht hier nicht.